Landwirtschaft Warum dieser Ökobauer die Biobranche verlässt

Je mehr Tiere ein Bauer hält, desto mehr Geld bekommt er pro Kilo Kuhmilch: Solche Regeln gelten zunehmend auch für Biobauern.

(Foto: Imago)

Bio-Milchwirte würden zu Massenproduktion gedrängt, sagt Landwirt Bernhard Treffler - und gibt seinen Kühen nun wieder normales Futter.

Von Silvia Liebrich

Bernhard Treffler ist ausgestiegen. Mehr als 20 Jahre hat der Milchbauer aus Bayern nach den Regeln der Biobranche produziert, dann war Schluss für ihn. Aus Enttäuschung darüber, dass inzwischen selbst Ökobauern gedrängt würden, Masse zu produzieren, wie er sagt.

Grund für seinen Unmut ist ein neues Preissystem, das aus der konventionellen Milchindustrie stammt und nun auch in der Ökobranche Schule macht. Es bevorzugt große Lieferanten, die so mehr Geld für ihre Milch bekommen als kleine. Treffler findet das unfair: "Wenn die Zukunft des Ökolandbaus darin besteht, die kleinbäuerlichen Betriebe einem fragwürdigen Unternehmertum auszuliefern, dann hat er seine Ideale komplett aus den Augen verloren", schimpft er.

Dabei ist es für den ehemaligen Öko-Landwirt in den vergangenen Jahren bestens gelaufen, er hat mit Biomilch gut verdient. Sein Hof würde sogar von dem neuen System profitieren, weil dieser zu den größeren Betrieben gehöre, sagt er. Doch ihm geht es ums Prinzip. 75 Kühe hat er in seinem Stall stehen, in Eresing, einem Ort mit knapp 2000 Einwohnern nahe des Ammersees. Der Hof, den er zusammen mit seiner Frau bewirtschaftet, befindet sich seit mehr als 150 Jahren in Familienbesitz. Der große hagere Mann ist gern Landwirt. "Für mich ist das der schönste und vielseitigste Beruf, den ich mir vorstellen kann", sagt er.

EU gibt bei TTIP offenbar deutlich nach - zulasten der Bauern

Schon jetzt kämpfen etwa die Milchbauern in Europa mit großen Problemen. Das Freihandelsabkommen könnte das verschärfen. Von Silvia Liebrich mehr ...

Seine Milch hat Treffler gut zwei Jahrzehnte an die Andechser Molkerei Scheitz GmbH geliefert, ein Vorzeigebetrieb der Ökobranche. Anfang 2014 beschloss die Molkerei, einen Liefermengenzuschlag einzuführen - für Treffler der Anfang vom Ausstieg. Damals habe Andechser einen Milchpreis gezahlt, der unter dem Durchschnitt der bayerischen Biobranche lag, meint er. Die Molkerei habe den Zuschlag damit begründet, dass ein großer Betrieb mit 200 Kühen gedroht habe, er werde künftig an einen Konkurrenten liefern, wenn Andechser nicht den Preis erhöht. Die Lösung des Problems war der Liefermengenzuschlag, der dazu führt, dass der größte Lieferant 0,55 Cent mehr bekommt für ein Kilogramm Milch als der kleinste. Das entspricht etwa einem Prozent vom Bruttomilchpreis. Diese Zahlen bestätigt auch die Molkerei.

"Das klingt zunächst harmlos", meint Treffler. "Hochgerechnet auf einen 200- Kuh-Betrieb kommen so in zehn Jahren gut 84 000 Euro allein an Zuschlägen zusammen", meint er, während ein kleiner Betrieb nur auf 1500 Euro käme. Zahlen, die Treffler so in Relation setzt: "Konkret bedeutet das, dass die Kleinbauern die großen Schlepper der Großbetriebe finanzieren." Für Treffler ist das der falsche Weg. "Schließlich werden gerade die kleinen Familienbetriebe bei der Vermarktung vorangestellt. Deren Image wird benutzt, um am Markt höhere Preise für Bioprodukte zu erzielen."

Die Andechser Molkerei bestätigt, dass das neue Preissystem eingeführt wurde, "weil Wettbewerber versucht haben, gezielt große Betriebe von uns abzuwerben", wie es dort heißt. Molkereien begründen solche Zuschläge generell damit, dass die Erfassungskosten, die sich aus Liefermenge und Transportweg ergeben, für kleinere Betriebe höher seien. Treffler will das so pauschal aber nicht gelten lassen: "Der kleine Bauer neben der Molkerei verursacht wesentlich geringere Erfassungskosten als ein Großbetrieb mit einem Anfahrtsweg von zwei Stunden."

Nun bekommen seine Kühe wieder normales Kraftfutter

Enttäuscht zeigt sich Treffler auch von den Bioverbänden, die sich nicht in die Preispolitik der Molkereien einmischen wollen. Er selbst war jahrelang Mitglied bei Naturland. Dort habe es geheißen, man wolle sich als gemeinnütziger Verein nicht in die Preisgestaltung zwischen Abnehmern und Bauern einmischen, sagt er. Ähnlich äußert sich auch der Bioland-Verband auf Anfrage: "Der Verband ist nicht Verhandlungspartner bei Fragen des Milchpreises."

Treffler hat für sich die Konsequenzen gezogen. Seit vergangenem Frühjahr bekommen seine Kühe wieder normales Kraftfutter, das deutlich günstiger ist als Bioware. Weil sie jetzt doppelt so viel Getreide bekommen, geben sie ein Drittel mehr Milch. Deshalb liegt sein Einkommen nicht weit unter dem, was er zuvor als Biobauer erzielt hat.

Zwar bekommt er nun die Milchkrise voll zu spüren, die den konventionellen Markt erfasst hat, während der Biobereich boomt. Bereut hat Treffler den Ausstieg trotzdem nicht. "Ich habe mich bewusst entschieden und das Risiko gekannt." Grund zum Jammern sieht er nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Milchbauern hat er sich nach dem Auslaufen der Milchquote dafür entschieden, erst einmal nicht zu expandieren. Seine Gebäude sind abbezahlt. "Wenn ich mit meinem Betrieb so nicht über die Runden käme, würde ich ganz entschieden etwas falsch machen", sagt er.

Es gibt jetzt wieder normales Futter. Bisher war Bernhard Treffler überzeugter Bio-Anhänger. Doch dieser Markt entwickle sich falsch, findet er.

(Foto: oh)