Gewinneinbruch bei der milliardenschwer verschuldeten Sendergruppe ProSiebenSat1 - in der Folge stürzte die Aktie ab. Vorstandsmitglied Peter Christmann muss gehen.

Mit enttäuschenden Geschäftszahlen hat der Münchner Medienkonzern ProSiebenSat.1 seinen Aktienkurs am Freitag auf Talfahrt geschickt. Die Papiere büßten im frühen Handel mehr als ein Viertel ihres Börsenwertes ein und kosteten nur noch 10,12 Euro. Damit haben sie seit Anfang Juli rund zwei Drittel verloren.

ProSiebenSat1: Das Logo weist aufwärts, der Kurs stürzte dagegen um ein Viertel des Wertes nach unten. (© Foto: ddp)

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Das Unternehmen will angesichts der Ertragslage Konsequenzen ziehen: Marketing- und Vertriebsvorstand Peter Christmann wird das Unternehmen nach 13 Jahren Ende Juni verlassen.

Zudem will der Konzern weiter an der Kostenschraube drehen und die Ausgaben um 70 Millionen Euro drücken. Das erste Quartal wurde besonders durch das Geschäft mit dem freiempfangbaren Fernsehen beeinflusst. In Deutschland ging der Umsatz des Free-TV um 4,9 Prozent auf 417,1 Millionen Euro zurück.

Schuld sein soll der schwache Werbemarkt

Der sehr starke Gewinneinbruch bei der milliardenschwer verschuldeten TV-Kette ProSiebenSat1 Media rechtfertigt nach Einschätzung von LBBW-Analystin Iris Schäfer den Kurseinbruch der Aktie von 25 Prozent durchaus.

Schäfer erklärte den Kursrutsch mit dem offenbar viel schwächeren Werbemarkt. ProSiebenSat.1 hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, unter anderem wegen Problemen mit dem neuen Vermarktungsmodell für Werbezeiten ein schwachen Jahresstart gehabt zu haben.

"Bislang kommunizierte das Unternehmen, dass es keine Probleme mit dem Vermarktungsmodell gebe", kritisierte Branchenexpertin Schäfer. Auch Sat.1 mache dem Konzern weiter zu schaffen. "Als Fazit kann nunmehr nur der Schluss gezogen werden: Baustellen in allen Bereichen."

Der Umsatz von ProSiebenSat.1, inklusive der übernommenen europäischen Sendergruppe SBS, fiel im ersten Quartal auf vergleichbarer Basis um zwei Prozent auf gut 729 Millionen Euro. Der operative Gewinn (recurring Ebitda) brach um ein Viertel auf 88,5 Millionen Euro ein.

Millionenschwere Strafzahlungen

Schon 2007 hatten die SBS-Integration sowie eine Kartellbuße den Gewinn der Münchner mehr als halbiert.

ProSiebenSat.1 hatte - wie der Rivale RTL - nach Ansicht des Kartellamts große Kunden bei der Vermarktung von Fernsehwerbezeiten begünstigt und kleine damit unfair benachteiligt. Der Konzern zahlte 120 Millionen Euro Strafe und stellte die Modalitäten des Werbeverkaufs um.

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(sueddeutsche.de/Reuters/jkr/tob)