Konsumklimaindex der GfK Trügerische Zahlen

Die Deutschen konsumieren wieder mehr: Überraschend ist der GfK-Index im September gestiegen. Doch die positiven Zahlen sind nur eine Seite der Medaille.

Die abgeschwächte Inflation zeigt Wirkung. In Deutschland wird wieder mehr konsumiert, der Indikator des Forschungsunternehmens GfK prognostiziert für Oktober bereits einen Anstieg des Konsumklimas von 1,6 Punkten im Vormonat auf 1,8 Zähler. Damit fallen die Zahlen aus Nürnberg überraschend positiv aus. Volkswirte hatten eigentlich damit gerechnet, dass der Wert stagniert.

Alles wieder gut in Deutschland? Nicht ganz. Denn in den Zahlen sind die Auswirkungen der jüngsten Eskalation der Finanzkrise noch nicht enthalten. Denn die Verbraucherinterviews hatten vor dem 15. September, dem "schwarzen Montag" der US-Bankenwelt, stattgefunden.

Die Rezessionsgefahr sei seitdem deutlich gestiegen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass dies Auswirkungen auf das Konsumklima haben werde, teilte die GfK mit. Die Finanzkrise könnte die Stimmung der deutschen Verbraucher im weiteren Jahresverlauf merklich belasten, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Wenn die Finanzmärkte nicht zur Ruhe kommen, ist eine deutliche Stimmungseintrübung auf Verbraucherebene nicht auszuschließen."

Sinkende Energiekosten

Für dieses Jahr erwartet die Gesellschaft insgesamt eine Stagnation des privaten Konsums in Deutschland. Die GfK habe ihre Prognose für das Gesamtjahr von zuletzt 0,5 Prozent auf null Prozent revidiert, teilte das Unternehmen mit. Damit wurden die Zahlen innerhalb eines halben Jahres bereits dreimal angepasst - nach unten. So hatte die GfK die Prognose erst im Juli von 1,0 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt. Zuvor war die Zahl im März von 1,5 Prozent auf 1,0 Prozent reduziert worden.

In den September-Zahlen spiegelt sich dieser Pessimismus jedoch noch nicht wieder. Die Anschaffungsneigung legte sogar deutlich zu. Vor allem sinkende Energiekosten hätten dafür gesorgt, dass die Konsumenten ihre Kaufkraft als weniger gefährdet beurteilten, hieß es.

"Der Höhepunkt der Teuerung scheint überschritten", sagte Bürkl. Zudem seien die Inflationserwartungen der Verbraucher nach unten gerichtet. Ungeachtet dessen seien die Rezessionsängste bei den Verbrauchern weiter gestiegen.

Entwarnung wollen Experten jedoch noch nicht geben. "Das Konsumklima hat sich leicht erholt. Der Wert bleibt dennoch auf sehr niedrigem Niveau. Die sinkenden Benzin- und Heizölpreise dürften für Entspannung gesorgt haben. Die Belastungsfaktoren für den Verbraucher sind jedoch weiterhin da", sagte Alexander Koch von der Unicredit. Auch Jörg Lüschow von der WestLB erwartet ein schwaches Wachstum bis ins nächste Jahr hinein.

"Es würde uns daher nicht überraschen, wenn auch das Konsumklima sich eintrüben würde."