Kritik von Aktivisten Apple soll mit Steuertricks in Deutschland Millionen sparen

Scheinfirmen ohne Mitarbeiter und ohne Gebäude: Apple drückt seine Steuerschuld kreativ - auch in Deutschland. Aktivisten schätzen, dass dem deutschen Staat jährlich so 245 Millionen Euro entgehen könnten.

Eine Aktivistengruppe wirft dem Apple-Konzern vor, in Deutschland durch Steuertricks Zahlungen von geschätzt 245 Millionen Euro im Jahr zu sparen. Das hat das Tax Justice Network kalkuliert, eine internationale Nichtregierungsorganisation, die sich für Steuergerechtigkeit einsetzt, berichtet das ZDF-Magazin Frontal 21.

Der Technikkonzern steht wie andere international agierende große Unternehmen in der Kritik, weil er mit einem komplexen Geflecht aus Firmen Gewinne in Niedrigsteuerländer wie Irland verschiebt und Investitionen und Verluste gleichzeitig in Hochsteuerländern verrechnet. So können global agierende Konzerne ihre Steuerlast "optimieren", wie es kleinere Betriebe nie könnten.

Zwar hält das Unternehmen gesonderte Umsatzzahlen für Deutschland unter Verschluss, macht aber - nach Schätzungen von Analysten - mit seinen in Deutschland verkauften Produkten jedes Jahr etwa eine Milliarde Euro Gewinn.

"Wenn wir auf eine Milliarde Euro Gewinn die 25 Prozent Unternehmenssteuer anlegen, dann kommen wir in Deutschland auf ein Steuersoll von 250 Millionen Euro", sagt Markus Meinzer vom Tax Justice Network. "Wenn wir das vergleichen mit den fünf Millionen Euro, die Apple tatsächlich bezahlt hat, sieht man, dass es hier eine Steuerlücke von 245 Millionen Euro gibt."

Vergangene Woche musste sich Konzernchef Tim Cook für Apples Steuersparmodelle vor einem Unterausschuss des US-Senats rechtfertigen. Eine Untersuchung der Parlamentarier war zu dem Schluss gekommen, dass eine Apple-Tochter dank ihres speziellen Deals mit der irischen Regierung in vielen Jahren weniger als 0,1 Prozent Unternehmensteuer zahlte - auf Einnahmen von bis zu 74 Milliarden Dollar. Eine andere Tochter, über die Gewinne aus geistigem Eigentum des Konzerns verrechnet werden, zahlte auf Einnahmen von 30 Milliarden Dollar überhaupt keine Unternehmensteuern. Sie hat auf dem Papier weder einen festen Sitz noch Mitarbeiter.