Konjunktur Rosige Zeiten

Die Initiative „Experiencing Europe“ fördert arbeitssuchende junge Erwachsene durch die Vermittlung internationaler Praktika.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Die Bundesregierung erwartet für 2018 ein stabiles Wachstum - auch dank des Exports, der im nächsten Jahr sogar um vier Prozent wachsen soll.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Die Bundesregierung hebt ihre Erwartungen für die deutsche Wirtschaft kräftig an. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung erwartet sie in ihrer Herbstprojektion für das laufende Jahr ein Wachstum um zwei Prozent - noch bei der Frühjahrsprojektion im April war sie von 1,5 Prozent ausgegangen. Die Zahlen sollen an diesem Mittwoch von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) in Berlin vorgestellt werden.

Auch für das kommende Jahr wird die Prognose den Informationen zufolge freundlicher. Ging die Bundesregierung im Frühjahr noch von 1,6 Prozent preisbereinigtem Wachstum aus, will sie die Zahl nun leicht auf 1,9 Prozent nach oben korrigieren. Auch am Arbeitsmarkt werde sich die Entwicklung niederschlagen. In diesem Jahr werde die Zahl der Erwerbstätigen um 660 000 steigen, im kommenden Jahr dann um weitere 495 000 - auf ein Rekordniveau von dann 44,8 Millionen Erwerbstätigen. Von einem solchen Rekord war die Bundesregierung zwar auch im Frühjahr schon ausgegangen. In der damaligen Prognose rechnete sie aber noch mit einem Spitzenwert von 44,4 Millionen, 400 000 Erwerbstätige weniger.

Die Zahlen der Bundesregierung decken sich in weiten Teilen mit denen der Wirtschaftsforschungsinstitute, die Ende September ihre Prognose veröffentlicht hatten. Auch sie rechneten mit 44,8 Millionen Erwerbstätigen im kommenden Jahr; die Arbeitslosenquote gehe auf 5,5 Prozent zurück. Allerdings hatten sie für das laufende Jahr mit 1,9 Prozent Wachstum gerechnet und für 2018 mit zwei Prozent - die Bundesregierung sieht es nun genau umgekehrt.

Hinter dem stabilen Wachstum steht vor allem ein starker Export. Er werde in diesem Jahr um 3,5 Prozent wachsen, im kommenden Jahr sogar um vier Prozent. Trotz dieser Zuwächse rechnet die Bundesregierung mit einem schrumpfenden Leistungsbilanzsaldo; er bildet die Differenz zwischen Exporten und Importen ab. Noch 2016 machte dieser Wert 8,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Für 2018 erwartet die Bundesregierung nun einen Anteil von nur noch 7,4 Prozent. Grund für den Rückgang sei vor allem die kräftige Binnennachfrage. Sie steigert auch die Einfuhren. Deutschland steht international wegen seiner hohen Exportüberschüsse immer wieder in der Kritik.

Jüngste Zahlen des Statistischen Bundesamtes untermauern den starken Zuwachs bei Exporten und Importen. Demnach wurden im August 2017 Waren im Wert von 103,1 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert, im Gegenzug aber Waren im Wert von 83,0 Milliarden Euro importiert. Damit lagen die deutschen Exporte im August 2017 um 7,2 Prozent über denen des Vorjahresmonats. Die Importe wuchsen um 8,5 Prozent. Auch gegenüber dem Vormonat hatten die Ausfuhren stark zugelegt, sie lagen im August um 3,1 Prozent über denen des Juli. "Nach einer schwachen Phase in den Sommermonaten sind die Ausfuhren zurück in Richtung Wachstumspfad", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, der Nachrichtenagentur Reuters. "Vor allem die gute Verfassung der Euro-Zone trägt dazu bei und sorgt für gute Stimmung bei den Exporteuren."