Dem Mittelstand droht immer noch große Gefahr durch die Wirtschaftskrise: Der Kreditversicherer Euler Hermes prognostiziert eine Pleitewelle, die auch gesunde Firmen mitreißen könnte.

Deutschlands größter Kreditversicherer Euler Hermes schlägt Alarm, denn er erwartet bei den Firmenpleiten im nächsten Jahr noch keine Entspannung. Die Zahl der Insolvenzen werde vielmehr um neun Prozent auf 36.900 steigen, teilte das Unternehmen mit.

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Insolvenz eines Bekleidungsgeschäftes in Düsseldorf: Bei Forderungsausfällen können auch gesunde Unternehmen in die Bredouille geraten. (© Foto: dpa)

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Allerdings dürfte es eine Verbesserung bei den Forderungsausfällen geben. Diese würden sich vermutlich nur noch auf 45 Milliarden Euro belaufen - fast ein Viertel weniger als 2009, aber immer noch das Doppelte von 2008.

In diesem Jahr wird die Zahl der Unternehmensinsolvenzen den Angaben zufolge um über 15 Prozent auf 33.800 klettern. Die Summe der gerichtlich angemeldeten Forderungen gegen Firmen wachse um 162 Prozent auf 58 Milliarden Euro.

Gefahr für gesunde Unternehmen

Damit werde der bisherige Negativrekord von knapp 52 Milliarden Euro aus dem Jahr 2002 deutlich übertroffen. "Der Ausfall von Forderungen gepaart mit einem Rückgang des Auftragsvolumens trifft vor allem mittelständische Unternehmen mit voller Wucht und kann selbst gesunde Unternehmen in einen gefährlichen Insolvenzstrudel reißen", sagte Gerd-Uwe Baden, Chef der deutschen Euler-Hermes-Tochter. Der Kreditversicherer gehört mehrheitlich der Allianz.

Besonders hart getroffen sind in Deutschland neben der Industrie der Automobilbau, die Eisen- und Stahlbranche sowie der Maschinenbau. Weniger stark in Mitleidenschaft gezogen sind die Elektrobranche und der Handel. Das Baugewerbe schneidet am besten ab.

Zu einer ähnlichen Beurteilung der Wirtschaftsaktivitäten am Bau kam das Bundeswirtschaftsministerium. Dort wirkten zunehmend die in den Konjunkturprogrammen beschlossenen Investitionen in Infrastruktur und ökologische Gebäudesanierung, so die Behörde.

Die Bundesregierung sieht aber auch die gesamte deutsche Wirtschaft im Aufwind. "Für das Jahresschlussquartal sprechen die vorliegenden Indikatoren für eine Fortsetzung der Erholung", teilte das Wirtschaftsministerium mit. "Nachfrage und Produktion in der Industrie nehmen tendenziell zu."

Konsum bleibt Sorgenkind

Sorgenkind bleibe dagegen der Konsum. "Eine Zunahme der privaten Konsumausgaben ist angesichts der nach wie vor schwierigen Lage am Arbeitsmarkt eher unwahrscheinlich." Das Bruttoinlandsprodukt war im dritten Quartal mit 0,7 Prozent so stark gewachsen wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Die schwerste Rezession der Nachkriegszeit war bereits im zweiten Quartal nach einjähriger Dauer beendet worden, als die Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent zunahm.

"Die deutsche Wirtschaft bleibt aber vorerst auf konjunkturstabilisierende Impulse angewiesen", hieß es. "Ihre Auftriebskräfte sind noch nicht selbsttragend und die Produktionskapazitäten sind noch stark unterausgelastet."

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(sueddeutsche.de/Reuters/pak/tob)