Ein Kommentar von Michael Kuntz

Die Krise zwingt Daimler und BMW zu einer engeren Zusammenarbeit. Doch Hersteller teurer Autos dürfen nur bedingt kooperieren - sonst gefährden sie die Identität ihrer Marken.

Wer einen BMW kauft, entscheidet sich damit gegen einen Mercedes. Wer sich einen Mercedes zulegt, der will keinen BMW. Was auch immer der Einzelne unter Sportlichkeit und Luxus, Sicherheit und Fahrfreude versteht - der eine fühlt sich in einem Auto der einen Marke, der andere in der anderen besser aufgehoben.

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Wer teuer Autos baut, muss auf den Kern seiner Marke achten. (© Foto: Reuters)

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Dieser Unterschied, den es offenkundig gibt, begrenzt die Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit der beiden Erzrivalen unter den Produzenten sogenannter Premium-Automobile.

Denn für diese komfortablen Fahrzeuge bezahlt der Kunde deutlich mehr als die Summe des Wertes ihrer Einzelteile. Das aber bedeutet: Ein BMW muss ein BMW bleiben, ein Mercedes ein Mercedes.

Dabei hätten BMW und Mercedes allen Grund, mehr zu kooperieren, vor allem seit die Wirtschaftskrise den Absatz teurer Autos rapide hat sinken lassen. Die beiden sind die Mittelständler in einer Industrie, die global vernetzt ist wie keine zweite. Sie werden bedrängt von den richtig Großen. Toyota mit seiner Marke Lexus, VW mit Audi, General Motors (GM) mit Cadillac, Nissan mit Infiniti - alle drängen in die automobile Oberklasse, wo BMW weltweit führt und sich bislang noch richtig Geld verdienen ließ.

BMW, Daimler und GM arbeiten längst zusammen. Den Hybridantrieb als Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor entwickeln sie gemeinsam. BMW redet mit Fiat über eine Plattform für einen kleinen Sportwagen, Fiat verbündet sich mit Chrysler, BMW kauft Motoren bei Peugeot. Alle denken über Opel nach. Fast jeder spricht mit jedem.

BMW und Daimler gelten als ideale Partner. Projekte für einen gemeinsamen Einkauf funktionieren schon. Gespräche über Motoren und Getriebe kommen langsamer voran. Doch gerade beim Antriebsstrang ließe sich sparen. Hier aber kann man auch viel falsch machen. Das weiß BMW-Chef Norbert Reithofer und widersteht dem Drängen des Daimler-Vorstandschefs Dieter Zetsche - noch.

Zetsche strebt kleine Lösungen an, denn bei der großen wäre er der Verlierer. Die Familie Quandt - mit 46,6 Prozent der Anteile maßgeblicher Aktionär von BMW - könnte die niedrigen Börsenkurse nutzen und Daimler übernehmen, das ohne Großaktionär dasteht. Selbst dann aber kämen die beiden Firmen nur auf knapp drei Millionen Fahrzeuge im Jahr. Das ist gerade ein Drittel der Produktion von Toyota, der Nummer eins.

Wichtiger noch: BMW und Daimler zusammen produzieren auch nur die Hälfte der Autos, die der VW-Konzern herstellt. Zu ihm gehört Audi, der Konkurrent auf Aufholjagd. Er besitzt den Zugriff auf die Baukästen und die Einkaufsmacht von VW. Wie wichtig das ist, zeigt der Fall Porsche. Der Sportwagenhersteller hätte keine Überlebenschance in einer regulierten Welt abgasarmer Fahrzeuge. Porsche stellt nur so viele Autos her wie VW im Werk Emden. Die Lösung: Porsche kaufte sich VW und schlüpfte unter das Dach eines 30-mal größeren Konzerns. Aus David wird Goliath.

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(SZ vom 16.02.2009/woja)