Küchenmaschine von Vorwerk Neuer Thermomix verärgert Kunden

Das alte Modell des Thermomixes (siehe Bild) ist ab sofort nicht mehr erhältlich.

(Foto: Catherina Hess)

Kaum ein anderes Küchengerät hat so viele Fans wie der Thermomix. Doch jetzt gibt es Ärger für den Hersteller. Kunden fühlen sich betrogen, weil Vorwerk nach zehn Jahren ein neues Modell herausbringt. Einfach so.

Von Julia Löffelholz

Der Diskussionen um Apples Smartwatch sind noch gar nicht ganz abgeklungen, da versetzt schon eine andere technische Neuheit die sozialen Netze in Aufregung: Der neue Thermomix ist da.

Für alle, die nicht ganz im Bilde sind: Der Thermomix ist eine Küchenmaschine der Firma Vorwerk, die nicht wie die meisten anderen Küchenmaschinen nur schneiden und mixen kann, sondern auch dampfgaren, wiegen und mahlen. Laut den zahlreichen Thermomix-Fans ist mit der Maschine alles möglich - von der Zubereitung von Brotteig über die von gegartem Fisch bis hin zum Mojito. Mit dem Thermomix machte Vorwerk nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 800 Millionen Euro. Im Jahr 2013 wurden allein in Deutschland 200 000 Exemplare verkauft. Nun hat das Unternehmen das seit zehn Jahren auf dem Markt erhältliche Modell TM 31 weiterentwickelt und am 5. September durch das Modell TM 5 ersetzt. Das alte Gerät wird ab sofort nicht mehr ausgeliefert.

Kein großes Problem, könnte man meinen. Doch Vorwerk muss eine Flut an Beschwerden über sich ergehen lassen. Der Grund: Das Unternehmen hatte die Einführung des TM 5 im Vorfeld mit keiner Silbe angekündigt. Viele, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten einen neuen Thermomix zum stolzen Preis von 1019 Euro zugelegt haben, fühlen sich nun betrogen. Die meisten hätten lieber gleich das neue Modell gekauft.

Eine Überraschung für jedermann

"Hab meinen Zweiten gerade vor zwei Monaten gekauft, da war von einem Neuen noch keine Rede, sonst hätte ich sicher noch gewartet. Finde das nicht schön von Vorwerk!!!", schreibt eine Thermomix-Besitzerin an die Facebook-Pinnwand des Herstellers. Auch andere machen dort ihrem Ärger Luft: "Katastrophal. Verarsche hoch fünf. Haben vor circa zwei Monaten mehrmals nachgefragt. Es wurde immer verneint. Ich nenne das Betrug am Kunden. Bin richtig angepisst. Schweinerei." Auch internationale Thermomix-Fans sind entrüstet. Auf Twitter beschweren sie sich über die Geheimniskrämerei des Wuppertaler Unternehmens. So schreibt die australische Hockeyspielerin Georgia Nanscawen: "Scher dich zum Teufel Thermomix, ein brandneues Modell herauszubringen!"

Vorwerk reagiert mit Verständnis auf die Beschwerden, sieht sich aber im Recht. "Wir bedauern es, wenn es zu Unzufriedenheit gekommen ist. Aber bei einem Modellwechsel ist eine solche Phase kaum zu vermeiden. Hätten wir den neuen Thermomix vor drei Monaten angekündigt, hätte es genauso viele Kunden gegeben, die erst kurz zuvor ein altes Modell gekauft haben", sagte ein Sprecher. Auf Facebook versucht das Unternehmen der Geheimhaltung noch etwas Gutes für den Kunden abzugewinnen. "Des Weiteren ist es Teil der Unternehmensphilosophie, dass neue Produkte von Vorwerk eine Überraschung für jedermann sind", schreibt ein Vertreter des Unternehmens dort.

Eine Überraschung war das neue Produkt sogar für die landesweit mehr als 8000 sogenannten Thermomix-Repräsentanten, die die Maschine auf speziellen Show-Veranstaltungen verkaufen. Auch sie haben erst einen Tag vor der offiziellen Präsentation von dem neuen Modell erfahren. Die Geheimhaltung ermöglicht hat die ungewöhnliche Vertriebsstrategie von Vorwerk. Das Unternehmen verkauft den Thermomix nur im Online-Shop, eigenen Brandstores und über seine Repräsentanten.

Die Maschine sagt dem Koch, was er tun soll

Aber was ist am neuen Modell eigentlich anders als beim Vorgänger? Neben einem stärkeren Motor, einer automatischen Versiegelung des Deckels und einem größeren Topf, denkt der Thermomix nun auch noch mit. Über sogenannte Rezept-Chips, weiß das Gerät, was der Benutzer kochen möchte und gibt nur noch Anweisungen, welche Zutat wann hinzugefügt werden muss. Den Rest erledigt die Maschine. Mit den Neuerungen ist der Preis von 1019 Euro auf nun 1109 Euro geklettert.

Den Umtausch eines erst kürzlich gekauften alten Modells gegen ein neues schließt Vorwerk aus. Wer den TM 31 bereits bestellt, aber noch nicht geliefert bekommen hat, kann sich aussuchen, ob er gegen 90 Euro Aufpreis zum neuen Modell wechselt oder vom Kauf zurücktritt. Wer die 90 Euro Aufpreis nicht zahlen will, dem bleibt nur noch eine ganz altmodische Lösung: Kochtopf herausholen und Herd anschmeißen.