Kreditrating Deutsche Bank rutscht Richtung Ramsch

Die Deutsche Bank soll wieder fit werden. Doch das wird schwer. Der geplante Verkauf der Tochter Postbank wird wohl auf 2017 verschoben.

(Foto: Jasper Juinen/Bloomberg)
  • Die Deutsche Bank kommt nicht aus dem Krisenmodus. Nun droht eine Ratingagentur, die Kreditwürdigkeit der Bank herabzustufen.
  • Das Problem: Schlechte Ratings sind oft eine Art selbsterfüllende Prophezeiung.
Von Meike Schreiber, Frankfurt

Gerade hatten sie ein wenig aufgeatmet bei der Deutschen Bank, nach den brutalen Aktienkursverlusten zu Jahresanfang und dem fast täglich schwindenden Vertrauen von Mitarbeitern, Kunden und Großinvestoren. Zumindest war der Aktienkurs - und damit der wichtigste Gradmesser für dieses Vertrauen - seit Februar gestiegen, womit scheinbar wieder etwas Normalität eingekehrt war.

Doch spätestens seit Co-Vorstandschef John Cryan vor ein paar Tagen zerknirscht einräumte, die Bank werde nach dem Verlust von 6,7 Milliarden Euro im Jahr 2015 wohl auch 2016 einen Verlust machen, allerhöchstens einen kleinen Gewinn, bröckelt das mühsam erkämpfte Vertrauen erneut. Am Dienstag drohte die Ratingagentur Moody's mit einer weiteren Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Bank, und Finanzvorstand Markus Schenck gab zu, die Branche habe "die beiden schlechtesten Anfangsmonate eines Jahres" hinter sich, die er persönlich erlebt habe. Mies gelaufen sei vor allem das Investmentbanking, etwa der Handel mit Wertpapieren. Und das habe natürlich bei der Deutschen Bank Spuren hinterlassen. Auch der geplante Verkauf der Postbank werde sich wohl bis 2017 hinziehen.

Sollte Moody's nun Ernst machen mit der Herabstufung, wäre das Rating der Deutschen Bank nicht nur schlechter als zum Beispiel das der Commerzbank, sie wäre zudem nur noch zwei Noten vom berüchtigten Ramschniveau entfernt. Dort befinden sich Unternehmen, die ihre Schulden möglicherweise nicht zurückzahlen. Die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank wäre damit so schlecht bewertet wie noch nie. Auch bei der Agentur Standard & Poor's notiert Deutschlands größtes Kreditinstitut nur noch drei Stufen über Ramsch.

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Die Ratingagentur Moody's droht mit einer weiteren Herabstufung der Kreditwürdigkeit

Noch in den 90er-Jahren genoss die Deutsche Bank stets ein Spitzenrating, galt als genauso solvent wie die Bundesrepublik. Das ist lange vorbei. Zwar bewerten die Ratingagenturen inzwischen fast alle Banken deutlich schlechter als noch vor Jahren. Das liegt an der neuen Banken-Abwicklungsrichtlinie der EU, wonach bei einer Schieflage neben den Aktionären die Anleihegläubiger haften sollen - und eben nicht die Steuerzahler. Doch die Deutsche Bank hat inzwischen ein deutlich schlechteres Rating als ihre großen Konkurrenten. Und auch Moody's begründete die drohende Herabstufung am Dienstag nicht mit allgemeinen rechtlichen Rahmenbedingungen, sondern mit den konkreten Problemen der Bank: Seit Cryan im Juli die Führung übernommen habe, habe sich der Markt für das Bankgeschäft so sehr verschlechtert, dass er die vielen Probleme womöglich gar nicht so schnell lösen könne wie geplant. Dabei geht es zum Beispiel darum, die Kosten zu senken.

Die Krux ist nun aber: Ratingentscheidungen gleichen oft selbsterfüllenden Prophezeiungen, gerade bei Banken. Denn im Kern bedrohen diese Herabstufungen das klassische Kreditgeschäft der Institute, das davon lebt, dass sie günstig Kapital aufnehmen und es höher verzinst an Konzerne oder Mittelständler weiterreichen.

Nach der Finanzkrise wollten sich die Banken in Abkehr vom riskanten Investmentbanking eigentlich genau darauf konzentrieren. Doch seit vergangenem Jahr beurteilen die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der meisten Banken schlechter als die vieler Kreditkunden. Das hat zur Folge, dass viele große Industrieunternehmen inzwischen besser dastehen als Commerzbank oder Deutsche Bank. Entsprechend können sie sich direkt bei Investoren günstig Kapital beschaffen, werden also unabhängiger vom Bankkredit.

"Diese Herabstufungen werden mittelfristig Auswirkungen auf die Banken haben, auch wenn man es jetzt vielleicht noch nicht merkt, weil sich die Institute derzeit so günstig bei der Europäischen Zentralbank refinanzieren könnten", sagt Markus Krall, Banken- und Ratingexperte der Unternehmensberatung Goetzpartners. Zudem lauert da noch eine weitere Bedrohung: Viele Profiinvestoren, die Bankanleihen kaufen, verkaufen diese, sobald die Anleihen auf Ramschniveau gestuft werden. Einem Kreditinstitut würde dann automatisch seine Geschäftsgrundlage entzogen.

Kein Wunder also, dass Finanzvorstand Schenck die Lage nicht behagt. Langfristig müsse es die Deutsche Bank schaffen, wieder ein solides Rating zu bekommen, sagte er der Börsenzeitung. In den kommenden 24 Monaten aber sei damit nicht zu rechnen. Bei Anlegern und Kunden wird die Deutsche Bank noch oft um Geduld bitten müssen.

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