Kurz vor geplantem Börsengang Facebook wächst langsamer

Es soll der größte Börsengang eines Internetunternehmens aller Zeiten werden. Doch bevor die Facebook-Aktie überhaupt im Handel ist, gibt es schon schlechte Nachrichten für Anleger: Das soziale Netzwerk wächst im Vergleich zu den Vorjahren deutlich langsamer. Der Gewinn geht sogar zurück.

Facebook kann sein enormes Wachstumstempo nicht halten. Das soziale Netzwerk legte nun seinen aktualisierten Börsenprospekt vor - und manches, was dort zu lesen ist, könnte potentielle Anleger verschrecken. Zwar stieg der Umsatz im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf knapp über eine Milliarde Dollar (807 Millionen Euro). Für viele andere Firmen wäre das ein Traumwert. Doch von Facebook sind Beobachter Besseres gewohnt. Das Plus hatte von 2009 auf 2010 noch bei 154 Prozent gelegen. Von 2010 auf 2011 waren es immerhin noch 88 Prozent mehr.

Der Gewinn im ersten Quartal 2012 betrug unter dem Strich 205 Millionen Dollar (156 Millionen Euro). Das sind zwölf Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Grund für den Rückgang waren unter anderem deutlich gestiegene Marketing- und Entwicklungskosten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte seine Mannschaft aufgestockt, und zwar um 46 Prozent auf gut 3500 Mitarbeiter.

Facebook bleibt stark abhängig vom Videospielhersteller Zynga: Fast ein Viertel der Einnahmen seien direkt auf Spiele wie "Mafia Wars" und "Angry Birds" zurückzuführen. Den Großteil der Einnahmen hat das Unternehmen durch Werbung generiert. Allerdings sind die Werbeerlöse im Vergleich zum vergangenen Quartal um sechs Prozent geschrumpft.

Positiv haben sich dafür die Nutzerzahlen entwickelt: Das soziale Netzwerk hatte Ende März 901 Millionen aktive Nutzer im Monat. Ende Dezember waren es erst 845 Millionen gewesen.

Facebook dürfte in wenigen Wochen den größten Börsengang eines Internetunternehmens aller Zeiten hinlegen, mit Einnahmen von aktuell fünf Milliarden Dollar. Der gesamte Börsenwert von Facebook - also inklusive der Anteile, die bei den Alteigentümern verbleiben - wird auf bis zu 100 Milliarden Dollar geschätzt. Wie das soziale Netzwerk jetzt enthüllte, soll die Aktie an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden - das genaue Datum für den Börsengang ist aber weiterhin unklar.

Um sich interessanter für Anleger zu machen, hatte Facebook erst vor wenigen Wochen die Übernahme des Fotodienstes Instagram für eine Milliarde Dollar verkündet. Das Börsenprospekt offenbart nun die Details des Kaufs: Demnach fließen 300 Millionen Dollar in bar, der Rest wird in Aktien bezahlt, 23 Millionen an der Zahl. Sollte der Kauf platzen - etwa wegen Bedenken der Wettbewerbshüter - stehen den Instagram-Eignern 200 Millionen Dollar als Trostpflaster zu.