Gemeinsam mit Amtskollegen aus 15 EU-Staaten will Bundesagrarministerin Ilse Aigner den Bauern helfen - doch mit ihrem Anliegen ist sie in Brüssel gescheitert.
Wegen der dramatischen Lage vieler Milchbauern fordern 16 EU-Staaten eine langfristige Steuerung der Milchmärkte. In einem Appell an die Europäische Kommission sprachen sich die Agrarminister unter anderem Deutschlands, Frankreichs und Österreichs dafür aus, die Instrumente anzupassen oder neue einzuführen, um auf die wachsenden Preisschwankungen flexibler eingehen zu können. Am Montag trafen sich die Agrarminister der 27 EU-Mitgliedstaaten in Brüssel, um einen Ausweg aus der Krise am Milchmarkt zu suchen.
Die Milchquote steigt seit einigen Jahren, bald fällt sie ganz weg. (© Foto: ap)
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"Die wirtschaftliche Situation der Milchproduzenten ist beunruhigend", hieß es. "Um ein Verschwinden der Betriebe im großen Stil zu vermeiden, muss die Europäische Union neue starke und konkrete Maßnahmen ergreifen." Der beschlossene Ausstieg aus der Milchquote müsse mit kurzfristigen Maßnahmen sowie einer "neuen Regulierung auf Gemeinschaftsebene" begleitet werden.
Schrittweise Steigerung
Mit der Milchquote hatte Brüssel jahrelang den Bauern vorgeschrieben, wie viel sie höchstens produzieren dürfen. Seit einiger Zeit wird die Quote jedoch schrittweise gesteigert und soll im Jahr 2015 komplett wegfallen. Ein großer Teil der Milchbauern sieht darin die Hauptursache für den Verfall des Milchpreises.
Derzeit erhalten Landwirte in Europa durchschnittlich 24 Cent pro Liter. Das sind dreißig Prozent weniger als Ende 2007. In Deutschland bekommen sie zum Teil sogar nur 18 Cent. Nach Angaben der Milchbauern wäre ein Literpreis von 40Cent nötig, um kostendeckend produzieren zu können. Wegen der Absatzprobleme hat die EU-Kommission im Frühjahr damit begonnen, den Bauern wieder einen Teil der Überschussproduktion abzukaufen und den Export mit Beihilfen zu subventionieren.
Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) war am Montag mit ihrer Forderung nach einem Einfrieren der Quote zunächst auf Widerstand gestoßen. am Abend dann erklärte sie ihre Bemühungen um eine europäische Lösung zur Unterstützung der Milchbauern für gescheitert.
Der schwedische Landwirtschaftsminister Eskil Erlandsson, dessen Land derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat, wandte sich gegen neue Regulierungen. "Ich glaube nicht, dass wir heute irgendwelche Entscheidungen fällen können", sagte Erlandsson. Auch die EU-Kommission und große Milchproduzenten wie die Niederlande sind gegen den Vorstoß. Aigner hatte gemeinsam mit Kollegen aus weiteren EU-Ländern gefordert, die Milchquote vorerst nicht weiter zu erhöhen. Die EU-Kommission und mehrere Mitgliedstaaten halten jedoch bislang am Auslaufen der Milchquote und der Liberalisierung des Milchmarkts fest. "Ich bin für einen freien Milchmarkt", sagte die niederländische Landwirtschaftsministerin Gerda Verburg. Die Niederlande zählen zu den großen Milcherzeugern in Europa. Auch EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel wandte sich gegen ein Einfrieren der Quote. "Das führt uns nirgendwohin", sagte sie. Die Quoten würden bereits jetzt nicht ausgeschöpft.
Mehrere Erleichterungen beschlossen
Auf die massiven Proteste der Bauern hin hat die EU-Kommission bereits mehrere Erleichterungen beschlossen. Aigner kritisierte, sie reichten nicht aus. "Das Problem ist auf europäischer Ebene entstanden, deshalb wollen wir auch eine europäische Lösung." Neue Eingriffe seien nötig, da es zu "schweren Marktstörungen" gekommen sei und es um die Existenz vieler Milchbauern gehe.
Auch die Entwicklungsorganisation "Brot für die Welt" sieht die Erhöhung der Quote mit Besorgnis. "Es macht keinen Sinn, die Quote auszudehnen, wenn es dafür keinen Markt gibt", sagte die Ernährungsexpertin Carolin Callenius am Montag. Die niedrigen Weltmarktpreise bedrohten die Existenz kleiner Milchbauern in Entwicklungsländern.
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(SZ vom 08.09.2009/mel)
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Machtkampf in der Linken
Nicht nur dass in dem Artikel unpraezise formuliert wird:
"Mit der Milchquote hatte Brüssel jahrelang den Bauern vorgeschrieben, wie viel sie höchstens produzieren dürfen."
Die Quote war die Menge die die EU zu einem garantierten Preis abkaufte. Produzieren durften die Bauern so viel sie wollten.
manchmal wird es auch unfreiwillig komisch:
"Ein großer Teil der Milchbauern sieht darin die Hauptursache für den Verfall des Milchpreises."
Wie es halt so passiert wenn die kuenstlich hochgehaltenen Preise auf einmal kollabieren und ein Marktpreis den Wert bestimmt.
Das Einzige was Aigner hier dann tun kann ist ein bisschen EU-Voodoo bemuehen:
"Das Problem ist auf europäischer Ebene entstanden, deshalb wollen wir auch eine europäische Lösung."
Wie das Problem der hohen Produltionskosten und ineffizienten Strukturen bayrischer Milchbauern auf "europäischer Ebene entstanden" ist wuerde mich doch mal interessieren. Und "europäische Lösung" heisst in diesem Zusammenhang: Wir wollen dass alle fuer unsere Probleme zahlen. Kein Wunder dass sich diese "alle" dagegen wehren.
Zum Abschluss das beste:
"Neue Eingriffe seien nötig, da es zu "schweren Marktstörungen" gekommen sei..."
He he, "Marktstörungen" so wie bspw Marktpreise und auslaufende Quoten und Subventionen. Ja sowas kann einem schon den "Markt" schwer stoeren. Besser gleich mal eingreifen!
Solange in Bayern ein Selbstversorgungsgrad mit Milch von über 200% erzeugt wird, tut das übrige Europa gut daran KEINE zusätzlichen Subventionen, egal in welcher Form, aufzulegen. Es ist doch ein billiger, durchschaubarer Trick von Frau Aigner die unhaltbaren Zustände ihrer Heimat Bayern, die darüber hinaus noch durch die geringste Produktivität und die höchsten Milcherzeugungskosten gekennzeichnet sind aus der Gemeinschaftskasse zu finanzieren anstatt endlich die bayerischen Strukturprobleme zu korrigieren...
Nicht die Milch macht Ärger, sondern die Lobby der Milchindustrie.
Kleinere Bauern, die ihre Betriebe noch vor-industriell bewirtschaften, sollen wegen mir aus Landschaftsschutzgründen Subventionen bekommen, aber doch nicht diese riesigen Industrie-Betriebe.
Warum gibt's keine Quote für Autos, Toaster oder T-Shirts?
Na endlich wird die EU wieder auf das reduziert, was sie eigentlich ist eine Versorgungs
und Einkommenssicherungs Union, für die europäischen, hier vornehmlich franzözischen,
deutschen und östereichischen Bauern.
Politiker, die das mit einem weiter so, fordern stellen sich am 27.September zur Wahl,
das sollten wir nicht vergessen.
Paging