"Falsches Spiel", "Management wie im Hühnerstall": Mit deutlichen Worten geißelt Grünen-Fraktionschefin Renate Künast im Gespräch mit sueddeutsche.de das Opel-Krisenmanagement der Regierung.

Die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast wirft der Bundesregierung Versagen beim Opel-Krisenmanagement vor. "Vor allem Wirtschaftsminister Guttenberg ist als Koordinator rettungslos überfordert", sagte Künast zu sueddeutsche.de.

Künast, dpa

Kritisiert die Bundesregierung scharf: Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. (© Foto: dpa)

Anzeige

Künast kritisierte vor allem, dass Guttenberg sich nicht ausdrücklich gegen eine Insolvenz von Opel aussprechen will. "Sein Insolvenzgerede ist unverantwortliches Geplapper, der Wirtschaftsminister spielt offenbar ein falsches Spiel", sagte Künast. Der CSU-Politiker müsse den Verdacht ausräumen, dass mit seinem Wissen im Hintergrund getrickst werde.

Guttenberg hatte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" das Szenario einer Insolvenz wiederholt verteidigt. Die Insolvenz sei ein "Druckpotential" gegenüber General Motors (GM), sagte Guttenberg.

Künast befürchtet hingegen, Guttenberg treibe Opel so in die Zerschlagung. "Fiat spekuliert offenbar darauf, dass Rüsselsheim als Entwicklungszentrale und 'guter Teil' übernommen werden kann, während die übrigen Werke samt der Arbeitsplätze abgewickelt werden."

Für die Spitzenkandidatin der Grünen geht es bei den Verhandlungen mit der US-Regierung und GM nicht um Diplomatie, sondern um handfeste nationale Interessen. "Dafür muss man sich im Vorfeld wappnen, schließlich wird bei den Runden im Kanzleramt ja nicht Kinderpost gespielt. Wer im Vorfeld nicht mal merkt, dass ihm die US-Regierung nur einen drittrangigen Beamten in die entscheidende Verhandlungsrunde schickt, taugt maximal für das Management eines gutsherrlichen Hühnerstalls."

Künast kritisierte auch die Bundeskanzlerin für ihr Verhalten in den Opel-Verhandlungen. "Merkel hat von Anfang an bei Opel Managementfehler gemacht." Parteitaktik sei ihr wichtiger als systematisch die Interessen deutscher Arbeitnehmer zu vertreten. "Sie hat aus wahltaktischen Gründen Guttenberg nach vorn geschoben, um der CSU zu dienen und Steinmeier auszubremsen", sagte Künast. Das tauge nicht als Beispiel für schlagkräftige politische Interessenvertretung, sondern sei eher Anlass für eine Paartherapie.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Feuchtgebiete und Witwengifte

Wie viel ist uns die Umwelt wirklich wert? Eine Suche nach dem Preis der Natur. Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/woja/tob)