Ernüchternde Zahlen: Das Bruttoinlandsprodukt ist in Deutschland im ersten Quartal zwar um 0,4 Prozent gestiegen, doch Optimisten hatten sich zuletzt mehr erhofft.

Die deutsche Wirtschaft ist weniger gewachsen als erwartet: Um 0,4 Prozent stieg das Bruttoinlandsprodukt (BPI) im ersten Quartal, teilte das Statistische Bundesamt mit. Volkswirte hatten angesichts der guten Stimmung in den Unternehmen mit mehr gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahr fiel das Wachstum allerdings so stark aus wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Der Industriestandort Deutschland wächst nur langsam. (© Foto: ddp)

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"Neben dem Außenhandel trugen vor allem die privaten Konsumausgaben und die Ausrüstungsinvestitionen zur wirtschaftlichen Belebung zu Beginn des Jahres 2006 bei", so die Statistiker. Im vierten Quartal 2005 hatte das Bruttoinlandsprodukt noch stagniert.

"Das ist schon ein guter Start ins Jahr, der allerdings hinter den Erwartungen zurückbleibt", sagte Sebastian Wanke von der DekaBank. Überraschend sei, dass die Bürger offenbar wieder mehr Geld ausgegeben haben. Der kalte Winter habe aber den Bau und damit wohl das Wachstum gebremst.

Außenhandel bremst Wachstum im März

Die führenden Forschungsinstitute rechnen für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von 1,8 Prozent, die Bundesregierung erwartet 1,6 Prozent. Das wäre deutlich mehr als im Vorjahr mit einem Wachstum von - nach neuesten Zahlen - 1,0 Prozent.

"Deutschland befindet sich auf einem ordentlichen Wachstumskurs", sagte Volkswirtin Elga Bartsch von Morgan Stanley. Die niedrige Industrieproduktion und der geringe Beitrag des Außenhandels im März hatten das Wachstum aber zuletzt gebremst. Experten hatten einen Anstieg des BPI um 0,6 Prozent prognostiziert.

Privater Konsum nimmt zu

Im ersten Quartal haben laut Statistik die starken Exporte weiter die Wirtschaft angeschoben. Die Unternehmen investierten mehr als zuvor, und erstmals belebte sich überraschend auch der private Konsum. Die neugewonnene Stärke der Konjunktur belegt der Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber dem ersten Quartal 2005 erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt um 2,9 Prozent und damit so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Allerdings verzerrten drei zusätzliche Arbeitstage - unter anderem wegen des späten Termins der Osterfeiertage - das Ergebnis. Bereinigt um diesen ungewöhnlich hohen Kalendereffekt wuchs die Wirtschaft um 1,4 Prozent, meldeten die Statistiker.

Unternehmen investieren

Im Vorjahresvergleich habe vor allem die gestiegene Inlandsnachfrage für die Belebung der Wirtschaft gesorgt. Die privaten Konsumausgaben und die Investitionen der Unternehmen seien deutlich gewachsen. Der Außenhandel habe dagegen nicht als Motor gewirkt, weil der Wert der Importe auf Grund steigender Ölpreise und der Aufstockung der Lager wuchs.

Das Amt revidierte in seinen neuen Berechnungen die Zahl für das Wachstum 2005 von 0,9 auf 1,0 Prozent. Die Wirtschaftsleistung wurde im ersten Quartal von 38,3 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 0,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die ausführlichen Daten gibt das Statistische Bundesamt am 23. Mai bekannt.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat den Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,4 Prozent als "guten Einstieg ins Jahr 2006" gewertet. "Die gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft wird zunehmend durch positive Daten untermauert. Die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung wird die Belebung am Arbeitsmarkt zusätzlich unterstützen", sagte er in Berlin.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP)