Lebensmittelindustrie Wursthersteller wehren sich gegen Kartellstrafe

21 Hersteller sollen sich jahrelang bei den Preisen abgesprochen haben, Nun drohen ihnen hohe Strafen vom Bundeskartellamt. (Symbolfoto)

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Das Wurstkartell soll bluten: Die Wettbewerbsbehörde verhängt hohe Strafen gegen Fleischfabrikanten. Sie sollen jahrelang Preise abgesprochen haben. Den Vorwurf lassen die betroffenen Firmen nicht auf sich sitzen.

  • Bundeskartellamt verhängt gegen 21 Wursthersteller Geldbußen in Höhe von insgesamt 338 Millionen Euro.
  • Die Wettbewerbshüter sehen Belege für illegale Preisabsprachen.
  • Betroffen sind bekannte Marken wie Böklunder, Herta, Meica, Rügenwalder und Wiesenhof.
  • Die ersten Unternehmen haben bereits Widerspruch gegen die Entscheidung angekündigt.

So liefen die Absprachen

Treffpunkt, so der Vorwurf, war das Hamburger Nobel-Hotel Atlantic: Diverse Wursthersteller sollen sich dort seit Jahrzehnten regelmäßig getroffen haben, um Preise abzumachen. Einzelne Firmen sind noch weiter gegangen. Sie sollen sich abgesprochen haben, um so zusammen Preiserhöhungen im Einzelhandel durchzusetzen, teilt die Wettbewerbsbehörde mit. Die Firmen verständigten sich demnach überwiegend per Telefon.

Weil sich die Produkte im Einzelnen zu sehr unterschieden, betrafen die Absprachen dem Kartellamt zufolge aber nicht die Preise für einzelne Produkte, sondern Preisspannen für Produktgruppen. Dabei ging es um Rohwurst wie Mett und Salami, Brühwurst wie Wiener und Frankfurter, Kochwurst wie Blut- und Sülzwurst sowie Schinken.

Unternehmen kündigen Widerstand an

Welche Firma wie viel zahlen muss, teilte das Kartellamt nicht mit. Das Bußgeld reicht von wenigen Hunderttausend Euro bis hin zu hohen Millionenbeträgen, so die Behörde. Auch gegen 33 Manager wurden Strafen verhängt.

Die Bußgeldbescheide sind allerdings noch nicht rechtskräftig - und sollen es nach dem Willen einiger betroffener Firmen auch nicht werden. So kündigten der größte deutsche Wurtsproduzent, die Zur-Mühlen-Gruppe, sowie der Lebensmittelkonzern Nestlé und die H. & E. Reinert Unternehmensgruppe bereits Widerstand an. Sie wehren sich grundsätzlich gegen die Kartellvorwürfe und wollen die Strafbescheide vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf anfechten.

Diese Unternehmen sind betroffen

  • Bell Deutschland Holding GmbH, Seevetal (vormals Abraham/Zimbo, Coop-Gruppe)
  • Böklunder Plumrose GmbH & Co. KG, Böklund/Könecke Fleischwarenfabrik GmbH & Co. KG, Bremen (Zur-Mühlen-Gruppe)
  • Döllinghareico GmbH & Co. KG, Elmshorn
  • Herta GmbH, Herten (Nestlé)
  • Franz Wiltmann GmbH & Co. KG, Versmold
  • H. Kemper GmbH & Co. KG, Notrup
  • H. & E. Reinert Holding GmbH & Co. KG, Versmold/ Sickendiek Fleischwarenfabrik GmbH & Co. KG, Neuenkirchen-Vörden
  • Hans Kupfer & Sohn GmbH & Co. KG, Heilsbronn
  • Heidemark Mästerkreis GmbH & Co. KG, Emstek-Höltinghausen
  • Heinrich Nölke GmbH & Co. KG, Versmold
  • Höhenrainer Delikatessen GmbH, Feldkirchen-Westerham
  • Lutz Fleischwaren GmbH, Landsberg am Lech (Vion)
  • Marten Vertriebs GmbH & Co. KG, Gütersloh
  • Meica Ammerländische Fleischwarenfabrik Fritz Meinen GmbH & Co. KG, Edewecht
  • Metten Fleischwaren GmbH & Co. KG, Finnentrop
  • Ponnath Die Meistermetzger GmbH, Kemnath
  • Rudolf und Robert Houdek GmbH, Starnberg
  • Rügenwalder Mühle Carl Müller GmbH & Co. KG; Bad Zwischenahn
  • Westfälische Fleischwarenfabrik Stockmeyer GmbH, Sassenberg (heristo AG)
  • Wiesenhof Geflügelwurst GmbH & Co. KG, Rietberg (PHW-Gruppe)
  • Willms Fleisch GmbH, Ruppichteroth