Kupfer: Fund in der Lausitz Rot ist die Hoffnung

In der Lausitz lagern Millionen Tonnen Kupfer - und es kann wirtschaftlich geborgen werden. Einer Region, die selten gute Nachrichten hört, könnte das Tausende Jobs bringen.

Von Michael Bauchmüller

Die Zukunft, für Volker Spieth ist sie eine einzige Verheißung. Da wäre etwa das Auto. "In einem normalem Auto stecken 25 Kilo Kupfer", sagt Spieth. Wird es aber ein modernes Hybrid-Auto, bekommt es also noch zusätzlich einen Elektromotor, sind es plötzlich 75 Kilo. Solarmodule, Windkraftanlagen, Elektronik - ohne Kupfer geht nichts. "Die Zukunft spielt uns in die Hände", sagt Spieth. Denn Kupfer könnte seine Firma bald genug haben. In der Lausitz, am östlichen Rand der Republik.

Spieth ist Geschäftsführer der Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL), einer kleinen Firma mit Sitz im historischen Zentrum der ebenfalls kleinen Stadt Spremberg. Sechs Leute beschäftigt sie derzeit. In ein paar Jahren könnten es ein paar tausend sein. Denn seit dieser Woche ist klar: Das Kupfer der Lausitz kann wirtschaftlich geborgen werden. Die ersten Anträge hat das zuständige Bergamt im brandenburgischen Cottbus abgesegnet, die nächsten sollen rasch beschieden werden, noch binnen sechs Wochen, heißt es beim Bergamt. Der neuen Spremberger Hoffnung will keiner im Wege stehen. "Wir ringen hier um jeden Arbeitsplatz", sagt der Präsident der Behörde, Klaus Freytag. "Und das wird das modernste, effektivste Bergwerk werden."

Schon seit Jahrzehnten ist das Kupfervorkommen bekannt, es zieht sich wie ein Gürtel von West nach Ost, bis weit nach Polen hinein. Jenseits der Grenze wird das Kupfer längst gefördert. Schon in den sechziger Jahren gab es erste Probebohrungen auch in Spremberg. Doch der Kupferpreis war niedrig, und die DDR hatte kein Geld für ein Bergwerk. Das Kupfer blieb unten. Als so wertlos galten die Vorkommen, dass das Vermögen nach der Wende nicht einmal der Treuhand übertragen wurde. Das Kupfer blieb herrenlos - bis ein steigender Rohstoffpreis es attraktiver machte.

Die KSL entnahm erneut Bohrkerne aus der Tiefe - mit einem erstaunlichen Ergebnis. Denn nach Schätzungen des Unternehmens, das dem US-amerikanischen Bergbaukonzern Minera gehört, lagern in dem Gebiet rund zwei Millionen Tonnen Kupfer, mehr als erwartet. Marktwert derzeit: knapp zwölf Milliarden Euro. Hinzu kommen Milliardenerlöse aus anderen Edelmetallen, darunter Gold, Silber und Platin. Ein Zehntel der Einnahmen fließen an die Länder Brandenburg und Sachsen, unter deren Territorium die Förderstätte liegt.

Noch einige Hürden zu nehmen

Und das muss noch lange nicht alles sein. Parallel zur Planung des Bergwerks will Spieth auch weiter nach Kupfer suchen. "Die Arbeitshypothese ist, dass die Lagerstätte drei- bis viermal größer ist als das, was wir bisher gefunden haben", sagt er. Der Optimismus kennt derzeit keine Grenzen. In zwei Jahren soll der Bau des Bergwerks beginnen, 2015 könnte es das erste Erz fördern. Ein neues Erzbergwerk - das hat es in Deutschland schon lange nicht mehr gegeben.

Die Region kann es brauchen. Allein das Bergwerk könnte an die 1400 Jobs bringen, ganz zu schweigen von nachgelagerten Arbeitsplätzen. Insgesamt 5000 Jobs erhoffen sich die Spremberger vom Kupfer. Die Arbeitslosigkeit lag im März mit 14,6 Prozent noch über dem Landesschnitt. Doch schon jetzt sind die Pensionen in der 26.000-Einwohner-Stadt ausgelastet, mit Ingenieuren, die das Projekt vorbereiten. "Das ist rundum eine gute Sache", findet Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze. "Und es bedeutet ein Ende der Abwanderung."

Noch freilich sind nicht alle Hürden ausgeräumt. Als Nächstes muss die Bergbau-Firma vorweisen, dass sie das Vorhaben - Gesamtvolumen rund 700 Millionen Euro - auch stemmen kann. Erst dann wird das Bergamt ein exklusives Recht zur Ausbeutung erteilen. Spieth jedenfalls macht sich da wenig Sorgen. "Das ist ein Zukunftsprojekt", sagt er. "Die hier eine Ausbildung haben, werden hier auch in Rente gehen."