Korruption in der Wirtschaft Schmiergeld-Affäre bei BMW

Die Staatsanwaltschaft in München hat ein Ermittlungsverfahren gegen einen Einkaufsmanager des Autokonzerns sowie den Geschäftsführer eines Zulieferbetriebes eingeleitet.

Von Von Karl-Heinz Büschemann

In dem Korruptionsfall soll der 54-jährige BMW-Einkaufsmanager Günther L. von 2000 bis 2003 in drei Fällen insgesamt rund 100.000 Dollar per Scheck von Peter M., dem Geschäftsführer des ostdeutschen Unternehmens M & H Internationale Spedition und Logistik angenommen haben.

BMW-Zentrale dpa

Luftaufnahme der Konzernzentrale von BMW in München.

(Foto: Foto: dpa)

Nach Informationen der SZ soll die Ehefrau des BMW-Managers der ostdeutschen Firma Rechnungen über bestimmte Beratungsleistungen ohne Gegenleistung gestellt haben.

Ein BMW-Sprecher sagte, der Fall sei "ärgerlich". Solche Fälle seien nur schwer zu erkennen. Das Unternehmen habe "ein Interesse daran, dass das aufgeklärt wird."

Der Unternehmensvertreter bestritt jedoch, dass es bei BMW an Kontrollen für Einkaufsmanager mangele. "Das ist nicht der Fall". Der BMW-Konzern hat ein Einkaufsvolumen von 20 Milliarden Euro im Jahr. Der festgenommene Mitarbeiter sei Leiter einer kleinen Abteilung gewesen.

Wohnung und Firmenräume inspiziert

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft ist die Sache durch eine Steuerprüfung aufgeflogen. Am vergangenen Dienstag wurden der Arbeitsplatz des BMW-Mitarbeiters, seine Wohnung sowie die Firmenräume des Zulieferbetriebes durchsucht. Dabei sei "eine Vielzahl von Unterlagen" sichergestellt worden, die ausgewertet werden müssten.

Die beiden Beschuldigten sind am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt worden. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, BMW beteilige sich konstruktiv an der Aufklärung. "Derzeit kann davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Einzelfall und nicht um eine Affäre größeren Ausmaßes handelt."

Hartmut Giershausen, der Anwalt von Peter L. sagte der SZ: "Wir sind um die Aufklärung der Vorwürfe bemüht."

Vergleichbare Fälle in der Vergangenheit

Ein ähnlicher Fall war bei dem Münchner Autokonzern im Januar 2003 bekannt geworden. Auch damals ermittelte die Münchner Staatsanwaltschaft gegen einen Mitarbeiter der Einkaufsabteilung, nachdem die Konzernrevision fündig geworden war und das Unternehmen selbst Anzeige gegen den Mitarbeiter erstattet hatte. Der Manager soll bestimmte Software-Firmen bei Aufträgen bevorzugt haben, obwohl andere Anbieter billiger waren.

Im Oktober 2004 durchsuchten die Staatsanwälte BMW-Büros und die Wohnungen von Mitarbeitern, weil BMW-Angestellte vertrauliche Bilder künftiger Automodelle an ein Fachmagazin verkauft haben sollen.

Lieferanten unter Druck

Einkaufsmanager von Autokonzernen gelten als besonders anfällig für Schmiergelder, weil die Fahrzeughersteller immer größere Anteile der Autos von Fremdfirmen anliefern lassen. Manche Autobauer beziehen mehr als drei Viertel ihrer Bauteile von Lieferanten.

Da die Krise in der Autoindustrie die Gewinne der Hersteller massiv unter Druck brachte, stieg in jüngerer Vergangenheit auch der Druck auf die Zulieferer, die Preise zu senken. In dieser Industrie gilt es als normal, dass die Erlöse für Zulieferteile pro Jahr um drei bis fünf Prozent fallen. Oft sind die Forderungen der Fahrzeugbauer nach Preissenkungen noch höher.

Viele Autohersteller haben daher das Prinzip, die Mitarbeiter ihrer Einkaufsabteilungen in bestimmten Zeitabständen auf neue Funktionen zu setzen, um die Möglichkeiten einzuschränken, mit Vertretern von Zulieferern gemeinsame Sache zu machen.

"Biotop der Kriminalität"

Beim Autokonzern DaimlerChrysler wurden die Staatsanwälte dagegen im März dieses Jahres in der Vertriebsorganisation tätig. Auch in diesem Fall ging es um den Verdacht der Untreue und teilweise auch der Bestechlichkeit. Mehrere hohe Mitarbeiter der Vertriebsorganisation mussten darauf ihre Posten verlassen.

Der Leiter des Deutschland-Vertriebs von DaimlerChrysler war schon Anfang des Jahres suspendiert worden, weil er mit Personal und Geldvon Daimler-Chrysler das Haus einer Freundin auf Mallorca hat renovieren lassen. Bei DaimlerChrysler war davon die Rede, dass es sich um ein regelrechtes "Biotop" der Kriminalität handele.

Vor zwei Wochen war eine Schmiergeld-Affäre beim Münchener Chip-Konzern Infineon aufgeflogen, als dessen Folge das Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz seinen Posten räumen musste. Dem Manager wurde vorgeworfen, von einer Sport-Event-Agentur, die von Infineon Aufträge bekam, Schmiergeld in Höhe von etwa 260 000 Euro angenommen zu haben.