Energiekonzern in der Krise Kernspaltung bei RWE

Konventionelle Meiler wie das Braunkohle-Kraftwerk Niederaußem bei Bergheim bleiben im alten RWE-Konzern, die Erzeugung von Wind- und Sonnen-Strom soll dagegen in eine neue Tochter ausgelagert werden.

(Foto: dpa)
  • Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE will sich teilen: Ökostrom, Netze und Vertrieb sollen von konventioneller Stromerzeugung und Handel abgespalten werden.
  • Damit folgt RWE dem Vorbild des größeren Rivalen Eon - obwohl Konzernchef Terium genau das lange Zeit nicht wollte.

Atomausstieg, Energiewende - und bald das Aus für Stein- und Braunkohle? Eines ist jedenfalls sicher: Die Umwälzungen im Energiebereich stellen die Schwergewichte der Branche vor gewaltige Probleme. Deshalb bereitet nun nach Eon auch RWE, immerhin die Nummer zwei im Land, unter dem Druck wegbrechender Gewinne die Aufspaltung des Konzerns vor. Das teilte RWE am Dienstag mit.

Das Geschäft mit Ökostrom, Stromnetzen und dem Vertrieb soll demnach in eine neue Gesellschaft eingebracht werden. Zehn Prozent dieser neuen, "grünen" Gesellschaft sollten dann voraussichtlich Ende 2016 im Zuge einer Kapitalerhöhung an die Börse gebracht werden. RWE bleibe aber langfristig Mehrheitsaktionär des neuen Unternehmen und werde dieses voll in seine Bilanz einbeziehen, hieß es weiter.

Planänderung bei RWE

"Der Konzernumbau ist unsere Antwort auf den Umbau der europäischen Energielandschaft", sagte RWE-Vorstandschef Peter Terium. "Wir schaffen zwei zukunftsfähige Unternehmen unter einem Dach. Die neue Tochtergesellschaft mit eigenem Zugang zum Kapitalmarkt stärkt unsere Wachstumsperspektive."

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Der Rivale Eon hatte bereits vor einem Jahr eine Aufspaltung beschlossen, RWE hatte dagegen lange betont, den Konzern als Ganzes erhalten zu wollen - sich aber die Option einer Aufspaltung offengehalten.

Diese Option könne man "zu jedem Moment" nutzen, falls sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verschärfen sollten, hatte Terium im August gesagt. Hintergrund ist auch die Aktionärsstruktur bei RWE: Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen in Nordrhein-Westfalen mit knapp einem Viertel der Anteile noch ein entscheidendes Wort mitzureden.

Haftung für Kernkraftwerke bleibt unangetastet

Der Mutterkonzern will sich dagegen künftig auf die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel konzentrieren. Die Haftungsmasse für die Kernkraftwerke im Bestand des Konzerns werde dadurch aber nicht verändert, versicherten die Essener. Der Aufsichtsrat müsse den Plänen noch zustimmen.

Die Anleger goutieren das Vorhaben - der Kurs der RWE-Papiere schoss in die Höhe. Aber: "Letztlich ändert auch eine Aufspaltung nichts an dem schwierigen Umfeld, in dem sich die Versorger befinden", sagte ein namentlich nicht genannter Börsenhändler der Nachrichtenagentur Reuters. "Wie sich schon bei den Abspaltungsplänen von Eon gezeigt hat, bleiben die Versorger schließlich auf den hohen Kosten für den Atomausstieg sitzen."

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Die Bundesregierung hatte den deutschen Marktführer im September zur Aufgabe seiner Pläne für eine Auslagerung seiner deutschen Atomkraftwerke gezwungen. Diese sollen nun doch nicht wie ursprünglich geplant 2016 in den neuen Konzern Uniper abgeschoben werden. Eon bleibt damit für den milliardenschweren Abriss der Meiler und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle verantwortlich.