Kunstanlage Ein schöner Anblick

Wenn Wohlhabende in Kunstwerke investieren, suchen sie oft auch den Rat ihrer Bank. Doch für die Finanzinstitute lohnt sich das Geschäft kaum. Es nützt vor allem der Kundenbindung und der Imagepflege.

Von Norbert Hofmann

Zu den Maximen des Johann Wolfgang von Goethe gehörte es, täglich wenigstens "ein treffliches Gemälde" zu sehen. Wenn Uwe Fischer mit seinen Kunden über Werte spricht, erinnert er sie schon mal an die Worte des Dichters. Der Münchner Niederlassungsleiter der Fürst Fugger Privatbank kennt sich gut aus mit wertvollen Gemälden, Porzellan oder Skulpturen. Er weiß, dass es dabei nicht nur um das Betrachten eines besonderen Objekts geht. "Kunst ist immer emotional, sie hat aber auch finanzielle Aspekte", sagt Fischer.

Vermögensmanager von Banken versuchen bei Finanzfragen der Kunstanlage oft weiterzuhelfen. Das beginnt schon mit der Begleitung zu Galeristen und Messen oder dem Hinweis auf interessante Kaufgelegenheiten. Ebenso kann der Rat bei der Auflösung ganzer Sammlungen gefragt sein. "Aber auch Erbauseinandersetzungen und Familienstreitigkeiten sind immer wieder einmal Grund für die Verkäufe von Kunst oder ihr Einbringen in eine Stiftung", berichtet Fischer, der über Kontakte zu Kuratoren und Sammlern, Händlern und Auktionshäusern sowie zu Kunsthistoriker und Versicherungsexperten verfügt.

Im vergangenen Jahr hat der weltweite Kunstmarkt laut dem TEFAF Art Market Report 2015 mit einem Volumen von mehr als 51 Milliarden Euro einen neuen Höchststand erreicht. Die Tatsache, dass das bisherige Rekordvolumen von 48 Milliarden Euro im Jahr 2007 erst jetzt übertroffen wurde, zeugt aber von mitunter erheblichen Schwankungen. Während der Finanzkrise kam es zu größeren Einbrüchen, als Vermögende aufgrund von Börsenverlusten nach Liquidität suchten und sich von Kunstwerken trennten. Weil weniger Geld auf der Käuferseite da war, purzelten die Preise. "Das zeigt, dass es eine Korrelation, also einen Zusammenhang des Kunstmarkts mit anderen Anlageklassen wie etwa den Aktienmärkten gibt", sagt Oliver Mihm, Vorstandsvorsitzender der Managementberatung Investors Marketing.

Die niedrigen Zinsen auf sichere Anlagen wie Anleihen haben die Nachfrage nach Kunstinvestments zusätzlich beflügelt. Post-War Art mit Protagonisten wie Gerhard Richter und zeitgenössische Kunst stehen mit fast der Hälfte aller Auktionsverkäufe im Mittelpunkt des Interesses. Ein weiteres Viertel entfällt auf Moderne Kunst à la Pablo Picasso, dessen "Frauen von Algier" seit Mai als das teuerste jemals versteigerte Gemälde gelten. Richtig interessant finden es Sammler, wenn sie zeitgenössische Künstler auf dem Weg nach oben frühzeitig erkennen. Wie meist beim Aktienkauf gilt allerdings auch hier: Chancen auf Wertsteigerung winken vor allem bei Investments in mehrere Erfolgskandidaten.

Müsste Beratung dazu nicht gerade für Geldhäuser ein interessantes Geschäftsfeld sein? Mit ganz wenigen Ausnahmen beschränken sich die Banken darauf, Sachverstand von außen zu vermitteln. "Der Kunstmarkt ist ein sehr komplexer Markt, den Einzelne nicht gesamthaft überschauen können", sagt Experte Mihm. Da mache es Sinn, wenn Banken ein Netzwerk mit externen Kunstexperten anbieten. "Wer als Bank auch diesen Bereich abdeckt, kann sich im Wettbewerb zusätzlich profilieren und noch besseren Zugang zur Zielgruppe verschaffen", sagt Mihm. Besondere Bedeutung bekomme das Thema bei den Family Offices für große Vermögen ab 20 Millionen Euro. Es sei aber kein Thema, an dem die Bank viel Geld verdient.

Die Deutsche Bank oder die schweizerische UBS etwa bieten heute anders als früher eine eigene Kunstexpertise nicht mehr offensiv an. "Eine Positionierung im Kunstumfeld ist zwar ein gutes Marketinginstrument in der anvisierten Zielgruppe, es betriebswirtschaftlich sinnvoll umzusetzen, ist für viele Finanzinstitute aber schwer", sagt Marc Ahlers von der Beratungsgesellschaft MC4MS. Ausstellungen finanzieren oder als Kunstsponsor aufzutreten, ist gut für das Image. Doch der Aufbau ganzer Abteilungen für ein Art-Management kostet viel. In Kunst investiertes Geld ist erst einmal illiquid und wirft für die Bank keine wiederkehrenden Renditen ab. Wenn es sich lohnen soll, so Ahlers, müssten die Kunden für die Übertragung eines Kunstmandats der Bank eine jährliche Management-Fee zahlen.

Marktnischen finden sich dennoch. Die Privatbank Berlin von 1929 bietet seit rund drei Jahren Kredite an, für die Kunstwerke, Oldtimer oder Sachwerte wie Uhren und Edelsteine als Sicherheit dienen. "Neben Galeristen zählen zu unseren Kunden auch vermögende Familien, die viel Kapital gebunden haben und beispielsweise kurzfristig Liquidität für Investitionen in Unternehmensbeteiligungen benötigen", sagt Shirin Kranz, Leiterin Kunstdarlehen bei der Privatbank Berlin von 1929.

Wer in Kunst investiert, braucht oft viel Geduld. Doch Sammler sehen sich ihre Bilder lieber länger an, als sie unter Wert zu verkaufen. "Dann ist die Freude am Betrachten die Dividende aus dem Kunstinvestment", sagt Uwe Fischer von der Fürst Fugger Privatbank.