Kreditvergabe Aktivisten prangern Banken wegen fragwürdiger Investitionen an

  • Zwölf Banken sollen Kredite über 8,3 Milliarden Euro an "kontroverse Unternehmen" vergeben haben. Diese Vorwürfe erhebt die NGO Facing Finance.
  • Die Vorwürfe gegen die Unternehmen umfassen ethische Verfehlungen, Umweltzerstörung oder die Ausbeutung von Arbeitern.
Von Nora Kolhoff

Es gibt Investoren, die denken eher weniger an die nächsten Quartalszahlen. Da ist zum Beispiel der norwegische Pensionsfonds, der die Öleinnahmen des Landes verwaltet. Im Sommer hat Norwegen beschlossen, nicht mehr in Konzerne zu investieren, die ihr Geld in großem Stil mit klimaschädlicher Kohle verdienen. 2015 hat der Fonds Kapital aus 73 Unternehmen komplett abgezogen, weil sie nicht den eigenen moralischen Standards entsprechen. Ein Ethikrat berät den Pensionsfonds dabei. Damit ist der Fonds ziemlich erfolgreich: Zuletzt hat der staatliche Vermögensverwalter eine langfristige Rendite von rund vier Prozent ausgewiesen.

Der Pensionsfonds aus Norwegen investiert ganz anders als die Banken und Versicherungen, die die Nichtregierungsorganisation Facing Finance in einem neuen Report kritisiert. Darin erhebt die NGO Vorwürfe gegen große Finanzhäuser, weil sie Firmen mit fragwürdigen Geschäften Kredit geben sollen. Die NGO hat die Finanzierung 20 multinationaler Konzerne analysiert, die immer wieder in der Kritik von Aktivisten stehen. Darunter sind der Ölkonzern ExxonMobil, der Rüstungskonzern Lockheed Martin, die Nahrungsmittelfirma Nestlé sowie Minen- und Textilkonzerne. Facing Finance zitiert jeweils eine Reihe von Vorwürfen, die mal Umweltschäden, mal Ausbeutung von Arbeitern umfassen.

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Auch diese Aktivitäten, so die Kritik der NGO, finanzierten die Geldhäuser, wenn sie Geschäfte mit den Konzernen machen. Zwölf Finanzinstitute hat Facing Finance untersucht. Die Banken haben dem Report zufolge zwischen 2013 und Sommer 2015 Kredite in Höhe von 8,3 Milliarden Euro an die "kontroversen Unternehmen" vergeben. Dazu kommen Aktien und Anleihen der Firmen, die die Banken halten.

Im Fokus der Aktivisten steht die Deutsche Bank. Das Institut hat laut dem Bericht mit 19 der 20 Firmen Finanzbeziehungen. "Die Deutsche Bank prüft bei Finanzierungen und Anlageprodukten sowohl wirtschaftliche als auch ökologische und soziale Kriterien", heißt es dagegen von der Bank. Sie betont zudem auf ihrer Webseite, dass sie mittlerweile 5,4 Milliarden Euro nachhaltig verwalte.

Die Aktivisten von Facing Finance wollen, dass die Konzerne durch kritischere Banken finanziell stärker unter Druck gesetzt werden. Sie haben allerdings keine Hoffnung, dass die Banken dem Aufruf freiwillig folgen. "Selbstverpflichtungen von Unternehmen und Banken verhindern Menschenrechtsverletzungen, Ausbeutung, Umweltzerstörung und Korruption nicht", sagt Thomas Küchenmeister von Facing Finance.

Daher fordert Küchenmeister ein entsprechendes Gesetz. Finanzdienstleister und Unternehmen sollen so verpflichtet werden, soziale und ökologische Folgen ihrer Entscheidungen und Investitionen zu veröffentlichen. Damit eben nicht nur die Quartalszahlen zählen.

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