Leaders' Dialogue in New York IWF-Chefin Lagarde fordert EU-Länder auf, stärker füreinander zu haften

IWF-Chefin Christine Lagarde hat angesichts der Krise um die spanischen Banken zu einer Grundsatzreform des Weltfinanzsystems aufgerufen. In ihrer Rede beim "Leader's Dialogue" machte sie deutlich, dass sie akute Gefahren für die gesamte Weltwirtschaft sieht. Die Euro-Länder forderte sie zu mehr Gemeinsamkeit auf. Sie habe "großen Respekt" davor, welche Opfer die Griechen erbringen.

Mit Video. Von Nikolaus Piper, New York

Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat angesichts der Krise um die spanischen Banken zu einer Grundsatzreform des Weltfinanzsystems aufgerufen.

In ihrer Rede beim "Leader's Dialogue" der Süddeutschen Zeitung in New York sagte Lagarde am Freitag, fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise sei das System immer noch nicht sicher. "Während die Risiken von Tag zu Tag steigen, haben wir einen Scheideweg erreicht. Die Politiker müssen einen klaren Plan verfolgen, um das Problem zu lösen. Dabei sollten sie nicht nur auf die nächsten fünf bis zehn Jahre schauen, sondern auch auf die kommenden Wochen und Monate."

Lagarde machte deutlich, dass sie akute Gefahren für die gesamte Weltwirtschaft sieht. Schwache Banken bremsten das Wachstum. Besonders dringlich sei es, die europäischen Banken zu stabilisieren. Dies sei Aufgabe der Europäer selbst. "Das bedeutet mehr Europa, nicht weniger."

Lob für Deutschland

Nach den Vorstellungen den IWF müssen die europäischen Staaten die Bankenrisiken gemeinsam tragen. Das läuft auf eine "Bankenunion" hinaus, wie sie die Bundesregierung bisher ablehnt.

In einem Interview der Süddeutschen Zeitung hatte Lagarde die Europäer bereits zu mehr Gemeinsamkeit aufgefordert. Sie sprach sich unter anderem für eine europäische Bankenaufsicht, gemeinsame Garantien für Bankeinlagen und einen Schuldentilgungspakt aus, bei dem alle Mitglieder für einen Teil der Schulden der anderen haften.

Gemeinsam garantierte Schulden seien ein Zeichen für die Finanzmärkte, dass die Europäer es ernst nehmen, betonte Lagarde. "Was all die Bemühungen um die Erhaltung des Euro bisher unterminiert, sind die Unsicherheit und die Zweifel über die langfristige Vision der Politiker und die Nachhaltigkeit der Euro-Zone", sagte die ehemalige französische Finanzministerin.

Ausdrücklich lobte sie die jüngsten Lohnabschlüsse in Deutschland. Diese könnten zu einer "anderen Art von Wachstum" führen mit weniger Exportüberschüssen und mehr Konsum in Deutschland selbst.

Lagarde: "Großer Respekt" für Opfer der Griechen

Lagarde äußerte auch "großen Respekt für Griechenland und die griechische Bevölkerung und davor, welche Opfer sie erbringen". Die IWF-Chefin hatte zuvor durch ein Interview im britischen Guardian heftige Proteste ausgelöst. Darin vertrat sie die Ansicht, Kinder im afrikanischen Niger bräuchten noch mehr Hilfe als die Menschen in Athen. Diese Äußerungen seien missverstanden worden, sagte Lagarde jetzt der SZ. "Wir glauben nach wie vor, dass Griechenland diese Krise überwinden kann und eine bessere Zukunft haben wird, wenn alle Beteiligten ihre Verantwortung übernehmen und die richtigen Maßnahmen ergreifen."

Der IWF bildet zusammen mit der Europäischen Zentralbank und der EU-Kommission die "Troika", die über das Hilfs- und Sparprogramm mit Athen verhandelt.

Spanien habe bisher keine Hilfe vom IWF beantragt, sagte Lagarde. Der Fonds veröffentlichte am späten Freitagabend einen Bericht über die Lage der spanischen Banken. Der Kern des Bankensektors sei zwar gesund, heißt es darin, einige Institute könnten jedoch unter Stress "verletzbar" sein. Einige Banken bräuchten zusätzliche Kapitalreserven von mindestens 40 Milliarden Euro.