Kritik an Motorola-Deal Standard & Poor's wertet Google-Aktien ab

Die Branche feiert Googles Deal, Standard & Poor's hält davon nichts: Weil der Internet-Konzern Motorolas Mobilfunksparte übernehmen will, wertet die mächtige Ratingagentur dessen beliebte Aktie ab - mit einer ungewöhnlichen Begründung.

Eine Aktie von Google gilt als sicherer Wert - seit 2005 hat sich jener verdreifacht. Doch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ruft jetzt: "Weg damit!"

Die Agentur, die mit der Abwertung der amerikanischen Bonität vor kurzem die Märkte der Welt erschütterte, hat erneut ein überraschendes Urteil gefällt: S&P hat die Aktien des Suchmaschinenbetreibers von "Kaufen" auf "Verkaufen" abgewertet - weil der den Handyhersteller Motorola Mobility kaufen will.

Die Analysten von S&P glauben, dass Google sich mit dem 12,5 Milliarden-Dollar-Kauf verhebt. Für das Geld bekommt der Internet-Gigant zwar viele wichtige Motorola-Patente, aber eben auch alles, was zu einem Hardware-Konzern dazugehört: Zum Beispiel ein Unternehmen mit 19.000 Angestellten. Die sind vor allem mit der Produktion beschäftigt - und damit kenne sich Google nicht aus. Schließlich verdient das Unternehmen seine Milliarden bisher mit der profitreichen Vermarktung von Online-Anzeigen und nicht dadurch, dass es physische Produkte herstellt und verkauft.

Der Deal berge also ein gestiegenes Risiko für Google und seine Aktien, erklärte S&P. Außerdem werde das Geschäft dem Wachstum, der Gewinnmarge und der Bilanzaufstellung von Google schaden. Die Aktien des Suchmaschinenbetreibers verloren am Dienstag dann auch 3,3 Prozent.

Google will mit dem Kauf des Handy-Herstellers Motorola Mobility seine Ambitionen außerhalb des Internetgeschäfts untermauern und seine Mobilfunkplattform Android vorantreiben. Vor allem will Google Motorolas Patente zur Verteidigung nutzen: in Gerichtsprozessen, mit denen Apple und Microsoft weltweit das Google-System Android attackieren.

Motorola Mobility hatte sich zuletzt als Hersteller von Android-Smartphones etabliert, sich aber bisher gegen die Konkurrenten Apple und asiatische Hersteller wie HTC nicht durchsetzen können. Mit eigenen Motorola-Handys plant Google den Angriff auf den anderen Platzhirsch in der digitalen Geschäftswelt: Apple. Das Geschäft von Google und Motorola soll spätestens Anfang 2012 abgeschlossen sein.