SZ: An Weihnachten 2007 stürzten Sie in Kasachstan mit einem Flugzeug ab. Wie haben Sie das Unglück erlebt?
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Da hatte er in der westfälischen Kleinstadt Rahden noch viel vor: Lars Windhorst vor dem Bauplakat zum Windhorst-Center. Das Firmengebäude nahm er selbst nie in Betrieb. Das Foto entstand im Juli 1996. (© Foto: dpa)
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Windhorst: Ich saß direkt hinter dem Cockpit und habe noch vor Augen, wie die Maschine kurz nach dem Start in sehr, sehr starke Schräglage und außer Kontrolle geriet. Dann verlor ich das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, lag ich etwas entfernt von der Maschine im Schnee. Zuerst wusste ich gar nicht, was passiert war. Das wird einem erst nach und nach bewusst. Der Pilot war sehr schwer verletzt und sein Kopilot tot. Ich hatte Verbrennungen im Gesicht, Prellungen, Rippenbrüche und ein Ohr musste wieder angenäht werden. Aber nach vier Wochen war ich wieder auf den Beinen.
SZ: Hat das Unglück Ihr Leben verändert?
Windhorst: Ich lag im Krankenhaus und konnte nichts machen, was für mich schon sehr ungewöhnlich war. Zwangsläufig denkt man da viel nach. Über das Unglück, aber auch über Fragen wie: Was habe ich bisher gemacht? Was passiert mit mir? Wo will ich hin? Ich habe in den folgenden Wochen und Monaten Menschen angerufen, mit denen ich lange nicht gesprochen hatte. Auch im privaten Bereich habe ich Beziehungen verfestigt und mich noch intensiver mit mir selbst beschäftigt. Ich treibe seither intensiver Sport, lebe bewusster und gesünder. Kaum war ich aus dem Krankenhaus raus, begann der Absturz der Finanzmärkte und damit eine neue extreme Herausforderung.
SZ: Vor nicht allzu langer Zeit gab es wieder hässliche Schlagzeilen, weil Sie bei der NordLB-Aktien bestellt, aber nicht abgeholt haben. Was war schiefgelaufen?
Windhorst: Wir hatten mit der NordLB über einen längeren Zeitraum eine für beide Seiten positive und erfolgreiche Geschäftsbeziehung. Diese ist dann in einem Konflikt geendet. Das ist sehr bedauerlich.
SZ: Kurz vor Weihnachten 2009 sind Sie glimpflich aus einem Strafprozess in Berlin herauskommen, der Sie lange belastet und gelähmt hat. Es ging um Untreue, Betrug und Insolvenzdelikte. Sie sind jetzt vorbestraft.
Windhorst: Nein, noch nicht. Ich werde unter Umständen vorbestraft für die Handlung der Untreue zum Nachteil meiner eigenen damaligen Firma. Das ist eine maximale Strafe, die aber noch nicht feststeht. Das wird bei einem separaten Verhandlungstermin geklärt. Vorher muss ich Geldauflagen erfüllen. Danach sind diese Verfahren endgültig eingestellt. Das bedeutet für mich eine sehr große Erleichterung, weil die jahrelangen Ermittlungen mit Abstand die größte Belastung waren.
SZ: Ein Vorwurf lautete Betrug. Sie hatten sich vom Klinikbetreiber Ulrich Marseille zehn Millionen Euro geliehen und nicht zurückbezahlt. Erst kurz vor Prozessbeginn floss Geld zurück, obwohl Marseille juristisch aufgrund Ihrer Insolvenz keine Ansprüche mehr auf das Geld gehabt hätte. Haben Sie nur zurückgezahlt, um gutes Wetter bei Gericht zu machen?
Windhorst: Ich hatte mit Ulrich Marseille einen sehr guten Kontakt, der durch diese Sache zerbrach. Kurze Zeit nach meinem Flugzeugabsturz habe ich den Kontakt zu ihm wieder aufgenommen. Es gab über viele Jahre keinen direkten Austausch zwischen uns, was im Nachhinein nicht gut war. Aber wenn es auf die juristische Ebene geht, verhärten oft die Fronten und Auseinandersetzungen eskalieren in einer Form, die im Nachhinein von beiden Seiten vielleicht gar nicht gewollt war. Ich freue mich, dass wir wieder Frieden schließen konnten.
SZ: Im vergangenen Jahr ging der Sapinda-Ableger Vatas in die Insolvenz. Wieder war vom Pleitier Windhorst die Rede.
Windhorst: Die Vatas-Insolvenz ist mit jener der alten Windhorst-Firmen nicht vergleichbar. Die Sapinda-Gruppe hat die außerordentlichen Verwerfungen an den Finanzmärkten besonders zu spüren bekommen - auch weil wir im Nachhinein betrachtet zu viele Risiken eingegangen sind. Dennoch war es nicht so, dass die Gruppe ihren Betrieb eingestellt hat und wir in allen Bereichen einen totalen Neuanfang starten mussten. Die Geschäfte der Vatas wurden von einer Nachfolgegesellschaft, der Sapinda-Deutschland, übernommen.
SZ: Das sind die üblichen Tricks, um die Schulden loszuwerden.
Windhorst: Moment, das ist kein Trick, sondern ein geregelter Prozess, den die Gesetze vorschreiben. Natürlich ist es sehr bedauerlich, dass durch die Vatas-Insolvenz Verluste entstanden sind. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass es leider in der Zeit wenige Marktteilnehmer gab, die es geschafft haben, sich ohne Verluste aus der Affäre zu ziehen.
SZ: Was machen Sie heute?
Windhorst: Wir stellen Unternehmen Eigenkapital und Fremdkapital zur Verfügung und beteiligen uns an interessanten Unternehmen. Wir sehen dort im Moment eine sehr interessante Marktphase. Es gibt eine große Asymmetrie zwischen Unternehmern, die Kapital brauchen, und denen, die viel Geld haben und investieren wollen. Ich glaube, dass wir dort eine gute, interessante und profitable Rolle spielen können.
SZ: Was machen Sie persönlich anders als früher?
Windhorst: Ich habe ein Team von erfahrenen Leuten um mich. Wir ergänzen uns hervorragend. Ich habe beispielsweise Schwächen in puncto Organisation. Vor allem haben wir intern ein hartes Risikomanagement aufgebaut. Außerdem ziehe ich Projekte konsequent durch und lasse mich nicht mehr ablenken. Ich will professionell und erfolgreich im europäischen Markt Geschäfte machen und meine Reputation in Deutschland zurückerarbeiten.
SZ: Wenn Sie in acht Jahren wieder ein Interview geben - welche Schlagzeile würden Sie dann gerne über sich lesen?
Windhorst: Es würde mir reichen, wenn Fakten und Tatsachen meiner Erfolge dann für sich sprechen.
Am 22. November 1976 wird Lars Windhorst im westfälischen Rahden geboren. Mit 16 verlässt er die Schule und gründet die Windhorst Electronics GmbH, die mit Computern handelt. Schon im ersten Jahr setzt er 80 Millionen DM um. Ab 1995 lebt Windhorst vorwiegend in Hongkong und führt mehrere Firmen, die Investments und Finanzdienstleistungen tätigen. 2001 gerät die Unternehmensgruppe ins Wanken, 2003 bricht sie zusammen. Ende 2009 muss er sich dafür in Berlin vor Gericht verantworten. Dabei ist er längst schon wieder zurück als Mitgründer der Investmentgruppe Sapinda. Windhorst ist verheiratet und lebt in London.
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(sueddeutsche.de/mel)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
"Gehen Sie mal in eine BWL-Vorlesung und fragen Sie dort die Studenten. 80% von denen finden so einen wie Lars Windhorst gut."
Nun kann ich nicht sagen, ob es 80 % sind, aber auf viele trifft diese Aussage sicher zu. Vor allem die Tatsache dass diese Leute wirklich rein wirtschaftlich ausgebildet werden. Da hat mir einer dieser Herren mal erläutert, dass Philosophen keine Daseinsberechtigung hätten und das ja alles brotlose Kunst und Luftnummern seien, was diese von sich gäben!
Man sollte wieder wesentlich mehr Wert auf Leute legen, die sich über grundlegendes übergreifende Gedanken machen und Zusammenhänge auch dort suchen wo sie auf den ersten Blick nicht zu sehen sind. Reine BWL'ler können dies nicht leisten, wie man in den letzten Jahren eindrucksvoll erkennen kann.
Diese Leute leben in ihrer eigenen Welt und blenden das was darüber hinaus geht aus. So auch unser Held aus der obigen Geschichte. Was interessieren ihn denn seine Konkurse? Was interessieren ihn denn die Arbeitsplätze die er damit vernichtet hat? Was interessieren ihn die Menschen? Was interessieren ihn die Auswirkungen seines Handelns auf das soziale Gefüge in einer Gesellschaft? Nachhaltigkeit, Langfristigkeit, Wertigkeit? Was ist das? Er lebt nur kurz und diese Zeit kostet er aus. Maximierung der persönlichen Erfolge! Man spricht dann oft von Epikureern und vergisst dabei, dass dieser Philosoph seine Maximierung des persönlichen Glücks und der Lebensfreude doch so ganz anders gemeint hat, als es diese Leute wie Windhorst leben!
"Zwangsläufig denkt man da viel nach. Über das Unglück, aber auch über Fragen wie: Was habe ich bisher gemacht? Was passiert mit mir? Wo will ich hin? "
Er denkt also nach wie vor an sich! Veränderung? Null!
@cascade40:
Genau das!
"Die Sapinda-Gruppe hat die außerordentlichen Verwerfungen an den Finanzmärkten besonders zu spüren bekommen - auch weil wir im Nachhinein betrachtet zu viele Risiken eingegangen sind."
Solche Leute sind es die die Krise ausgelöst haben, nicht die Unternehmer, die wirklich "Unternehmertum" mitbringen und mit ihrer Hände Arbeit eine Firma aufbauen, die tatsächlich auch einen Nutzen erbringt!
Man kann nur hoffen, dass die vagen Ankündigungen der letzten Tage aus Amerika und auch Europa wahr gemacht werden und den Finanzspekulatoren endlich das Handwerk gelegt wird!
"Kaum war ich aus dem Krankenhaus raus, begann der Absturz der Finanzmärkte und damit eine neue extreme Herausforderung."
Wenn ich die Sätze oben und hier nebeneinander lese, wird mir schlecht. Die selbst mit verursachte Krise wird dann gleich wieder als neue Herausforderung gesehen. Und solche Menschen schwimmen dann auch komischerweise immer wieder nach oben und denken sich nichts dabei, dass sie überall wo sie gehen, Scherben hinterlassen!
Gesindel!
Zitat joerndominik: "... die Ihren Feind im Unternehmertum erkannt hat..."
Noch einer, der nicht begriffen hat, dass das, was Herr Windhorst macht, nichts mit Unternehmertum zu tun hat...
@eddycat72:
"Schauen Sie mal in andere Länder - z.B. habe ich in Slowenien erst kürzlich eine junge Generation erleben dürfen die nach der Devise "The sky is the limit" denkt und arbeitet. Da ist das Scheitern tägliches Geschäft, aber niemand verachtet das. Im Gegenteil. Das halte ich für ehrlicher als 6 Jahre zu studieren um dann in einer Personalnummer unterzugehen... "
Ja da haben Sie ja Recht - es wäre schön wenn irgendeine Art von echter, positiver Dynamik in unserer Gesellschaft stattfinden würde. Gibt es aber nicht. Windeier wie Windhorst werden zu Ikonen stilisiert - neoliberale Erfolgsmärchen für den Wirtschaftsboulevard.
Deutschland ist verknöchert, versteinert und schnallt den Gürtel enger. Natürlich bei den anderen. Innovation? Null. Alles was der moralisch bankrotte Filz noch macht ist zu versuchen sich potemkinsche Dörfer auszubauen und die eigenen Pfründe unangetastet zu lassen.
Ach ja, ach ja, all` Ihr Neidischen und von Unternehmern
Ausgebeuteten und von der kapitalbestimmten Gesellschaft
unseres Landes Benachteiligten vereinigt Euch, Vereinigt
Euch mit den ewig Jammernden und Linksdrehenden der
BRD (Bürokratie-Republik-Deutschland), die Ihren Feind
im Unternehmertum erkannt hat und diese fehlgeleitete
Erkennntnis pflegen wird immerdar und dabei den immensen
Reichtum für alle anstrebt, wie er in den sozialistischen Ländern herrscht.
Die so Vereinigten dürfen allerdings nicht vergessen, dass es
für die hier auf Erden ständig von Ihnen gemolkenen Kühe nur
Futterstationen auf der Erde gibt und nicht im Himmel - bei aller
Himmelsgläubigkeit, die all`diesen Leuten schein`s eigen ist.
Paging