Von Stefan Weber

Im stagnierenden Markt für Lebensmitteldiscounter setzen sich die Branchenführer Aldi und Lidl immer mehr von der Konkurrenz ab. Plus will mit einem neuen Partner nun dagegen halten.

Bis Weihnachten will die Tengelmann-Gruppe eine Lösung für ihre Discount-Tochter Plus gefunden haben. Der Billiganbieter ist mit 2900 Filialen in Deutschland die Nummer drei hinter Aldi und Lidl. Europaweit umfasst das Ladennetz knapp 4200 Standorte.

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Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub will vor allem das deutsche Geschäft von Plus in einer Partnerschaft mit einem anderen Lebensmittelhändler einbringen, "weil der Markt nicht mehr wächst und der Abstand zu den beiden führenden Unternehmen immer größer wird".

Bereit, die Mehrheit abzugeben

Dabei ist das Familienunternehmen, das mit den Supermärkten von Kaiser's/Tengelmann, der Baumarktkette Obi und dem Textildiscounter Kik weitere Standbeine im Einzelhandel besitzt, bereit, die Mehrheit an Plus abzugeben.

Nicht geplant sei dagegen, die Kette Plus komplett zu verkaufen, betonte Haub am Mittwoch bei der Vorlage der Bilanz für das Geschäftsjahr 2006/07 (30.4.).

Als Favoriten für ein Bündnis mit dem Billiganbieter gelten in der Branche Rewe und Edeka, die mit ihren Töchtern Penny beziehungsweise Netto ebenfalls im Discountgeschäft aktiv sind.

"Viel Gesprächsbedarf"

Über eine Partnerschaft mit Plus böte sich beiden Unternehmen die Chance, dem Branchenzweiten Lidl näher zu rücken. Mit wem Tengelmann verhandelt, wollte Haub nicht sagen. "Es gibt noch sehr viel Gesprächsbedarf. Entschieden ist noch nichts", betonte er jedoch.

Nicht ausgeschlossen sei, dass die Gespräche scheitern. Dann werde Tengelmann Plus allein weiterführen und lediglich im Ausland "einige Bereinigungen" vornehmen.

Ein Kernpunkt in den Verhandlungen ist offensichtlich die Vereinbarung einer Einkaufskooperation, die Tengelmann für seine mit 703 Märkten und 2,5 Milliarden Euro Umsatz vergleichsweise kleine Supermarktsparte sucht.

Im Verbund mit Rewe oder Edeka könnte das Familienunternehmen für seine Kaiser's- und Tengelmann-Märkte bei den Lieferanten sehr viel günstigere Preise aushandeln. "Da haben wir Nachholbedarf. Denn wir haben nicht die besten Einkaufskonditionen", so Haub.

Mögliche Filialschließungen

Auch die Frage, wie viele Filialen im Falle einer Partnerschaft beispielsweise mit Rewe oder Edeka geschlossen werden müssten, spielt in den Verhandlungen eine Rolle.

Haub: "Ein Abbau von Mitarbeitern im großen Stil kommt für uns nicht in Frage." Auch die in den vergangenen Jahren mit hohem Aufwand aufpolierte Marke Plus soll nach seinen Vorstellungen nicht untergehen.

Erste Gespräche mit dem Kartellamt habe es bereits gegeben. Die Wettbewerbshüter hätten grundsätzlich keine Bedenken gegen ein Bündnis von Plus mit einem anderen Lebensmittelhändler geäußert.

"Keine Not", sich von Plus zu trennen

Der Tengelmann-Chef betonte, dass es "keine Not" gebe, sich von Plus zu trennen. Der Discounter werde 2007/08 wieder einen Überschuss erwirtschaften. Im vorigen Jahr hatte der Billiganbieter mit einem nicht bezifferten Verlust abgeschlossen. Der Grund war Haub zufolge ein Umsatzeinbruch im Geschäft mit Nicht-Lebensmitteln von etwa 20 Prozent.

Die Probleme bei Plus waren jedoch nicht der einzige Grund, weshalb das 140. Geschäftsjahr in der Mülheimer Firmenzentrale keinen Jubel auslöste.

Zwar zog der Umsatz in der gesamten Gruppe - begünstigt durch zahlreiche neu eröffnete Geschäfte - um 1,7 Prozent auf 24,5 Milliarden Euro an. Im Zuge der Sanierung der US-Tochter A&P gab das Unternehmen aber zahlreiche Märkte auf. Das führte zu hohen Wertberichtigungen und einem Verlust bei A & P.

Rückgang im Europageschäft

Im Europageschäft musste Tengelmann einen Rückgang des Betriebsergebnisses um 15 Prozent auf 393 Millionen Euro hinnehmen. Neben Plus waren dafür die Supermärkte von Kaiser's Tengelmann verantwortlich, die mit einem "geringen Verlust" abschlossen.

Die Baumarkt-Tochter Obi setzte sich im vergangenen Jahr mit einem Umsatzplus von 9,3 Prozent zwar deutlich von den Mitbewerbern ab. Zurzeit kann sich der Branchenführer der schwierigen Situation im Geschäft mit Heimwerkerartikeln aber nicht entziehen.

Haub berichtet von bis zu zweistelligen Umsatzeinbrüchen in den deutschen Märkten. Den Grund dafür sieht er in der schwachen Wohnungsbaukonjunktur: Seit Jahresbeginn seien die Genehmigungen im Ein- und Zweifamilienhausbau um 50 Prozent zurückgegangen; im Wohnungsbau betrage das Minus 20 Prozent.

Textildiscounter Kik auf Wachstumskurs

Ungebremst auf Wachstumskurs befindet sich dagegen der Textildiscounter Kik. Das Unternehmen hat sein deutsches Filialnetz im vergangenen Jahr um mehr als 200 auf 2039 Läden erweitert und sucht weitere Standorte. Haub sieht ein Potential für mehr als 3000 Geschäfte. Zudem treibt Kik die Expansion im Ausland voran. Nach Österreich ist das Unternehmen seit kurzem auch in Tschechien und Slowenien vertreten.

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(SZ vom 11.10.07)