Krisenbank Düsseldorfer Hypothekenbank droht Schieflage

Die Düsseldorfer Hypothekenbank

(Foto: dpa)

Nach Jahren scheinbarer Ruhe wackelt wieder ein deutsches Geldinstitut: die Düsseldorfer Hypothekenbank. Sie ist ein großer Emittent von Pfandbriefen, dem Heiligtum des deutschen Finanzmarkts. Eine Schieflage ist also gefährlich.

Von Heinz-Roger Dohms und Meike Schreiber

Wenn man ein Lehrstück darüber schreiben wollte, wie sich die Pleite einer Bank in die Bilanzen vieler anderer frisst - die Kärntner Hypo Group Alpe Adria (HGAA) liefert dieser Tage den Stoff für das Skript. Anfang März wurde bekannt, dass bei der "Bad Bank" der HGAA ein Milliardenloch klafft, das die öffentliche Hand trotz gegenteiliger Zusagen nicht stopfen will. Seitdem kommt täglich eine neue Bank zum Vorschein, die fürchten muss, auf hohen Forderungen sitzen zu bleiben.

Der Münchner Pfandbriefbank pbb zum Beispiel verhagelte die HGGA-Schieflage die 2014-er Bilanz (SZ vom 10. März). Die NRW-Bank soll gar 276 Millionen Euro bei den Österreichern im Feuer haben. Die Deutsche Bank ist über ihre Fondstochter DWS betroffen. Und wie sehr die BayernLB vom Schicksal der einstigen Kärntner Tochter abhängt, ist ohnehin schon lange bekannt.

Was dagegen bis dato nicht an die Öffentlichkeit drang: Die HGAA-Pleite könnte einem deutschen Geldinstitut ernsthafte Schwierigkeiten bereiten - nämlich der Düsseldorfer Hypothekenbank, die 2008 schon einmal aufgefangen wurde, seitdem aber angeblich auf dem Weg der Besserung war. Aus der jüngsten Bilanz der Düsselhyp geht hervor, dass die Rheinländer per Ende 2013 mit fast 350 Millionen Euro bei der HGAA engagiert waren. Wie hoch die Forderungen mittlerweile sind, ist unklar, in Finanzkreisen ist von 280 Millionen bis 400 Millionen Euro die Rede. So oder so dürfte das Eigenkapital aber zu gering sein, um die drohenden Verluste aufzufangen. In Finanzkreisen spricht man bereits von einem "aufsichtsrechtlichen Notfall".

Das eigentliche Problem: Mit einer Bilanzsumme von zuletzt noch zwölf Milliarden Euro ist die Düsseldorfer Hypothekenbank zwar ein vergleichsweise kleines Geldhaus. Eine Schieflage könnte jedoch Folgen haben, die über das Institut als solches hinausweisen. Die Düsselhyp refinanziert sich nämlich über die Emission von Pfandbriefen und gehört der deutschen Einlagensicherung an - womit der Fall die beiden Heiligtümer des deutschen Finanzmarkts berührt. Die staatliche Ultima Ratio selbst in den schwersten Krisenjahren lautete stets: Vieles darf passieren, aber nicht, dass ein Pfandbrief ausfällt. Und zu den Zeichnern von Pfandbriefen - das sind besicherte Bankanleihen - gehören nicht nur andere Banken, sondern vor allem Versicherer, Publikumsfonds und Pensionskassen.

Wie dramatisch die Lage ist, zeigt sich daran, dass die Ratingagentur Fitch das sogenannte Stand-Alone-Rating der Düsselhyp am Dienstagabend auf "c" herabsetzte, was gemäß der Definition der Bonitätswächter bedeutet, dass "das Scheitern der Bank bevorsteht oder unvermeidlich ist", wie es in den Regularien heißt. Die Agentur schreibt, die plötzliche Herabstufung spiegele "externe Ereignisse", seit man das Rating am 24. Februar zuletzt überprüft habe. Damit dürften die Probleme bei der Hypo Group Alpe Adria gemeint sein.

Fitch hält es nicht für ausgeschlossen, dass der Staat oder die Einlagensicherung einspringen, um die Düsselhyp zu stabilisieren. Die Bank werde letztlich wohl staatliche Unterstützung erhalten, "sehr wahrscheinlich" über den Umweg der freiwilligen Einlagensicherung des Bundesverbands deutscher Banken, schreiben die Fitch-Analysten. "Dieses Szenario wäre vergleichbar mit der Unterstützung der Bankhaus Lehman AG 2008", heißt es weiter. Das Bankhaus Lehman wurde damals aus der Einlagensicherung gestützt, anders als die zusammengekrachte US-Mutter Lehman Brothers.

Verkompliziert wird die Lage dadurch, dass die Eigentumsverhältnisse der Düsseldorfer Hypothekenbank unklar sind. Nach der Schieflage Anfang 2008 hatte der Bankenverband die Rheinländer schon einmal aufgefangen, um Schaden von der Einlagensicherung und vom Pfandbriefmarkt abzuwenden. Später sprang der Bankrettungsfonds Soffin mit milliardenschweren Garantien ein. 2010 übernahm schließlich der umstrittene US-Investor Lone Star die Düsselhyp.

Im August vergangenen Jahres wurde bekanntgegeben, dass ein Konsortium um den deutschen Selfmade-Banker Patrick Bettscheider die Düsselhyp übernehme. Bettscheider stemmte demnach 45 Prozent der Transaktion, ein ebenso großes Paket landet bei einer in London ansässigen, aber offenbar von deutschen Investoren geführten Private-Equity-Gesellschaft namens Attestor Capital. Der Fitch-Analyse lässt sich nun allerdings entnehmen, dass der Deal - es handelte sich um die größte deutsche Bankenübernahme seit der Finanzkrise - offenbar immer noch nicht perfekt ist. Denn die Zustimmung der Aufsichtsbehörden stehe weiterhin aus.

Nicht unüblich sind bei Akquisitionen dieser Größenordnung Klauseln, wonach sich die Kaufbedingungen ändern, sofern im Zuge der Übernahme Probleme auftreten. Damit ist unklar, ob Lone Star oder das Bettscheider-Konsortium für mögliche Verluste einstehen müssten. Oder ob die Bank letzten Endes doch wieder dem Staat vor die Füße fällt. Die Düsselhyp wollte sich zu den Informationen nicht äußern, die Finanzaufsicht Bafin äußert sich generell nicht zu Einzelfällen.