Die EU kündigt vollmundig das Ende der Krise an - doch weit gefehlt. Einige Staaten stehen noch am Abgrund. Deutschlands Stärke täuscht nur darüber hinweg.
Deutschland steckt in der Zwickmühle. Zunächst ist es erfreulich, dass die europäischen Partner ihre Meinung über die deutsche Wirtschaft erstaunlich schnell geändert haben.
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Warenumschlag am Hamburger Hafen: Deutschland ist das Zugpferd in der EU. (© dpa)
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Noch vor wenigen Wochen waren sie sich mit der Behauptung der französischen Ministerin Christine Lagarde weitgehend einig, die egoistischen Deutschen würden zu viel exportieren und zu wenig konsumieren. Das gehe zu Lasten ihrer Nachbarn. Plötzlich ist davon keine Rede mehr. Jetzt freuen sich alle über die robust wachsende deutsche Wirtschaft, dank derer die Europäische Kommission ein paar Zehntel Prozentpunkte auf ihre Wachstumsprognose aufschlagen und verkünden kann, dass die Talsohle der Krise in der Europäischen Union durchschritten ist.
Genau diese Ankündigung ist fahrlässig und aus deutscher Sicht ein großes Problem. Denn die Einschätzung der europäischen Schuldenkrise hängt eindeutig vom Standpunkt des Betrachters ab.
Ganz klar, die Europäische Kommission beurteilt die Lage beinahe als rosig, nachdem sie nun ihre schlimmsten Erwartungen positiv berichtigen darf, die sie im Frühjahr, als die Euro-Krise gerade so richtig akut war, in Form einer Prognose vorgelegt hatte. Die Volkswirtschaften in den Ländern der Währungsunion werden fast doppelt so viel zulegen wie gedacht. Gleiches gilt für die 27 Länder der Europäischen Union. Was die Brüsseler Behörde freut, ist für die Deutschen allerdings höchst unerfreulich.
Schuldenberge, Arbeitslose und deutsche Sorgenfalten
Blickt man aus Berlin auf die Volkswirtschaften vieler Nachbarländer, ist die Lage dort so ernst wie im Frühjahr. Oder sogar noch dramatischer. Reformen werden weiter verschleppt, die Zahl der Arbeitslosen steigt, die Schuldenberge werden langsamer als versprochen abgetragen.
Anlass zur Sorge gibt allerdings nicht unbedingt das Eingeständnis der griechischen Regierung, die Verschuldung nicht ganz so schnell wie geplant reduzieren zu können. Die Regierung steht unter der Beobachtung europäischer und internationaler Finanzexperten und politischer Berater. Den Grund für die deutschen Sorgenfalten liefern vielmehr drei große Volkswirtschaften der Eurozone, nämlich Italien, Frankreich und Spanien.
Nun ist es nicht so, dass die drei Länder direkt vor dem Abgrund stehen. Aber noch immer sind sie auf dem Weg dahin. In Italien und Frankreich sind die Regierungen noch immer nicht willens oder nicht mehr in der Lage, die Sozialsysteme zu reformieren.
Mut ist gefragt
Dieses stete Zögern des politischen Spitzenpersonals in Rom und Paris hat sogar den sehr gern zurückhaltend auftretenden Kommissar Olli Rehn zu klaren Worten getrieben. Entweder hielten sich beide Länder bei den Lohnabschlüssen zurück und höben endlich das Pensionsalter an, oder sie rückten weiter an den Abgrund. Ähnliches gelte für die spanische Regierung, die bisher substantielle Reformen vor allem ankündigte.
Es wird also weitgehend vom Mut der Spanier, Italiener und Franzosen abhängen, ob die Europäische Kommission Ende des Jahres erneut Fortschritte bei der Bewältigung der Krise verkünden kann. Denn auch die deutsche Lokomotive, die derzeit für europäischen Schwung sorgt und von der andere europäische Länder hoffen, dass sie sie mitzieht, wird wieder langsamer werden.
Die gute Stimmung unter den Nachbarn bietet zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel eine neue Chance. Auf dem EU-Gipfel am Donnerstag dieser Woche könnte sie ihren 26 Ressortkollegen noch einmal ganz charmant erzählen, dass die Deutschen nicht nur das Glück haben, dass ihr Wirtschaftsmodell, weltweit begehrte Produkte erzeugen zu können, gerade gut in die Zeit passt. Dass sie nicht nur davon profitieren, dass der Euro so schwach ist, dass Geschäftspartner rund um den Globus erst in die Lage versetzt werden, die Güter Made in Germany bezahlen zu können. Sie könnte von den Reformen der früheren rot-grünen Regierung erzählen, aber vor allem von ihrer eigenen Arbeitsmarktpolitik in den vergangenen Monaten.
So wird sie dazu beitragen, Deutschland aus der Zwickmühle zu befreien.
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(SZ vom 14.09.2010/bbr/sop/mel)
Streit um Parteispitze bei der Linken
..europäischen Wirtschaft ist im Grunde nur möglich, wenn der der viel einnimmt auch viel ausgibt. Sprich: Wenn Deutschland viel verkauft muss es auch viel kaufen und zwar in den Ländern, die sich mit Exporten aus Deutschland eindecken, wenn dieses Defizit nicht ausgeglichen wird, wird die Schieflage schlimmer. Deutschland muss auch endlich dazu übergehen, den Binnenkonsum zu stärken, und die Löhne im niedrigen und mittleren Bereich deutlich anheben.
nahezu deutschen Presse in toto nicht oder nur Kleingedrucktes liest: sämtliche 27 EU Haushalte werden inskünftig - und zwar seit September 10 - in Brüssel vorgelegt. So kommt man dann auch auf einen guten Durchschnitt. Wieweit Haushalte dann überhaupt noch durchschaubar sind - eben nachdem man in DE daran geht, die kameralistische Buchhaltung der öffentlichen Verwaltungen zu beenden - überlasse ich Ihrem Vorstellungsvermögen, das gewiss nicht gering ist.
Da, wie Ihnen sicher nicht entgangen ist, die Osterweiterung mit Sieben-Meilen-Stiefeln auf Euroland zuschreitet, sind die Folgen gar nicht absehbar.
Schöner Nebeneffekt: der gesamte WohlfahrtsStaat-Wahn wird sich an der normativen Kraft des Faktischen weitgehend erledigen. Was zurecht geschieht, da eine sinnvolle Finanzkontrolle und Steuerkontrolle niemals in Betracht kam.
Kein Wunder sind die besten Köpfe dem juste milieu abhanden gekommen.
..lächerlich... wie war das noch 80% des Exports gehen in EU-Länder, wie soll das gehen, wenn Deutschland seine Handelsbilanz nicht ausgleicht und den Binnenkonsum ankurbelt? Perpetuum mobile?
Denn was "Sozialsysteme reformieren" aus dem "NEOCON - Neusprech" in Klartext übersetzt bedeutet, wird dem unbedarften Leser im weiteren Verlauf des Kommentares erklärt:
"Entweder hielten sich beide Länder bei den Lohnabschlüssen zurück und höben endlich das Pensionsalter an, oder sie rückten weiter an den Abgrund." ...
Mehr über den Begriff "Reform", wie ihn NEOCONS verwenden übrigens auch hier:
"..Zunächst wäre da einmal die (vermutlich unfreiwillige) Neudefinierung des politischen Begriffes der Reform. Denn zu Zeiten von Willy Brandt assoziierte die Bevölkerung mit dem Begriff positive Aspekte: Demokratisierung, größere Beteiligungs- und Partizipationschancen für finanzschwache oder ausgegrenzte gesellschaftliche Gruppen sowie eine gerechtere Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums.
Die Schröder Regierung hat die Bedeutung des Begriffs ins Gegenteil verkehrt, sodass heute die Bevölkerung es mit der Angst zu tun bekommt, sobald ein politischer Akteur von Reformen spricht.
Denn unter Schröder bedeuten Reformen: Deregulierung, Privatisierung von Lebensrisiken, Kürzung von Sozialausgaben sowie Sozialabbau, sinkende Renten sowie Riester Rente als Zeugnis für unsichere staatliche Renten, Krankenhausgeld, höhere Zuzahlung zu Medikamenten sowie Praxisgebühr, Aushebelung der Tarifverträge durch die Förderung von sog. "Mini Jobs", Zeitarbeit und "Ein Euro Jobs", steigende Armut in Deutschland usw. usf.
Kein Wunder also, dass Unternehmer, Großverdiener, Ökonomen und Politiker sofort den Reformstau ausrufen, sobald die Umverteilung von unten nach oben ins Stocken gerät. Schließlich sind sie es, die von den wirtschaftsfreundlichen Reformen am meisten profitieren.."
*Quelle*: http://zeitgeistlos.de/neusprech/orwell_politik.html
Dank an dieser Stelle an Forumsfreund "rhinelander" für den interessanten Link:
http://zeitgeistlos.de/neusprech/orwell.html