Konjunkturdaten und Stimmungsumfrage Deutschlands Chefs haben gute Laune

Unternehmer trotz Krise guter Dinge: Das wichtige Wirtschaftsbarometer des Ifo-Instituts steigt deutlich an - dabei hatten Bankexperten vor einem Einbruch gewarnt. Wachstumszahlen zeigen, dass es der deutschen Wirtschaft im Vergleich zum Rest des Kontinents in der Krise gutgeht.

Was den Optimismus deutscher Unternehmer angeht, waren die Experten zu pessimistisch. Die Stimmung unter deutschen Managern hat sich unerwartet verbessert. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts stieg von genau 100 Punkten im Oktober auf 101,4 Zähler im November, teilte der Münchner Think Tank mit. Der Anstieg kam unerwartet: Experten hatten mit einer weiteren Abschwächung gerechnet, weil Euro-Krise und schwache Weltkonjunktur die Wirtschaft lähmten.

Der Ifo-Index steht nun auf dem höchsten Stand seit August. Er gilt als einer der wichtigsten Frühindikatoren für die deutsche Konjunktur. Für die Erhebung befragt das Institut monatlich etwa 7000 Firmen. Bankexperten, unter anderem von HSBC Trinkaus und der Postbank, hatten den siebten Rückgang in Folge vorhergesagt. Vor allem bei der aktuellen Geschäftslage hatten sie eine kräftige Eintrübung gesehen. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erklärte, "die deutsche Konjunktur stemmt sich gegen die Eurokrise".

Schuldenkrise bremst deutsche Konjunktur

Am Freitagmorgen veröffentlichte das Statistische Bundesamt auch neue Zahlen zur Lage in der Realwirtschaft, die nicht ganz zum Optimismus der Unternehmer passen: Die Euro-Schuldenkrise bremst die deutsche Konjunktur weiter. Das hat allerdings weit weniger schlimme Ausmaße als in anderen Ländern. Von der Rezession in Südeuropa ist wenig zu spüren.

Die Wirtschaftsleistung stieg im dritten Quartal des laufenden Jahres preis-, saison- und kalenderbereinigt nur noch um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das Bundesamt bestätigte damit die Zahlen des europäischen Statistikamtes Eurostat von vergangener Woche. Zu Jahresbeginn war die deutsche Wirtschaft noch um 0,5 Prozent gewachsen, im zweiten Vierteljahr immerhin noch um 0,3 Prozent. Für das Schlussquartal 2012 erwarten Experten bestenfalls Stagnation.

Dennoch steht Deutschland besser da als der Euro-Raum insgesamt: Das Bruttoinlandsprodukt der 17 Mitgliedsstaaten sanken zwischen Juli und September um 0,1 Prozent. "Die deutsche Wirtschaft trotzt der europäischen Rezession, wenn auch mit nachlassendem Wachstumstempo", schrieben die Statistiker des Bundesamtes.

Zum Wachstum trugen vor allem der Export und der starke Konsum im Inland bei. Insbesondere die Investititonen im Bau (plus 1,5 Prozent) sowie privater (plus 0,3 Prozent) und staatlicher (plus 0,4 Prozent) Konsum legten zu. Die Unternehmen exportierten 1,4 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen als im Vorquartal. Die Importe legten um einen Prozent zu. Die Unternehmen hielten sich dagegen weiter mit Investitionen in Ausrüstung wie Maschinen und Fahrzeuge zurück (minus 2,0 Prozent).