Krupp-Stiftungsvorsitzender Beitz will an der Spitze der Krupp-Stiftung bleiben

Berthold Beitz (hier ein Archivbild aus dem Jahre 2010) will vorerst keinen Nachfolger benennen.

(Foto: Volker Hartmann/ddp)

"Ich mache weiter, solange ich das kann und noch klar im Kopf bin": Berthold Beitz wird im September 100 Jahre alt - und denkt nicht ans Aufhören. Er will an der Spitze der Essener Krupp-Stiftung bleiben und keinen Nachfolgekandidaten nominieren. Auch zum Rücktritt von Aufsichtsratschef Cromme äußert er sich erstmals.

Berthold Beitz will an der Spitze der Essener Krupp-Stiftung bleiben und keinen Nachfolgekandidaten für die Leitung der nominieren. Der Süddeutschen Zeitung sagte er: "Ich mache weiter, solange ich das kann und noch klar im Kopf bin."

Der 99-jährige Patriarch des Konzerns Thyssen-Krupp hatte vor zehn Tagen seinem Stellvertreter und designiertem Nachfolger, dem Konzern-Aufsichtsratschef, Gerhard Cromme, das Vertrauen entzogen. Beitz äußerte sich nun erstmals seither öffentlich zur eigenen Zukunft. Er will die Frage, wer ihm einst folgen wird, dem Kuratorium der Stiftung überlassen, widersprach jedoch Spekulationen, dies werde seine eigene Tochter sein: "Das ist ausgeschlossen." Die Stiftung und deren Verhältnis zum Konzern sollen künftig neu gestaltet werden.

1967 hatte der letzte Alleininhaber Alfried Krupp das Unternehmen in eine Stiftung umgewandelt und Beitz auf Lebenszeit zu deren Vorsitzenden ernannt. Sie ist mit heute 25,3 Prozent der Anteile größter Einzelaktionär des Großkonzerns, der zuletzt vor allem wegen misslungener Auslandsgeschäfte Milliardenverluste einfuhr, und hält eine Sperrminorität.

"Es wurde immer schlimmer. Ich musste einfach handeln"

Aufsichtsratschef Cromme war vergangenen Freitag von allen Ämtern zurückgetreten. "Über Jahre habe ich gehört, bald werde alles besser", sagte Beitz, "aber es wurde immer schlimmer. Ich musste einfach handeln." In Kreisen der Firma habe sich in den vergangenen Jahren "Größenwahn" abgezeichnet. Der neue Vorsitzende Heinrich Hiesinger habe jetzt sein "volles Vertrauen". Beitz zeigte sich zuversichtlich, dass der Konzern schon in wenigen Jahren "wieder gut dastehen" werde. Er kündigte an, dass die Stiftung, wenn er einmal ausscheidet, eine neue Struktur haben werde: "Schon deshalb wird es keinen neuen Beitz mehr geben." Künftige Vorsitzende würden wie bei anderen Stiftungen auch vom Kuratorium gewählt; dessen Vorsitzender sollte nicht auch Chef des Konzerns sein.

Auf die Frage, ob die Stiftung einer möglichen Kapitalerhöhung zustimmen würde, äußerte er sich nur indirekt. Die Stiftung würde damit ihre Sperrminorität verlieren. Beitz sagte, die Machtstellung der Stiftung sei kein Selbstzweck. Sie habe vor Jahren die entscheidenden Aktienanteile gekauft, um ThyssenKrupp vor Aufkäufen und feindlichen Übernahmen zu retten. "Ich werde mich keinem Schritt verweigern, der zum Wohle der Firma ist", sagte er.

SZ-Redakteur Joachim Käppner hat Berthold Beitz getroffen. In der Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung schildert Käppner in der Seite-Drei-Reportage das außergewöhnliche Treffen mit einem hellwachen Mann, der alles erlebt hat.