Nach der EU-Kommission prognostiziert nun auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft ein schwaches Wachstum in Europa - und für Deutschland sogar eine Rezession.

Deutschland bewegt sich nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) auf eine Rezession zu. Die deutsche Wirtschaft bekomme die Auswirkungen der krisenhaften Entwicklungen rund um den Globus zu spüren, erklärten die Experten am Donnerstag.

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Mit der europäischen Wirtschaft geht es bergab - so hat es schon EU-Kommissar Joaquin Almunia verkündet. Auch das deutsche Institut für Wirtschaft kommt zu diesem Ergebnis. (© Foto: Reuters)

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"Sowohl die Daten für Nachfrage und Produktion als auch wichtige Stimmungsindikatoren weisen seit einigen Monaten deutlich nach unten", hieß es in dem IfW-Herbstgutachten. Für den restlichen Euroraum stehen den Experten zufolge die Zeichen jedoch noch deutlicher auf Rezession.

Gesenkte Prognosen

Hierzulande dürfte die Konjunktur laut IfW weniger stark an Schwung einbüßen als in manchen anderen großen Ländern, wo die wirtschaftlichen Übersteigerungen in den vergangenen Jahren ausgeprägter waren. Ein leichter Rückgang der Produktion in den kommenden Monaten sei dennoch wahrscheinlich.

Daher senkte das IfW seine Prognosen für das Wirtschaftswachstum 2008 und 2009: Im laufenden Jahr rechnet es mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um lediglich 1,9 Prozent statt der im Juni prognostizierten 2,1 Prozent. Für das nächste Jahr sei sogar nur noch eine Zunahme um 0,2 statt um 1,0 Prozent zu erwarten.

Vor allem Einflüsse aus dem Ausland dämpfen demnach die deutsche Konjunktur: Dazu zählen unter anderem die Krise an den Finanz- und Immobilienmärkten, eine schlechtere preisliche Wettbewerbsfähigkeit aufgrund der Euroaufwertung und die gestiegenen Rohstoffpreise.

Binnenwirtschaftlich komme eine stärkere Belastung der Unternehmen wegen höherer Arbeitskosten sowie ein Kaufkraftentzug der Verbraucher aufgrund der gestiegenen Inflationsrate hinzu. "All diese Faktoren bringen die deutsche Wirtschaft an den Rand einer Rezession", folgert das IfW.

Höhepunkt voraussichtlich überschritten

Die Aussichten für die Weltkonjunktur hätten sich in denvergangenen Monaten stark eingetrübt, erklärte das Institut: "Weltweit sind die Frühindikatoren auf Talfahrt." In einer Reihe von Industrieländern drohe inzwischen sogar eine Rezession. Die Inflation habe zwar voraussichtlich ihren Höhepunkt überschritten, doch werde die Korrektur von Übersteigerungen im Immobilien- und im Finanzsektor vieler Länder die weltwirtschaftliche Entwicklung über längere Zeit belasten, hieß es.

So erwarten die Experten für dieses Jahr lediglich einen Anstieg der Weltproduktion von 3,7 statt der im Juni prognostizierten 3,9 Prozent. Für 2009 sagt das Kieler Institut sogar eine Abschwächung auf 3,3 statt 3,7 Prozent voraus.

Stärker als in Deutschland ist die Krise der Weltwirtschaft im restlichen Euroraum zu spüren. Dort ist der Konjunkturaufschwung nach Ansicht des IfW beendet: "Eine Vielzahl von Faktoren, wie die Situation der Immobilien- und Finanzmärkte sowie Wechselkurse und Rohstoffpreise, wirkt sich belastend aus, so dass der Euroraum im Prognosezeitraum voraussichtlich eine Rezession erleben wird."

Euro im Einjahrestief

Das Institut revidierte seine Prognose für den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im Euroraum für 2008 auf 1,4 Prozent. Im nächsten Jahr werde das BIP sogar stagnieren.

Unterdessen fiel der Euro erstmals seit einem Jahr unter die Marke von 1,40 Dollar. Die Gemeinschaftswährung erreichte am Donnerstagvormittag 1,3915 Dollar. Verantwortlich für das Einjahrestief ist nach Einschätzung von Analysten der nachgebende Rohölpreis.

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(sueddeutsche.de/AP/kim/tob)