Die Krise zwingt Daimler und BMW zu einer engeren Zusammenarbeit. Doch Hersteller teurer Autos dürfen nur bedingt kooperieren - sonst gefährden sie die Identität ihrer Marken.
Wer einen BMW kauft, entscheidet sich damit gegen einen Mercedes. Wer sich einen Mercedes zulegt, der will keinen BMW. Was auch immer der Einzelne unter Sportlichkeit und Luxus, Sicherheit und Fahrfreude versteht - der eine fühlt sich in einem Auto der einen Marke, der andere in der anderen besser aufgehoben.
Bild vergrößern
Wer teuer Autos baut, muss auf den Kern seiner Marke achten. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Dieser Unterschied, den es offenkundig gibt, begrenzt die Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit der beiden Erzrivalen unter den Produzenten sogenannter Premium-Automobile.
Denn für diese komfortablen Fahrzeuge bezahlt der Kunde deutlich mehr als die Summe des Wertes ihrer Einzelteile. Das aber bedeutet: Ein BMW muss ein BMW bleiben, ein Mercedes ein Mercedes.
Dabei hätten BMW und Mercedes allen Grund, mehr zu kooperieren, vor allem seit die Wirtschaftskrise den Absatz teurer Autos rapide hat sinken lassen. Die beiden sind die Mittelständler in einer Industrie, die global vernetzt ist wie keine zweite. Sie werden bedrängt von den richtig Großen. Toyota mit seiner Marke Lexus, VW mit Audi, General Motors (GM) mit Cadillac, Nissan mit Infiniti - alle drängen in die automobile Oberklasse, wo BMW weltweit führt und sich bislang noch richtig Geld verdienen ließ.
BMW, Daimler und GM arbeiten längst zusammen. Den Hybridantrieb als Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor entwickeln sie gemeinsam. BMW redet mit Fiat über eine Plattform für einen kleinen Sportwagen, Fiat verbündet sich mit Chrysler, BMW kauft Motoren bei Peugeot. Alle denken über Opel nach. Fast jeder spricht mit jedem.
BMW und Daimler gelten als ideale Partner. Projekte für einen gemeinsamen Einkauf funktionieren schon. Gespräche über Motoren und Getriebe kommen langsamer voran. Doch gerade beim Antriebsstrang ließe sich sparen. Hier aber kann man auch viel falsch machen. Das weiß BMW-Chef Norbert Reithofer und widersteht dem Drängen des Daimler-Vorstandschefs Dieter Zetsche - noch.
Zetsche strebt kleine Lösungen an, denn bei der großen wäre er der Verlierer. Die Familie Quandt - mit 46,6 Prozent der Anteile maßgeblicher Aktionär von BMW - könnte die niedrigen Börsenkurse nutzen und Daimler übernehmen, das ohne Großaktionär dasteht. Selbst dann aber kämen die beiden Firmen nur auf knapp drei Millionen Fahrzeuge im Jahr. Das ist gerade ein Drittel der Produktion von Toyota, der Nummer eins.
Wichtiger noch: BMW und Daimler zusammen produzieren auch nur die Hälfte der Autos, die der VW-Konzern herstellt. Zu ihm gehört Audi, der Konkurrent auf Aufholjagd. Er besitzt den Zugriff auf die Baukästen und die Einkaufsmacht von VW. Wie wichtig das ist, zeigt der Fall Porsche. Der Sportwagenhersteller hätte keine Überlebenschance in einer regulierten Welt abgasarmer Fahrzeuge. Porsche stellt nur so viele Autos her wie VW im Werk Emden. Die Lösung: Porsche kaufte sich VW und schlüpfte unter das Dach eines 30-mal größeren Konzerns. Aus David wird Goliath.
- Daimler und BMW Koalition der Dicken 15.02.2009
- BMW: Deutlich schwarze Zahlen Gegen den Trend 06.02.2009
- Neuer Chef-Designer Im Herzen von BMW 04.02.2009
- Mercedes-Benz-Bank Wegen Reichtum geschlossen 05.02.2009
- Daimler Die Rückkehr des Sanierers 12.02.2009
(SZ vom 16.02.2009/woja)
Machtkampf in der Linken
Im Prinzip stimme ich Ihnen zu.
ABER die Autos dieser Beiden gleichen sich NICHT
- bei den Motoren; hier ist der Unterschied besonders gross;
- bei den Karosserie-Formen, die Mr. Bangle bei BMW allzu lange verhunzen durfte!
Neben den von Ihnen erwähnten Gemeinsamkeiten besteht auch noch eine Gemeinsamkeit bei den -viel zu hohen- Preisen!
Würden beide Hersteller ihre Preise um etwa 20% senken, der Absatz würden garantiert sofort deutlich anziehen.
ABER offenbar ist sogar diesen Premium-Herstellern Staatsknete, also Geld der Steuerzahler, lieber als günstigere Preise. Und DAS halte ich für einen ausgesprochenen SKANDAL!
Wieso fühlt sich eigentlich immer jemand dazu berufen, etwas zu kommentieren, von dem er nicht den Hauch einer Ahnung hat?
Entgegen der Meinung von Hintz & Kunz ist nämlich die Fertigungstiefe beider Hersteller geradezu lächerlich. Insgeheim sind BMW und Dailer in ihren Komponenten längst fast gleichauf - beide kaufen bei den selben Zulieferern. Die Aussage "Ein BMW muss ein BMW bleiben, ein Mercedes ein Mercedes" macht also im Hinblick auf eine Eigenständigkeit sowieso keinen Sinn. Im Gegenteil: Ein Baukastenprinzip könnte Kosten senken und die Fahrzeuge endlich servicefreundlicher machen. Für Eigenständigkeit bleibt genügent Raum.
Ausserdem, seien wir mal ehrlich: wer hat denn genug Kompetenz, um beurteilen zu können, ob ein BMW tatsächlich etwas anderes ist als ein Mercedes? DAS entscheidet doch das Marketing, nicht die Technik.
DW
Daimler Benz, begann sein Geschäft vor 1900, hat damit die beiden Weltkriege, und eine WWKrise, sowie mehrer Krisen überlebt, auch die Benzinkrise. Daimler Benz wird auch diese Krise überleben.
Peugeot gibt es seit vor 1800 als Unternehmen, die haben die Napoleon, die Kriege gegen Deutschland, die Krisen ihrer Zeit und die Zerstörung der Werke durch deutsche Truppen überlebt, auch sie werden weiter existieren.
BMW wurde aus dem Nichts geboren, und wirft in einem schlimmen Jahr nochmals Gewinn ab, wenn die ein Jahr mal nichts verdienen, oder auch mal drei Jahre geht davon in München das Licht auch nicht aus.
Als Mitarbeiter der Automobilindustrie, der sich ständig mit zig tausend Enlassungen konfrontiert sieht, kann ich der SZ nur mal eine neutrale und weniger sensationlistische Berichterstattung wünschen. Ich lese SZ seit meinem 8 lebensjahr, und bisher war diese Zeitung nicht auf BildNiveau, aber ihre Krisenticker, Eilmeldungen, ständige Schwarzmalerei und tendenziösie Krisenberichterstattung geht mir auf den Nerv, ebenso gefährden Sie und andere Medien die nur auf die schlechteste aller Nachrichten aus sind zig tausende Arbeitsplätze. Schon wird auf der Verschrottungsprämie herumgehackt, und wie immer findet sich ein "Experte" der alles kritisiert und in Frage stellt.
Sollen sie tun, aber bitte ohne ständige Untergangsmeldungen, die tun allen Beteiligten nicht besser. Vergessen Sie bitte nicht, dass die Verursacher dieser Krise weder in der europäischen AUtomobilindustrie sitzen, noch bei BASF, SIEMENS und anderen. Dafür sind schlichtweg unfähige Politiker, geldgiereige Banker, und völlig unsinnige Buchhaltungsregelungen zur Verantwortung heranzuziehen. Diese entlehren nun auf dem Rücken von Bürgern und Konsumenten ihren Mülleimer mit Arbeitslosigkeit, HARZ IV, etc.
Solange sich Zeitungen wie die SZ oder SPIEGEL nicht für eine wirkliche Aufklärung der Ursachen bemühen, und auf Bildniveau Eilmeldungen und berichte schreibseln, wird es bestimmt nicht besser. Diese Krise ist hauptsächlich eine Frage der Psychologie und ich erwarte von Ihnen eine positive Grundeinstellung nur so bekommen wir alle gemeinsam das Schiff wieder auf Kurs
Herr Kuntz, war das alles?
In der Überschrift steht:" Doch Hersteller teurer Autos dürfen nur bedingt kooperieren - sonst gefährden sie die Identität ihrer Marken".
Und ausgeführt wird das dann mit "Denn für diese komfortablen Fahrzeuge bezahlt der Kunde deutlich mehr als die Summe des Wertes ihrer Einzelteile. Das aber bedeutet: Ein BMW muss ein BMW bleiben, ein Mercedes ein Mercedes.
So, und das war es dann an Tiefgang? Mehr ist nicht zu sagen? Das ist traurig und vielleicht sollten Sie mal mit den Kollegen von Werben& Verkaufen reden.
Zur Erinnerung der Slogan der SZ: "Seien Sie anspruchsvoll"
Sowohl Daimler als auch BMW haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie profitabel sein können. BMW hat letztes Jahr immer noch einen deutlichen Gewinn erwirtschaftet. Die viel zitierten Massenhersteller haben allesamt Verluste eingefahren.
Es gibt nur wenige Fusionen in den letzten 10 Jahren, die wirklich einen Mehrwert geschaffen haben. Die meisten Fusionen scheitern daran, dass die Energie der Mitarbeiter auf das Fusionsthema konzentriert ist und das operative Geschäft und damit der Umsatz abnimmt. Dann wird meistens mit Stellenabbau reagiert, Know How geht verloren, die Motivation der verbliebenen Mitarbeiter geht zurück, etc. ... und so geht das Unetrnehmen den Bach hinunter.
BMW und Daimler sollten in der teuren Entwicklung von künftigen Technologien kooperieren um die Kosten in den Griff zu bekommen. Damit können sie marktreife Elektroantriebe zeitnah entwickeln udn so die Zukunft beider Unternehmen und ihrer Mitarbeiter sichern.