Von T. Fromm und K. Ott

Im Korruptionsskandal bei MAN waren dem Unternehmen dubiose Zahlungen bereits seit 2007 bekannt. Auch Mitarbeiter mussten schon gehen.

Beim Nutzfahrzeug- und Motorenkonzern MAN, der unter Korruptionsverdacht steht, sind zweifelhafte Zahlungen schon seit mindestens zwei Jahren bekannt. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Ein Konzernsprecher räumte ein, dass man die Behörden darüber nicht informiert habe. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitarbeiter von MAN, die den Verkauf von Lastwagen und Bussen mit Schmiergeldzahlungen angekurbelt haben sollen. Die Strafverfolger gehen Hinweisen auf Schmiergeldsysteme im In- und Ausland nach.

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MAN-Firmensitz in München: "Regelungen zur Freigabe von rechtmäßigen Provisionen in den vergangenen Jahren konsequent verschärft." (© Foto: dpa)

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MAN erklärte, die Konzernrevision habe bereits 2007 eine "spezielle interne" Untersuchung durchgeführt. Dabei habe man Verdachtsfälle geprüft und Stichproben genommen. In einzelnen Fällen seien Zahlungsvorgänge beanstandet worden. Man habe "organisatorische und personelle Konsequenzen" gezogen'' sowie die internen Vorschriften verschärft. Unter anderem seien Barzahlungen verboten worden. Auch sei ein "Ehrenkodex" für jene Mitarbeiter eingeführt worden, die sich um den Verkauf der Lastwagen und Busse kümmerten. MAN habe sich in den vergangenen Jahren von mehreren Mitarbeitern getrennt, die gegen diese Regeln verstoßen hätten. Details nannte MAN nicht.

Hinweise auf Missbrauch

"Es gab klare Hinweise auf Missbrauchsfälle", sagte ein Konzernsprecher. Auf die Frage, warum die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet worden sei, antwortetete der Sprecher, das sei "kein Muss gewesen". Es sei eine "Abwägungssache", ob man in solchen Fällen die Behörden informiere oder nicht. Aus Unternehmenskreisen heißt es, MAN habe sich aufgrund der eigenen Erkenntnisse in den vergangenen Jahren vor allem von Mitarbeitern im Vertrieb getrennt, darunter auch Niederlassungsleitern. Die Zahl der betroffenen Beschäftigen liege "unter 20".

Die Staatsanwaltschaft hat diese Woche die Münchner Konzernzentrale und 39 Niederlassungen in ganz Deutschland sowie die Wohnungen von drei Beschuldigten durchsucht. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler sollen Bestechungsgelder in Höhe von 16 Millionen Euro geflossen sein, vor allem im Ausland. Dabei sollen auch ausländische Amtsträger geschmiert worden sein. MAN steht im Verdacht, in mehreren europäischen und afrikanischen Staaten verbotene Provisionen gezahlt und sich dabei eines Systems von Scheinrechnungen und Scheinfirmen bedient zu haben. Um die vorgänge selbst aufzuklären, hat MAN eigene Untersuchungen eingeleitet, zu denen auch externe Experten hinzugezogen werden sollen.

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(SZ vom 08.05.2009/vw)