Linke-Chef Lafontaine zu Hausbesuchen bei Hartz-IV-Empfängern, neuem Denunziantentum - und warum die Bundesregierung als Hehlerin tätig ist.
Oskar Lafontaine, 65, ist Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Deutschen Bundestag und außerdem Chef der Partei Die Linke.
Oskar Lafontaine: "Es ist völlig unangemessen, die Hartz-IV-Empfänger noch mehr auszuziehen als es ohnehin schon geschieht." (© Foto: dpa)
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sueddeutsche.de: Herr Lafontaine, die Bundesagentur für Arbeit zieht im Kampf gegen Sozialschmarotzer alle Register. Hartz-IV-Empfänger sollen observiert werden, auch privates Sicherheitspersonal kann die Wohnzimmerschränke kontrollieren. Freuen Sie sich, dass die staatlichen Hilfen künftig nur noch bei den Menschen ankommen, die wirklich bedürftig sind?
Oskar Lafontaine: Das ist ein erstrebenswertes Ziel, aber die Weisung der Bundesagentur ist unverhältnismäßig. Derzeit geht es darum, ob überbezahlte Bankvorstände Milliardenbeträge veruntreut haben, doch sie werden nicht zur Rechenschaft gezogen. Vor diesem Hintergrund hat man den Eindruck, dass die verschärften Regeln für Hartz-IV-Empfänger von den Riesen-Skandalen ablenken sollen, die die oberen Zehntausend zu verantworten haben.
sueddeutsche.de: Brauchen wir also Hausbesuche auch bei Bankvorständen?
Lafontaine: Die Kapitalverbrechen der letzten Jahre beweisen, dass sie auf jeden Fall notwendiger und ergiebiger wären als die Hausbesuche bei Hartz-IV-Empfängern.
sueddeutsche.de: Bei maroden Banken und Unternehmen verkommen Milliarden schon mal zu "Peanuts", bei den sozial Schwachen geht es um jeden Cent. Verdient unser System in Deutschland noch den schönen Namen soziale Marktwirtschaft?
Lafontaine: Das Ganze ist doch noch viel schlimmer. Ich sage nur das Stichwort Commerzbank. Der Staat gibt diesem Geldinstitut 18 Milliarden, aber er kontrolliert die Verwendung des Geldes nicht und sieht tatenlos zu, wie die Commerzbank weiterhin mit Steueroasen Geschäfte macht, also zur Steuerhinterziehung anleitet. Während die Bundesregierung auf der einen Seite Hartz-IV-Empfänger streng überprüft, ist die Regierung auf der anderen Seite die Hehlerin der Steuerhinterziehung bei den großen Banken.
sueddeutsche.de: Ein starker Vorwurf! Wie begründen Sie das?
Lafontaine: Die Bundesregierung hätte sehr wohl die Möglichkeit, der Commerzbank kriminelle Geschäfte zu untersagen - schließlich hält der Bund das Institut am Leben. Darüber hinaus könnte die große Koalition dem Antrag der Linken zustimmen, Geschäfte mit Steueroasen unter Strafe zu stellen.
sueddeutsche.de: Selbst Nachbarn von Hartz-IV-Empfängern dürfen befragt werden. Erleben wir 20 Jahre nach dem Fall der Mauer die Wiederbelebung von DDR-Spitzelmethoden, wie manche klagen?
Lafontaine: Offensichtlich haben die Spitzeleien bei den Großunternehmen Bahn, Telekom, Deutsche Bank und anderen auf die Bundesagentur abgefärbt. In einer Demokratie, die die Privatsphäre der Bürger schützen sollte, ist es unmöglich, dass eine Behörde Nachbarn mehr oder weniger zur Denunziation auffordert.
sueddeutsche.de: Sollte die verschärfte Kontroll-Bestimmung zurückgenommen werden?
Lafontaine: Ja, und zwar möglichst rasch.
sueddeutsche.de: Können Sie das strengere Vorgehen der Behörde wenigstens ein Stück weit nachvollziehen? Als Folge der Wirtschaftskrise könnte die Zahl der Arbeitslosen schon bald deutlich steigen, Haushaltsmittel sollten da sorgsam verteilt werden.
Lafontaine: Ich kann nachvollziehen, wenn die Verwendung öffentlicher Mittel kontrolliert wird. Aber die Treppe wird immer von oben gekehrt, nicht von unten. Solange Bankvorstände kriminelle Kapitalverbrechen in Milliardenhöhe begehen können, ohne dass eine entsprechende Reaktion des Staates festzustellen ist, so lange ist es völlig unangemessen, die Hartz-IV-Empfänger noch mehr auszuziehen als es ohnehin schon geschieht.
- Agentur für Arbeit Hartz IV: Wut gegen "Stasi-Methoden" 04.06.2009
- Steigende Sozialausgaben Massive Neuverschuldung für Hartz IV 19.05.2009
- Alleinerziehende Eltern In der Hartz-IV-Falle 25.05.2009
- Armut in Deutschland Arm ist, wer keine Aufgabe hat 18.05.2009
- Lohnuntergrenze für Leiharbeiter Es geht nicht nur um 20 Cent 16.01.2009
(sueddeutsche.de/jja)
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"Gut und Böse sind schon herrliche Kategorien."
genau, für Menschen die nicht differenzieren können. Wie zum Beispiel diejenigen, die wie Sie, dauernd vom Sozialismus als Gegenmodell zum Kapitalismus reden obwohl es schlicht nur darum geht die offen zutage getretenen Schwächen dieses Systems zu korrigieren. Sie sehen also: Ihnen steht es nicht zu jenen zu kritisieren die in gut und böse Denken. Vorher müssen Sie lernen zu differenzieren.
Gut und Böse sind schon herrliche Kategorien.
Bezeichnender finde ich, dass es immer noch Leute gibt, die nach den diversen, katastrophal fehlgeschlagenen sozialistischen Freilandversuchen erneut diesem Irrsinn hinterherlaufen. Aber moment - ich vergaß: 1. Es gab noch nie ein echtes sozialistisches System oder wahlweise 2. die Menschen waren halt noch nicht bereit dazu.
Probieren wir doch einfach nochmal, das tote Pferd aka Sozialismus zu reiten. Diesmal klappts bestimmt...
"Finanztechnisches BlaBla"
Lol, nichtmal die Basics verstehen, aber Revolution spielen und eine schöne neue Welt errichten wollen. Faszinierend.
Und es gibt doch immer noch Leute die am Kapitalismus nichts Böses finden können und die Kritikier mit blöden Sprüchen wie "die bösen Banker... Feindbilder und Neid bedienen" oder "Brot und Spiele für das dumme Wahlvolk" oder "Friede den Hütten, Krieg den Palästen!" auch noch verunglimpfen. Sie können durch nichts überzeugt werden weder durch den letzten Armuts- Reichtumsbericht der Bundesregiereung oder der geschönten Arbeitslosenstatistik oder dem letzten Wirtschaftsberichten der OECD oder dem abnormalen Millionengehälter von einzelnen Managern oder den ständig sinkenden Unternehmenssteuern noch durch die offensichtlichen Mauscheleien beim Handel mit Derivaten und ähnlichem usw.usf.
Die glauben die Krise sei aus diesen oder jenen Gründen über uns gekommen. Finanztechnisches BlaBla das Dinge erklären und begründen soll aber es nützt nichts. Das gemeine, "dumme" Volk empfindet es trotzdem als ungerecht wenn einige Profiteure unglaublich hohe leistungslose Einkommen auf Kosten aller generieren mit irgendwelchen imaginären Zahlen aus Börsen, Statistiken, Politik und sonstigen Gesetzen. Als Profiteur will man das ja nicht ändern und wenn man jetzt mal die Frage stellt ob es nicht irgendwie schon merkwürdig ist wenn der Nachbar einen bei der BA anschwärzen kann ohne den geringsten Beweis dann hat das doch keine faschistoiden Züge insbesondere in einem Land wie Deutschland und seiner Geschichte.
Nein, nein, das ist nach den Gesetzen des Marktes und der Effizienz sinnvoll da es Kosten spart anstatt also beim Thema zu bleiben wird dann in polemischer Manier (der bösen Oskar... Feindbilder und Hass bedienen) eingeprügelt das es nut so kracht. Wenn jetzt schon Observationen von Arbeitslosen so ungeniert diskutiert werden frage ich mich wann "Arbeitsunwillige" in Lager geschickt werden an dessen Eingangstor man lesen kann "Jedem das Seine".
Der Mann hat Recht - um so mehr als das die Regierungsmitglieder selbst oft und vermehrt als Betrüger auftreten. Sie kassieren Geld für Teilnahme an Sitzungen, an denen sie nicht teilnehmen. Hier ist nicht einmal die Spitze des Eisberges sichtbar. Herr Zumwinkel hat beispielsweise auch nur einen lächerlichen (für seine Verhältnisse) Betrag gezahlt. Um es mit Berthold Brecht zu sagen:"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch"
gehört auf die Anklagebank. Verspekuliert. Das ist Kapitalismus.
Es geht um Verschleierung, Konkursverschleppung zugunsten Dritter (Unicredit). Es geht um Verschleuderung von Steuergeldern in abnormer Höhe zugunsten Dritter (den nicht veröfentlichten Hauptgläubigern der HRE).
Da wird ein ergeiziger Staatsanwalt doch einen Eröffnungstatbestand finden?
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