Krise bei Praktiker Wie "ein Drogenabhängiger"

Auch die Frage nach dem richtigen Standort und der optimalen Marktgröße wird immer häufiger gestellt. Sind Mega-Märkte mit mehr als 20.000 Quadratmetern und einem angedockten Drive-in für Baustoffe, wie sie vor allem die Bauhaus-Kette forciert, das Konzept der Zukunft? Oder ist es klüger, auf kleinere Formate in innerstädtischen Lagen zu setzen? Die könnten ihr Angebot spezialisieren, beispielsweise auf die Wünsche von Bewohnern von Mehrfamilienhäusern. Entsprechende Versuche gibt es bereits, etwa in Köln.

Viel hängt davon ab, in welchem Umfang Heimwerker und Hobbybastler künftig online bestellen. Im vergangenen Jahr machten Bestellungen über das Internet erst weniger als zwei Prozent des Branchenumsatzes aus. Aber die Zuwachsraten sind enorm. Handelsexperten von KPMG können sich vorstellen, dass viele Märkte sperrige Produkte nur noch anliefern. Dann kämen die Läden mit deutlich weniger Verkaufsfläche aus. Dagegen spricht, dass die meisten Baumarkt-Käufer die Ware direkt mitnehmen möchten, um sie gleich zu "verbauen".

Nach Angaben des Branchenverbandes BHB gibt es derzeit rein rechnerisch einen Baumarkt je 34.300 Einwohner, vor 30 Jahren war es 85.500 Einwohner. In Sachsen-Anhalt ist die Überversorgung am größten. Dort kommt auf 22.000 Einwohner ein Laden. Die Hochburg der Baumärkte ist Zwickau. Dort ringt ein Dutzend Märkte um die Gunst von 95.000 Einwohnern. Mit dem Aus für Praktiker wird das Filialnetz dünner werden. Denn für viele Märkte dürfte es keinen neuen Nutzer geben. Haub prognostiziert: "Es wird viele enttäuschte Vermieter geben".

Mit welch harten Bandagen gekämpft wird, zeigt sich derzeit im Großraum München. Dort flaggen bis zum Jahresende 16 im Franchisesystem betriebene Märkte von Obi auf Hagebau um. Damit kehren sich die Kräfteverhältnisse in der Region komplett um. Hagebau, bisher in München kaum präsent, wird auf einen Schlag zum Marktführer. Haub zufolge hat es zuletzt immer wieder Streit mit den Franchisenehmern gegeben. "Dann ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem man getrennte Wege gehen muss." Die Marktbetreiber dagegen fühlten sich von der Obi-Zentrale zunehmend an der kurzen Leine geführt. Der Wettstreit verspricht Spannung. Die Region München, so verspricht Haub, werde künftig ein Investitionsschwerpunkt für Obi sein.