Kündigungen bei insolventer Drogeriekette Mehr als 1300 Schlecker-Mitarbeiterinnen wollen klagen

"Entscheidende Tage, aber wir drehen uns im Kreis": Gewerkschafter ringen um die Bedingungen der verbliebenen Schlecker-Angestellten. 1300 ehemalige Mitarbeiterinnen werden vor den Arbeitsgerichten gegen ihre Entlassungen vorgehen. Potentielle Investoren - die es noch immer geben soll - könnte die Klageflut abschrecken.

Von Max Hägler, Stuttgart

Auch nach zwei Treffen zu Schlecker am Mittwoch scheint die Lage beim insolventen Drogisten verfahren: In Ulm kam der Gläubigerausschuss zusammen, zeitgleich sondierte im Maritim-Hotel, ebenfalls in Ulm, die Verhandlungskommission der Gewerkschaft Verdi die Bedingungen für die verbliebenen Beschäftigten. Ein Ergebnis gab es bei keinem der Treffen. "Es sind entscheidende Tage, aber wir drehen uns im Kreis", beschrieb einer die Stimmung in Ulm.

Am Morgen hatte sich die Neuigkeit verbreitet, dass die Familie Schlecker endgültig aus dem Spiel sei. Statt einem Insolvenzplanverfahren unter Beteiligung des bisherigen Eigners tendiere Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zu einer sogenannten übertragenden Sanierung - ohne Beteiligung von Anton Schlecker oder seiner Kinder Lars und Meike.

Diese Option ist jedoch nicht neu. Geiwitz hat schon vor Wochen erklärt, dass ein möglicher Investor über die Mitarbeit der Familie bestimmen werde. Als diese Aussage bei einer Pressekonferenz fiel, waren die Schlecker-Kinder damals schon nicht mehr mit auf dem Podium. Die Beteiligten an der Schlecker-Rettung messen dieser Frage nach SZ-Informationen derzeit wenig Bedeutung zu. "Es geht um Wichtigeres", heißt es. Formal hat die Gläubigerversammlung das letzte Wort, die wohl Anfang Juni zusammenkommt und per Mehrheit entscheidet.

Investoren dürfte eine Flut von Klagen abschrecken

Relevanter im Fall Schlecker ist indes die Zahl der gegen ihre Kündigung klagenden Schleckerfrauen. Über 10.000 der knapp 25.000 Mitarbeiterinnen hatte der Insolvenzverwalter Ende März entlassen. Am Wochenende lief die Einspruchsfrist ab; allein in den Ländern Berlin, Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz liegen bislang 1319 Klagen vor. Da die Kündigungen im Einvernehmen mit dem Betriebsrat ausgesprochen wurden, sind die Erfolgsaussichten zwar nicht allzu groß - die Klagenden müssen Schlecker "grobe Fehlerhaftigkeit" nachweisen. Den potentiellen Investoren dürfte eine Klageflut aber dennoch abschrecken.

Fünf Investoren interessieren sich derzeit noch für Schlecker, darunter angeblich die Beteiligungsgesellschaften Oaktree und Golden Gate Capital, sowie Change Capital Partners aus London. Entgegen der Meldungen, ebenfalls am Mittwoch verbreitet, läuft deren Prüfungsprozess offenbar wie geplant. Es sind nach SZ-Information weiter ernsthafte Gesprächspartner darunter, mit denen sich die Gläubiger eine Zusammenarbeit vorstellen können.

Schwieriger als die Investorensuche scheinen die Sondierungen zwischen Geiwitz und den Mitarbeitern zu sein. Am Mittwoch erneuerten Arbeitnehmervertreter die Kritik am Schlecker-Management und dem Beratungsunternehmen McKinsey. Diese würden weiterhin "schlampige Zahlen" abliefern. Auf dieser Datenbasis und ohne Kenntnis der Investorenkonzepte würden die Arbeitnehmer keinem Sanierungsbeitrag zustimmen - den Geiwitz aber wohl braucht.