Was treibt die Preise für Nahrung wirklich in die Höhe? Die Antwort auf diese Frage ist in den vergangenen Monaten zu einem Politikum geworden.
Mit Schuldzuweisungen geizen die Akteure - darunter Hilfsorganisationen, Lobbyisten und Politiker - nicht.
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Abwechselnd sind es Spekulanten, hungrige Chinesen und die vermeintlich gierige Biokraftoffindustrie, die wegen steigender Getreide- und Reispreise an den Pranger gestellt werden.
Zahlen und Fakten, die ihre Argumente untermauern, haben die einzelnen Parteien zur Genüge bei der Hand. Hinterfragt man diese, stellt sich jedoch häufig heraus, dass sie wenig taugen, um die verworrene Lage zu klären.
"Meinung eines einzelnen Experten"
Kurz vor dem Treffen der G-8-Staaten in Japan sorgte nun am Freitag eine angebliche Geheimstudie der Weltbank für Aufregung. Die Nutzung von Pflanzen zur Gewinnung von Biokraftstoffen habe Lebensmittel um 75 Prozent teurer gemacht, schreibt die britische Zeitung Guardian unter Berufung auf das Papier und erklärt auch gleich, warum der brisante Inhalt unter Verschluss gehalten werde: Die Weltbank wolle die US-Regierung nicht verärgern, heißt es dazu.
Denn sollte die Zahl tatsächlich stimmen, dann wären die Vereinigten Staaten als einer der Hautpverantwortlichen der Misere identifiziert. Das Land hat mit der Herstellung von Ethanol aus Mais weltweit das ehrgeizigste Biokraftstoffprogramm aufgelegt und exportiert seitdem deutlich weniger.
Ein Sprecher der Weltbank in London versuchte die Wogen am Freitag zu glätten. Von einer Geheimstudie könne nicht die Rede sein. "Hier wurde die Meinung eines einzelnen Experten zitiert, den die Weltbank zu Rate gezogen hat, wie viele andere auch", sagte er der Süddeutschen Zeitung.
Er distanzierte sich vom Inhalt des Papiers, in dem es weiter heißt, dass weder Spekulanten noch die verstärkte Nachfrage aus Schwellenländern wie Indien und China Schuld an den steigenden Preisen trügen. Auch die mehrjährige Dürre in Ländern wie Australien habe nicht "wesentlich" dazu beigetragen.
Die Krise am Lebensmittelmarkt hat nach Einschätzung der Weltbank verschiedene Ursachen, die sie in einer am 2. Juli veröffentlichten Studie aufschlüsselt.
Genannt werden darin die Verteuerung von Energie und Düngemitteln, die Dollar-Schwäche, die weltweit wachsende Nachfrage nach Nahrung, aber auch die Exportstopps einiger Länder, die etwa bei Reis zu kurzfristigen Engpässen auf dem Weltmarkt geführt haben.
"Einen signifikanten Beitrag zu den steigenden Lebensmittelpreisen leistet sicher auch die Biokraftstoffproduktion" betonte der Weltbank-Sprecher. Einen Anteil von 75 Prozent an der Preiserhöhungen könne er aber nicht bestätigen.
Die Weltbank räumt der Biokraftstoffindustrie in einem Papier, das sie zum G8-Gipfel (7. bis 9. Juli) vorgelegt hat, durchaus Chancen ein. Für Treibstoff aus Pflanzen müssen demnach in Zukunft aber vor allem Rohstoffe eingesetzt werden, die nicht für die Ernährung relevant sind.
So wird die Herstellung von Ethanol aus Mais von der Weltbank durchaus kritisch beurteilt. Den entscheidenden Ausweg für den Konflikt zwischen Tank und Teller sieht die Organisation jedoch in der zweiten Generation von Biokraftstoffen, die aus Pflanzenabfällen gewonnen werden.
Allerdings gelten diese Verfahren als technisch noch nicht ausgereift. Bis es soweit ist, werden nach Einschätzung von Experten noch einige Jahre vergehen.
So lange werden die Staats- und Regierungschefs der G8-Länder nicht warten können. Die Welternährungslage ist eines der Hauptthemen nächste Woche in Japan.
Von den Politikern werden Beschlüsse zur Lösung des Problems erwartet. Die werden sie allerdings nur auf Basis von fundierten Zahlen und Fakten treffen können, Panikmache hilft hier nicht weiter.
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(SZ vom 05.07.2008/hgn)
Linke mit neuer Führung
Sieht man sich die Märkte für Agrarrohstoffe genauer an, besteht eigentlich kein Zweifel, das der Markt von Eiweißhaltigen Futtermitteln getrieben wird. 70% der Erlöse aus Soja werden mit der Futtermittelkomponente, dem Sojaschrot verdient. Biodiesel ist nichts anderes als ein Abfallprodukt der Futtermittelproduktion. Und dies obwohl zusätzliches Eiweißfuttermittel aus der Biospritproduktion auf dem Markt geworfen wird. (z.B. wird bei der Ethanolproduktion aus Getreidearten (z.B. Mais, Weizen etc.), der Anteil an Eiweiß für Futterzwecke verkauft. Da v.a. die USA, aber auch Europa steigende Exporte bei Getreidearten für Lebensmittel verzeichnet ist auch das Argument der Flächenkonkurenz ein Witz. In den USA werden für die Biospritproduktion längst verwaiste Flächen reaktiviert. Das dadurch zusätzlich entstehende Angebot für Eiweißfuttermittel saugt der Markt dennoch auf.
Woher die plötzliche Fleischeslust?
Die Schweine in Europa werden schon lange mit Sojaschrot aus aller Welt (v.a. Brasilien) über den Hafen von Rotterdam versorgt. Die Europäische Landwirtschaft könnte die Europäer zwar problemlos ernähren, aber eben nicht bei diesen Irrwitzigen und in jeder Hinsicht ungesunden Fleisch, Milch und Eierkonsum. Das Problem ist allerdings, dass sich "einige viele" neureiche in den Schwellenländern sich erdreisten sich genau so Irrwitzig zu ernähren wie dies die "modernen" Menschen der Industireländer tun.
Gruß, El Tuxo
In den meisten Punkten stimmt Ihr Beitrag. Aber eine kleine Bemerkung erlaube ich mir: Das Höfesterben geht auch aktuell weiter. Der Hauptgund liegt darin, das eine industrialisierte Landwirtschaft billiger ist. Der zweite Grund ist: Es finden sich auch kaum Deutsche, die diese Arbeit von Hand machen wollen. Deshalb werden, gerade für diese wenigen verbliebenen Arbeiten von Hand heute so viele Osteuropäer eingestellt.
sind die lebensmittelpreise ebenfalls stark gestiegen, aber die Gegebenheiten sind einfach ganz anders... Brasilien erlebt seit einigenJjahren einen Wirtschaftsaufschwung mit ca. 5% jaehrlichem Wachstum. Die Loehne steigen, die Bevoelkerung ist konsumfreudig. Gleichzeitig werden die Zinsen zur Infaltionspraevention angehoben. Resultat: Teuerung!
Auch bei Lebensmitteln! Das diese je nach Ernte und auch Nachrichtenlage unterschiedlich ausfallen sind nunmal die Gesetze des Marktes.
Dennoch ist Brasilien das Land, welches auf Bioalkohol setzt und interessanter Weise bieten seit 2005 alle Fahrzeughersteller FLEX-Motoren an, die mit Bioalkohol und\ oder Benzin betrieben werden koennen. Wobei der Alkohol mit einem Literpreis von umgerechnet ca. 50 Eurocent 50% guenstiger ist als Normalbenzin. Das die Produktion von Bioalkohol Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise hat, wird hier nicht diskutiert, da die Anbauflaechen fuer das Ausgangsprodukt Zuckerrohr in diesem riesigen Land die Agrarprodukte nicht kanabilisieren. Lediglich, dass die Boeden ausgebeutet werden ist ein Thema unter Naturschutzverbaenden.
Aber erinnern wir uns an die Bilder im Fernsehen aus Europa, Vernichtung von Agrarprodukten, damit der Preis stabil bleibt, bzw. die Subvention der EU auch bei den Verbanden ankommen.
Fuer mein Empfinden wird wieder einmal ein Schuldiger gesucht, um die oeffentliche Diskussion auf ein Thema zu lenken, welches von den eigentlichen Problemen ablenkt.
Das hatten wir schon oefter und es funktioniert auch, also weiter so!
In dem Artikel heißt es, Zitat:" "Sie hätte die Weltbank in die politische Schusslinie des Weißen Hauses gebracht", habe ein Entwicklungspolitiker gesagt.
Somit steht jetzt das Weiße Haus in der Schusslinie. Schon mehrmals hat das Weiße Haus wissenschaftliche Untersuchungen entweder torpediert, oder derart manipuliert, um seine eigene Unfähigkeit zu vertuschen, sich selbst und seine Interessenvertreter gewissermaßen Ruhe zu verschaffen um so weiter machen zu können, wie bisher. Dabei fühlt man sich stark an den Satiriker Ephraim Kishon erinnert.
Nur ist die Sachlage sehr viel ernster. Einher damit geht nämlich dramatisch zunehmender Hunger in der Welt. Die Skeptiker der Methode, aus Lebensmittel Treibstoff herzustellen haben mit ihrer Vermutung recht behalten, dass " Investoren" sich nicht darum kümmern, ob andere Menschen genug zu Essen haben oder nicht. Die ethischen Bedenken kamen also überwiegend aus dem "alten Europa".
Ach, wenn die Weltbank das sagt, stimmt's plötzlich?
Wenn Greenpeace das sagt (und das schon lange), ergibt das nicht gleich einen zeitungsfüllenden Artikel.
Paging