Kredit nicht verlängert Märklin ist pleite

Nun ist es doch passiert: Allen Beschwichtigungen der vergangenen Tage zum Trotz hat der Modelleisenbahn-Hersteller Märklin beim Amtsgericht Göppingen nun Insolvenzantrag gestellt.

Wie sich die Bilder doch gleichen: Vor drei Jahren stand der traditionsreiche Modelleisenbahn-Hersteller Märklin kurz vor dem Aus. Damals kam die Rettung in Form einer sogenannten Heuschrecke. Der Finanzinvestor Kingsbridge übernahm den schwäbischen Traditionskonzern, unterzog Märklin einer harten Sanierungskur und schloss die Produktionsstätte im thüringischen Sonneberg. Das Ergebnis: Märklin überlebte. Vorerst.

Nun ist die Situation von Märklin wieder brenzlig - und dieses Mal könnte es nicht ganz so glimpflich enden. Denn jetzt sind die Zahlungsschwierigkeiten so groß, dass der Konzern beim zuständigen Amtsgericht in Göppingen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat.

Grund für das Drama: Die Landesbank Baden-Württemberg und die Kreissparkasse Göppingen haben einen Ende Januar ausgelaufenen Kredit über 50 Millionen Euro nicht verlängert. Tagelange Verhandlungen blieben zuletzt erfolglos. Deshalb konnte Märklin im Januar keine Löhne an die nach Firmenangaben mehr als 650 Mitarbeiter in Deutschland auszahlen. In Ungarn sind noch einmal 400 Mitarbeiter beschäftigt.

Nach einem Bericht der Südwest Presse soll die Kreisparkasse Göppingen mit der Firmenpolitik der Märklin-Eigentümer nicht mehr einverstanden gewesen sein. Die Bank habe die häufigen Geschäftsführerwechsel und die hohen Honorare für die Beratungsgesellschaften kritisiert. Die Konzernbilanz wies allein für 2007 rund 13 Millionen Euro Beraterhonorare aus, mehr als zehn Prozent des Gesamtumsatzes von 126 Millionen Euro.

Nun ist das Wehklagen groß - und trotzdem soll der Betrieb vorerst ohne Einschränkungen weiterlaufen, hieß es in der Mitteilung. "Wir sind fest gewillt, in Abstimmung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter unser Traditionsunternehmen mit Kultstatus (...) zu sanieren und dauerhaft im Markt zu etablieren", betonte Geschäftsführer Dietmar Mundil. Die Geschäftsführung werde den vorläufigen Insolvenzverwalter bei der Analyse der wirtschaftlichen Situation von Märklin, der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und der Gestaltung der Zukunft des Unternehmens unterstützen.

Leichtes Umsatzplus

Mundil räumte ein, die Maßnahmen, die in einem intensiven Restrukturierungsprozess in den vergangenen Jahren umgesetzt worden seien, hätten sich nicht in dem ursprünglich geplanten Kosten- und Zeitrahmen ausgewirkt. Die Rosskur von einst hat offenbar nicht den erhofften Erfolg gebracht.

Die ausgelaufene Kreditlinie stand dem Unternehmen für sein saisonal schwankendes operatives Geschäft zur Verfügung. Märklin steigerte 2008 trotz eines schwierigen Weihnachtsgeschäfts den Umsatz leicht auf 128 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2007 hatte der Umsatz bei 126 Millionen Euro gelegen. Gleichzeitig senkte Märklin den Verlust im operativen Geschäft. Zahlen dazu gab das Unternehmen allerdings nicht bekannt.