Mit Billig-Angeboten drängt die französische SNCF auf die lukrativen deutschen Fernverkehr-Strecken. Die Bahn ist entsetzt.
Im Fernverkehr gab es bislang zur Bahn so gut wie keine Alternative. Während auf den Regionalstrecken kleinere Anbieter dem Platzhirsch Konkurrenz machen, waren die margenstarken Fernverbindungen bislang fast ausschließlich Sache der Deutschen Bahn.
Die französische SNCF möchte der Deutschen Bahn im Fernverkehr Konkurrenz machen. (© Foto: dpa)
Anzeige
Das könnte sich jedoch bald ändern. Zwei Konkurrenten drängen mit Kampfpreisen auf das deutsche Schienennetz - mit einem Ziel: dem Marktführer Anteile abzujagen. Bereits am 15. August 2010 geht Locomore Rail an den Start. Das im Jahr 2007 gegründete Unternehmen Locomore Rail hat eigenen Angaben zufolge bereits den Zuschlag für die Nutzung des Schienennetzes erhalten. Drei Mal täglich werde das Unternehmen die Verbindung zwischen Köln und Hamburg bedienen, sagte Geschäftsführer Derek Ladewig zu sueddeutsche.de. Dabei wolle Locomore "spürbar preiswerter als die Bahn" sein.
"Das wird eine blutige Schlacht"
Ein anderer Konkurrent bereitet den Verantwortlichen im Berliner Bahn-Tower jedoch weitaus mehr Kopfschmerzen. Denn ausgerechnet die französische Staatsbahn SNCF will der Deutschen Bahn im Fernverkehr Konkurrenz machen. Auf zwei deutschen Strecken möchten die Franzosen mit ihrer Tochter Keolis ins Geschäft kommen.
"Der Vorstandschef der französischen Staatsbahn, Guillaume Pepy, hat uns darüber informiert, dass es einen entsprechenden Antrag gibt", sagte ein Bahn-Sprecher zu sueddeutsche.de. Die SNCF bestätigte lediglich, dass sie einen Antrag zur Streckennutzung in Deutschland für die Jahre 2011 bis 2015 gestellt habe.
Angespanntes Verhältnis
Die gebrauchten Züge sollen zwischen Frankfurt-Main und Hamburg sowie zwischen Frankfurt und Berlin verkehren, heißt es in dem Bericht - und dort den Intercity-Verbindungen der Bahn preislich Konkurrenz machen. Die Bahn-Oberen reagierten angesäuert: "Im Krieg gibt es keine Gewinner", sagte der Bahn-Vorstand für Personenverkehr, Ulrich Homburg, der Financial Times Deutschland (FTD). "Das wird eine blutige Schlacht, die in den Bilanzen tiefe Spuren hinterlässt." Homburg erwartet demnach auch, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy interveniert. Ein Konzernsprecher relativierte die Aussagen. Man dringe lediglich auf "einheitliche Regeln in Europa". Auch Frankreich müsse seine Netze für ausländische Konkurrenten öffnen.
Die jüngste Eskalationsstufe im Konkurrenzkampf zwischen SNCF und Deutscher Bahn zeigt deutlich, wie angespannt das Verhältnis ist. Einerseits kooperieren die Franzosen mit den Deutschen: Auf der Strecke zwischen Paris und Stuttgart fahren TGV-Züge, zwischen Paris und Frankfurt sind ICE-Züge unterwegs. Bei Thalys, dem Betreiber der Verbindung zwischen Paris und Köln sind beide Konzerne sogar Gesellschafter.
Ansonsten jedoch beharken sich die beiden größten Bahngesellschaften Europas wie ein altes Ehepaar. Seit Jahren klagt die Bahn darüber, in Frankreich diskriminiert zu werden - und in der Tat: Der innerfranzösische Markt wird nur zögerlich für Konkurrenz aus dem Ausland geöffnet, jedenfalls was den Personenverkehr betrifft.
Wird Bahnfahren zum Luxus? Sagen Sie uns hier Ihre Meinung!
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Unternehmen RSS
- Frankreich Von der Ehre, im TGV zu reisen 21.05.2003
- Rüdiger Grube im Gespräch "Die Bahn ist kein Sanierungsfall" 17.10.2009
- Kritik an schwarz-gelben Bahn-Plänen "Dokument des Stillstands" 23.10.2009
- User berichten Wie erleben Sie die Bahn? 15.01.2009
- Sparen mit der Bahn Günstiger reisen von A nach B 07.10.2009
- Interview: Beiersdorf-Chef Quaas "Die Haut ist doch überall gleich" 17.05.2010
- Luxuskonzerne Italienischer Chic für China 15.05.2010
Mubarak-Prozess in Ägypten
Konkurrenz ist Gut,aber fauler Verdraengungswettbewerb ist fuer alle Schaedlich. Richtig ist die Regeln muessen fuer alle in etwa gleich sein, es ist erstaunlich das die Franzoesische Bahn sich hefig gegen den Passagiertransport der DB wehrt. Auch bei den Bahnsystemanbietern und den Bahngesellschaften wird es neueVereinigungen geben. Auch ist es ein Fiasko das die Bahnbediensteten in Frankreich fuer jeden kleinen Konflickt sofort streiken,so wird das aber nichts mit den Bahntransport werden,auch hier ist Berechenbarkeit die Voraussetzung fuer den erfolg.
Die Leute die jetzt am lautesten nach Wettbewerb schreien, weil sie den einen oder anderen Euro sparen könnten, sind die ersten die nach einer Intervention rufen wenn Konkurrenz ins Land kommt die den eigenen Arbeitsplatz bedroht.
Nichts gegen die SNCF. Aber ich möchte ganz allgemein darauf hinweisen, dass die Öffnung der Märkte in der EU ab demnächst Gesetz sein wird (nach Ratifizierung in Prag). Das wird jedem Land auf seinen Lieblingsplätzen, die es bis hierhin noch protegierte, ganz tollen Ärger bringen und die landeseigenen Arbeitsplätze tangieren. Das natürlich meistens mit und bei den direkten Nachbarn. Ob das die Völkerfreundschaft in Europa vorwärts bringt bezweifle ich stark. Es wird eher die jeweiligen landestypischen rechtslastigen Tendenzen verstärken.
"Der innerfranzösische Markt wird nur zögerlich für Konkurrenz aus dem Ausland geöffnet, jedenfalls was den Personenverkehr betrifft."
Natürlich muss Frankreich seinen heimischen Markt öffnen, aber man sprisch nicht von Krieg, wo und in welscher Zeit leben wir eingentlich !
Wir sind sind gute Europäer , aber was geht uns der europäiche Nachbar an, der soll unsere Industrieprodukte kaufen ansonsten soll er sich von uns fernhalten, so funktioniert das aber nicht. Ich würde sagen wenn das so ist , sind die Deutschen doch nicht besser als die Franzosen wenn es um Protektionnîsmus geht.
Gut so, dann können wir endlich sicher(erer) mit einer Bahn und Preisgünstiger durch Ländle fahren!
Herzlich Willkommen SNCF!
Paging