Von Ansgar Siemens

Die Schockwellen an den Finanzmärkten erfassen die Wirtschaft: Die Konsumenten sind nicht mehr in Stimmung. Wie groß ist die Gefahr für die Konjunktur?

Es ist ein Ritual: Am Ende eines jeden Monats stellen die Forscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ihren Konsumklimaindex vor.

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Kundin vor dem Schaufenster eines Kleidungsladens. (© Foto: AP)

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Das Barometer misst die Stimmung der deutschen Verbraucher - die zeigten sich in den vergangenen Monaten stets in blendender Verfassung. Lag der maßgebliche Wert des GfK-Index im Schnitt der vergangenen fünf Jahre bei fünf, kletterte er bis Ende Juli auf stolze 8,5.

Als die GfK am Mittwoch die neuen Zahlen präsentierte, dürfte bei den Beobachtern jedoch Ernüchterung eingekehrt sein. Die Laune der Konsumenten hat deutlich gelitten - der Indexwert sank binnen eines Monats auf 7,6. Ein "größerer Rückgang", bekannte Rolf Bürkl, verantwortlich für die Studie.

Zwei Faktoren schlug den Deutschen aufs Gemüt: Die satten Preissteigerungen bei Lebensmitteln - bei Brot, Butter, Käse. Und die Krise an den Finanzmärkten. Schlechte Laune - ein deutsches Phänomen? Mitnichten.

Kurz vor der GfK hatte bereits das Conference Board, eine renommierte US-Denkfabrik, von einem gesunkenen Verbrauchervertrauen in den Vereinigten Staaten berichtet. Der maßgebliche Index sank von 111,9 Punkten im Juli auf 105 Punkte.

Dreht sich der Wind an der Konjunkturfront? Ist der Boom bald vorbei, weil die Konsumenten nicht mehr mitspielen? In den USA macht der private Konsum etwa 60 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt aus, von der Leistungskraft der Volkswirtschaft. Probleme könnten auftauchen, weil viele Amerikaner in den vergangenen Jahren ihre Häuser beliehen haben. Weil jetzt die Preise nachlassen, könnten auch die Ausgaben für Autos, Waschmaschinen und Fernseher sinken.

Viel Psychologie

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank, mahnt zur Gelassenheit. "Was wir jetzt sehen, ist Psychologie." Die Menschen seien verunsichert wegen der Turbulenzen an den Börsen. Dass der Konsum in den nächsten Monaten leide, sei nicht gesagt.

Kater rechnet damit, dass die Turbulenzen an den Finanzmärkten in zwei bis drei Monaten ausgestanden sind - die Probleme seien nicht so groß, wie oftmals behauptet. Eine Krise sieht der Banker nur im US-Markt für schlecht gesicherte Immobilienkredite (Subprime-Segment).

Von den kommenden Quartalszahlen der großen Banken - Goldman Sachs, Deutsche Bank, Citigroup - erwartet Kater konkrete Belege dafür, dass die Risiken auf den Subprime-Bereich begrenzt seien.

Ähnlich wie Kater verfällt auch GfK-Experte Bürkl nicht in Pessimismus: "Von einer Trendwende beim privaten Konsum kann keine Rede sein." Anlass zur Sorge bestehe erst, wenn der Indikator wiederholt Federn lasse.

Ken Goldstein, Volkswirt beim US-Conference Board, verabreichte den Amerikanern Beruhigungspillen. "Es gibt nirgendwo Anzeichen für eine Rezession", sagte der dem Wall Street Journal. "Der Indexwert steht deutlich über 100 - für einen Abschwung müsste er 30 bis 40 Punkte niedriger liegen."

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(sueddeutsche.de)