Die ehemalige DDR-Handelskette hat erstaunlichen Erfolg mit der Vermarktung von regionalen Produkten und Bio-Lebensmitteln. Jetzt kommt sie nach Westen.
Im Frühjahr 2000 erhielt Roger Ulke ein ungewöhnliches Angebot. Der gelernte Holztechniker stand damals in Diensten eines niederländischen Beratungsunternehmens und hatte den Auftrag, für die Supermarkte-Kette Konsum Dresden ein Ladenkonzept zu entwickeln.
(© Foto: ddp)
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"Die Ideen gefielen dem Management so gut, dass sie mir gleich die Verantwortung für das gesamte Marketing übertragen wollten", erinnert sich Ulke. Der damals 36-Jährige willigte ein und war damit Vorstand eines der bekanntesten Unternehmen der ehemaligen DDR. Als Konsumverein "Vorwärts" war das Unternehmen im Sommer 1888 gegründet worden.
Kleiner Überschuss
Aber außer Tradition hatte die genossenschaftlich organisierte Gruppe bis vor wenigen Jahren wenig zu bieten. Im Wettstreit mit den modernen Märkten der westdeutschen Konkurrenten verloren die Konsum-Filialen in Dresden und Umgebung immer mehr Kunden. Und nicht nur dort. Von den knapp 200 Konsumgenossenschaften, die zu DDR-Zeiten zusammen mehr als 30.000 Läden und Warenhäuser betrieben, sind nur noch 19 übriggeblieben. Konsum Dresden ist mit 42 Läden der Größte.
Ulke, seit 2004 Vorstandschef des Unternehmens, ließ die Läden umbauen und änderte das Konzept: Statt wie zu DDR-Zeiten möglichst viel unter einem Dach anzubieten, setzte er auf Frische. Fortan standen vornehmlich Produkte aus der Region, Bio-Lebensmittel, aber auch internationale Spezialitäten in den Regalen.
Zu dieser Zeit glaubten viele Mitbewerber noch, die Verbraucher seien vornehmlich an niedrigen Preisen interessiert. Konsum Dresden bewies, dass es auch anders geht. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die 42 Läden einen Umsatz von 105 Millionen Euro; zum dritten Mal hintereinander verblieb ein - wenn auch bescheidener - Überschuss.
Jetzt will die Gruppe auch im Westen Fuß fassen. Am Dienstag eröffnete Konsum im bayerischen Erlangen den ersten Markt in den alten Bundesländern. Weitere Schritte sind geplant. "Wir wollen nicht bundesweit aktiv werden. Aber drei, vier neue Märkte zunächst in Nordbayern - das wollen wir schaffen", kündigte der Vorstandschef an.
Premium-Supermarkt
Sollten Mitbewerber Standorte abgeben, will er auch Übernahmen nicht ausschließen. Das wäre nicht das erste Mal. Vor sieben Jahren kaufte Konsum der Firmengruppe Tengelmann deren 14 Kaiser's-Filialen in Dresden ab.
Dekoration und Sortiment der Konsum-Läden erinnern an riesige Feinkostläden. Dazu passt die neue Kleidung des Marktpersonals: Die Mitarbeiter tragen weiße Hemden oder Blusen, beigefarbene Schürzen und rote Tücher oder Krawatten. Ulke weiß um das Überangebot an Läden im Lebensmittelhandel. Allein in Dresden gibt es pro 1000 Einwohner 410 Quadratmeter Ladenfläche. "Gesund sind aus Händlersicht 150 Quadratmeter."
Dennoch ist der Konsum-Chef überzeugt, dass sich in der Nische, die sein Unternehmen besetzt, leben lässt. "Premium-Supermärkte mit Produkten aus der Region haben Potential." Deshalb hält der ehemalige Ladenbauer an seinem Konzept fest. Über den Preis will er nicht konkurrieren.
"Discount ist nicht unsere Sache." Gegen die Marktmacht von Aldi & Co. könnte er auch kaum bestehen. Seine Mitbewerber sind Supermarktbetreiber wie Rewe, Edeka oder Tengelmann, die ebenfalls zunehmend auf frische Artikel, Bio-Erzeugnisse und Spezialitäten setzen.
(SZ vom 20.9.2007)
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Ich wohne in Leipzig und auch hier ist der Konsum (im übrigen kein altes DDR Unternehmen, sondern älter als 100 Jahre!!) sehr erfolgreich. Die Preise sind etwas höher als bei den Discountern, aber die Mitarbeiter werden nach Tarif bezahlt, die Azubiquote liegt bei 10 Prozent und es werden auch kleinere Nachbarschaftsläden in den Quartieren betrieben, die vor allem für ältere Menschen wichtig sind. Und das Ambiente stimmt auch! Noch ein Tipp. Da es sich um eine Genossenschaft handelt, kann man Anteile erwerben, diese werden jährlich verzinst, im letzten Jahr immerhin mit 4,5 Prozent. Also, wenn das soziale Gewissen siegt, dann ab zum Konsum!
da macht ein kleiner genossenschaftlich organisierter Markt einen Laden in Erlangen auf und alle kriegen den Mund nicht mehr zu. Was ist das UNnormale daran? Das Neudeutsche den Besserdeutschen jetzt Bananen verkaufen dürfen?
Die Mauer fiel vor 18 (!) Jahren.
Auch auf dem Lebensmittelmarkt gibt es eine Tendenz zur Verdrängung kleinerer Wettbewerber durch große Konzerne. Dies geht auf lange Sicht zu Lasten des Wettbewerbs und der Demokratie.
Ich bin deshalb sehr dafür, kleinere Unternehmen wie Konsum bei der Händlerwahl zu bevorzugen. Dasselbe gilt auch auf anderen Gebieten (Linux statt Microsoft...).
Und wenn das dann noch Ossis sind, um so besser!