Von Laura Gitschier

Auf der einen Seite wird gebaut und profitiert. Auf der anderen geschimpft und eingestellt. Doch was nützt das Konjunkturpaket dem Bau wirklich?

Ein erstes Opfer gab es im Spätsommer in Berlin im vergangenen Jahr. Das Luxuswohnungsbauprojekt "Fehrbelliner Höfe" - Preis rund 250 Millionen Euro - wurde vom Investor Orco Germany gestoppt. Der Grund: die US-Immobilienkrise. Und das war nur der Anfang. In den vergangenen Monaten verzögerten sich in der Hauptstadt wegen der Krise unzählige Projekte - unter anderem das "Pergamon-Palais", eine teure Bürogebäudeanlage und der "Monroe-Park", ein exklusives Wohnviertel, bei der ausgerechnet die Pleite-Bank Lehman Brothers beteiligt war.

Bau, Krise, SZ-Graphik: ddp, dpa

Noch liegen dunkle Wolken über dem Bau - die Branche hofft, dass bald wieder bessere Zeiten anbrechen werden. (© Collage: sueddeutsche.de/ddp, dpa)

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Berlin ist kein Einzelfall. Auch in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart gefährdet die Finanzkrise Bauprojekte en masse. So wurde vor kurzem der sogenannte Kulturmeilentunnel, der um die 80 Millionen kosten sollte, vom Stuttgarter Stadtparlament gekippt. Grund: die Krise. Gestoppt wurden außerdem die Sanierung eines Leichtathletik-Stadions und der Neubau eines Bürgerzentrums für 13 Millionen Euro.

Damm gegen die Krise

Um den Folgen der Finanzkrise entgegenzuwirken, wurde mit den beiden Konjunkturprogrammen ein Damm gebaut: Zwei von der Bundesregierung geschnürte Konjunkturpakete sollen möglichst viele Jobs retten und der kränkelnden Wirtschaft auf die Beine helfen. An manchen Stellen scheint das zu funktionieren, paradoxerweise hilft ausgerechnet die Finanzkrise einigen Projekten ins Leben. Allein die NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf profitiert von 50,5 Millionen Euro aus dem Topf des Konjunkturpaketes II, mit dem Geld saniert sie Schulen sowie Kitas und investiert in Infrastruktur - Pläne, die durch das Konjunkturpaket deutlich beschleunigt wurden.

Wie man schnell und hilfreich vom Konjunkturpaket II profitieren kann, zeigt auch Hamburg. Die Hansestadt zählt zu den großen Abnehmern des Konjunkturpaktes. Die Sanierung eines Hafenbahn-Abschnitts für 980.000 Euro war eines der ersten umgesetzten Projekte aus dem Konjunkturpaket in ganz Deutschland überhaupt, so ein Sprecher der Hamburger Wirtschaftsbehörde.

Das Konjunkturpaket II soll vor allem das Handwerk und die Bauwirtschaft stützen. Dass die Branche das dringend nötig hat, belegen die Zahlen. Der Umsatz des Baugewerbes ging im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 8,3 Prozent zurück. Das hat der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) ermittelt. Vor allem im Bereich des Wohnungsbaus gab es einen massiven Einbruch: Die Umsätze brachen um knapp 16 Prozent ein. Auch der Wirtschaftsbau hat Federn lassen müssen - er verlor neun Prozent.

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