Kontroverses Sparprogramm bei Airbus Tiefensee will nachverhandeln

Nach der Veröffentlichung der Sanierungspläne bei Airbus treibt Wolfgang Tiefensee die Sorge um den Abfluss von deutschem Know-How um. Der Verkehrsminister äußert Kritik, obwohl Kanzlerin Merkel die Pläne begrüßt.

Beim Airbus-Sparprogramm ist nach Ansicht von Wolfgang Tiefensee noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Kontroverses Sparprogramm bei Airbus

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee will Spielräume ausnutzen.

(Foto: Foto: dpa)

In der Passauer Neuen Presse kündigte der Bundesverkehrsminister Nachverhandlungen der Bundesregierung mit der Spitze des Airbus- Mutterkonzerns EADS an.

"Die Politik wird Einfluss nehmen", sagte der SPD-Politiker. "Jetzt müssen wir alle Spielräume ausnutzen, um noch mehr Jobs zu erhalten." Das technologische Know-how bei Airbus dürfe nicht mit den Arbeitsplätzen verloren gehen. "Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht den Ast absägen, auf dem wir sitzen."

Gerade Facharbeiter und Ingenieure, die vom Stellenabbau betroffen seien, hätten erst für die derzeit vollen Auftragsbücher gesorgt.

Kritik bislang nur aus der Landespolitik

Tiefensee ist der erste Bundesminister, der die geplante Airbus-Sanierung kritisiert. Bislang hatten nur Landespolitiker wie der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) oder dessen baden-württembergischer Amtskollege Günther Oettinger (CDU) mit einer solchen Meinung vorgewagt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatten das Sanierungskonzept hingegen begrüßt.

Allerdings zeigte sich Airbus selbst zu Verhandlungen bereit. Es wäre falsch, wenn kein Verhandlungsspielraum mehr bestünde, sagte der Deutschland-Chef des Unternehmens, Gerhard Puttfarcken, am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Airbus stünde am Anfang eines Prozesses, der auch einen Dialog mit Gestaltung zulasse.

Puttfarcken wollte im Laufe des Tages an den Betriebsversammlungen in den Airbus-Werken Laupheim, Varel und Nordenham teilnehmen. In den Standorten ruht aus Protest gegen die Sparpläne die Arbeit.

Arbeitsniederlegungen und Proteste

In den Werken mit zusammen 4700 Mitarbeitern hatte es Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen gegeben. Die Beschäftigten lehnen die Pläne ab und wollen im Airbus-Konzern bleiben.

Insgesamt sollen im Zuge des Sanierungsprogramms "Power8" 10.000 Arbeitsplätze abgebaut werden, davon 3700 in Deutschland. Die Werksverkäufe sind dabei nicht mitgezählt.

Die Gewerkschaften wollen die Werksauslagerungen nicht hinnehmen und kündigten weitere Proteste an. "Die Werke haben in den vergangenen Jahren hochprofitabel gearbeitet, da liegt überhaupt nicht das Problem", sagte die IG-Metall-Bezirksleiterin Küste, Jutta Blankau.

Der Produktionsverbund der europäischen Airbus-Werke habe funktioniert; es gebe keinen Grund, ihn zu zerschlagen. Zudem bezweifelte die Gewerkschafterin, dass es bereits ernsthafte Interessenten für die Airbus-Werke gebe. Die mittelständisch strukturierte Zulieferindustrie in Deutschland könne eine solche Übernahme kaum stemmen.

Verkauf von Varel frühestens im Jahr 2008

Der Co-Vorstandschef der Airbus-Mutter EADS, Thomas Enders, deutete bei einem Treffen mit der SPD-Bundestagsfraktion an, dass der Verkauf des Werks Varel frühestens im kommenden Jahr kommen könnte. Das sagte die Stader SPD-Bundestagabgeordnete Margit Wetzel.

Bei der Investoren-Suche sollten vor allem deutsche Interessenten berücksichtigt werden. Die beiden niedersächsischen Airbus-Standorte Stade und Buxtehude blieben von den Sanierungsmaßnahmen weitgehend verschont, hieß es.