Krankenkassen Was Arztfunktionäre und Kassenchefs verdienen

Der Chef der Vereinigung der Kassenärzte bekommt eine Grundvergütung von jährlich rund 344 260 Euro.

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  • Der Top-Verdiener innerhalb des gesetzlichen Gesundheitssystems ist der oberste Funktionär der Kassenärzte - Andreas Gassen.
  • Die Chefs der Krankenkassen sind genügsamer.
Von Thomas Öchsner, Berlin

Wie viel die Chefs verdienen, ist in vielen Betrieben Stoff für Kantinengespräche. Bei den Krankenkassen ist dies längst kein Geheimnis mehr. Immer Anfang März müssen die Vorstandsmitglieder der Kassen ihre Bezüge im Bundesanzeiger veröffentlichen.

Dies hatte die frühere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) vor mehr als zehn Jahren durchgesetzt. Die neuen Zahlen in dem Amtsblatt zeigen: Die Vorstände erhielten wie in den vergangenen Jahren auch ein einigermaßen ordentliches Gehaltsplus. Der Top-Verdiener innerhalb des gesetzlichen Gesundheitssystems ist aber kein Krankenkassenchef, sondern der oberste Funktionär der Kassenärzte.

Die Rede ist von Andreas Gassen. Der 54-jährige Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rheumatologie wurde gerade als Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wiedergewählt, die die Bezüge ihrer Führung ebenfalls melden muss.

30 000 Euro für Fahrkosten

Demnach bezog Gassen 2016 als hauptamtlicher Chef der Vereinigung der Kassenärzte eine Grundvergütung von jährlich rund 344 260 Euro, das sind etwa 8000 Euro oder 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kam ein variabler Teil von gut 30 000 Euro, mit dem Gassens Fahrtkosten abgegolten werden. Weitere 30 000 Euro legte die KBV für die private Altersversorgung ihres Chefs zurück. Der Mediziner kann den Angaben zufolge einmal in der Woche in seiner Praxis in Düsseldorf arbeiten. In diesem Fall werden ihm 500 Euro pro Arbeitstag von seiner KBV-Vergütung abgezogen.

Die Vorstandsvorsitzenden der Krankenkassen können damit nicht mithalten. Ihr Verdienst soll im Verhältnis zur jeweiligen Versichertenzahl der von ihnen geführten Kasse stehen. Und daran halten sich die Krankenkassen weitgehend auch. Spitzenverdiener ist deshalb wie bereits 2015 der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, die mit 9,8 Millionen Versicherten größte Kasse. Er erhielt 2016 fast 315 000 Euro, gut 9000 Euro mehr als im Vorjahr. Auf Platz zwei folgt Barmer-Chef Christoph Straub. Er verdiente etwa 280 000 Euro. Dicht dahinter ist der frühere Chef der DAK-Gesundheit, Herbert Rebscher. Er bekam in seinem letzten Amtsjahr vor Eintritt in den Ruhestand knapp 265 000 Euro, gut 14 000 Euro oder knapp sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Etwas niedriger sind die Gehälter der AOK-Chefs. Diese Krankenkassen sind regional organisiert. Für Bayerns AOK-Chef Helmut Platzer sprang eine Grundvergütung von etwa 197 000 Euro heraus, plus ein variables Gehalt von fast 59 000 Euro.

Die Kassen müssen sich wie die KBV als Körperschaften öffentlichen Rechts an die gesetzlich vorgeschriebenen "Haushaltsgrundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit" richten. So steht es in einem Grundsatzpapier des Bundesversicherungsamts, das die Aufsicht über die Kassen und die Organe der Selbstverwaltung in der gesetzlichen Krankenversicherung hat. Darin heißt es weiter: Für einen Krankenkassen-Vorstand sei ein Gehalt nötig, das "nach den Bedingungen des Marktes angeboten werden muss, um qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten".

Das gibt den Kassen einerseits einen gewissen Spielraum bei der Vergütung, die aber deutlich unter den Bezügen von Top-Managern bei privaten Krankenversicherern liegen dürfte. Andererseits erfasst das Bundesversicherungsamt die durchschnittliche Grundvergütung bezogen auf die Zahl der Versicherten. Weicht eine Krankenkasse von dem jeweiligen Durchschnitt erheblich ab, fällt dies auf. Diese stelle "einen Indikator für unwirtschaftliches Verhalten dar", heißt es bei der Aufsichtsbehörde. Das Amt kann dann sogar eine bestimmte Vergütung untersagen.

Sich beim Gehalt zu mäßigen, fällt manchen Funktionären allerdings schwer: Der einstige KBV-Vorstandschef Andreas Köhler ließ sich so fürstlich entlohnen, dass der damalige Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eingriff. Und ein kräftiges Gehaltsplus scheint bei manchen Vertretern der Ärzte nach wie vor noch möglich zu sein. Bei Gunter Hauptmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland, erhöhte sich binnen eines Jahres die Vergütung um 48 000 Euro oder mehr als 20 Prozent auf 270 000 Euro.

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