Lebensmittelindustrie Dieser Supermarkt verkauft nur abgelaufene Lebensmittel

Andrang am Eröffnungstag: Der Supermarkt "Wefood" in Kopenhagen verkauft ausschließlich Lebensmittel, die vorher von anderen Lebensmittelhändlern ausrangiert wurden.

(Foto: Quelle: Facebook/Wefood)
  • In Dänemark hat der erste Supermarkt eröffnet, der ausschließlich ausrangierte Lebensmittel verkauft.
  • In Deutschland gibt es ein solches Modell bislang nicht - der Handel ist dazu gezwungen, Produkte auszusortieren, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben.
Von Vivien Timmler

Braune Bananen, schrumpelige Tomaten oder Joghurts, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum fast überschritten ist: So etwas kommt bei den meisten Kunden nicht in den Einkaufswagen. Wir sind extrem wählerisch, wenn es um unseren Lebensmitteleinkauf geht - und das wissen die Lebensmittelkonzerne und Supermärkte ganz genau.

Fast 2,6 Millionen Tonnen Lebensmittel werden im deutschen Groß- und Einzelhandel jedes Jahr weggeworfen. Das sind bis zu sieben Prozent aller angelieferten Waren, hat die Stiftung WWF in einer Studie ermittelt. Aus dieser geht auch hervor: 2,4 Millionen Tonnen davon wären vermeidbar. Denn die Supermärkte schmeißen die Lebensmittel nicht etwa weg, weil sie mit gesundheitlichen Risiken behaftet sein könnten. Entscheidend sind vielmehr die Optik und Textur der Lebensmittel sowie die vermeintlichen Erwartungen der Konsumenten an Frische und Verfügbarkeit.

"Wefood" verkauft nur, was von anderen ausrangiert wurde

Ein Supermarkt in Dänemark wehrt sich nun gegen diese Praxis. Der Laden "Wefood" in Kopenhagen verkauft ausschließlich Lebensmittel, die vorher von anderen Lebensmittelhändlern ausrangiert wurden - und das für etwa die Hälfte des Originalpreises. Die Produkte kommen teilweise von dänischen Supermärkten, teilweise von lokalen Importfirmen, Metzgern oder kleineren Landwirtschaftsbetrieben.

"Wefood" ist in Dänemark der erste Supermarkt dieser Art, womöglich sogar der erste weltweit. Der Laden will nicht nur einkommensschwachen Haushalten eine Einkaufsmöglichkeit bieten, sondern generell auch jenen Menschen, die etwas gegen die Lebensmittelverschwendung auf der Welt tun wollen, heißt es von den Betreibern. "Viele Leute sehen das als positiven und politisch korrekten Weg, dem Problem zu begegnen", sagt Per Bjerre von der Non-Profit-Organisation (NGO) Folkekirkens Nødhjælp, die hinter dem Supermarkt steht.

"Wefood" verkauft, was von anderen ausrangiert wurde

(Foto: Mikkel Østergaard; Quelle: Facebook/Wefood)

Finanziert hat sich der "Wefood"-Supermarkt über Crowdfunding. Alle Verkäufer arbeiten ehrenamtlich und holen die ausrangierten Waren persönlich von den teilnehmenden Supermärkten und Betrieben ab.

Ein Modell, das in Deutschland nicht existiert - noch nicht

Denkbar ist ein solches Projekt wohl auch in Frankreich. Dort müssen große Supermärkte ihre nicht verkauften Lebensmittel seit Mitte letzten Jahres spenden. In Deutschland gibt es eine solche Regelung bislang nicht. Die Bundesregierung hat sich zwar zum Ziel gesetzt, die Vernichtung von verzehrbaren Lebensmitteln zu bremsen - sie setzt dabei jedoch nicht auf Gesetze, sondern auf eine sogenannte "freiwillige Verhaltensänderung".

Damit wird ein zentrales Problem jedoch nicht behoben: Der Handel ist gezwungen, Produkte auszusortieren, die das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten haben. Ob die Waren noch genießbar sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Mittlerweile lassen es aber viele Geschäfte zu, dass Tafeln die vermeintlich unverkäufliche Ware abholen und an Bedürftige verteilen.

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