Die Wirtschaft ist im vierten Quartal 2008 so stark wie noch nie seit der Wiedervereinigung geschrumpft. Das Inlandsprodukt fiel um gut zwei Prozent. Die Experten sind pessimistisch.

Die weltweite Wirtschaftskrise hat in Deutschland zu einem historischen Konjunktureinbruch geführt. Das Bruttoinlandsprodukt sank von Oktober bis Dezember unerwartet deutlich um 2,1 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer Schätzung mitteilte.

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Die deutsche Wirtschaft ist im vierten Quartal des vergangenen Jahres deutlich geschrumpft. (© Foto: AP)

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"Das war der größte Rückgang gegenüber einem Vorquartal im wiedervereinigten Deutschland", hieß es. Der bisherige Negativrekord lag bei minus 1,2 Prozent im ersten Quartal 1993.

Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang von 1,8 Prozent gerechnet. Die Konjunktur brach am Jahresende auf breiter Front ein.

"Werden in eineinhalb Jahren dort sein, wo die USA heute sind"

Exporte und Investitionen gingen spürbar zurück. "Auch die Konsumausgaben waren geringfügig geringer als im dritten Quartal", hieß es. Außerdem produzierten die Unternehmen wegen des sinkenden Absatzes verstärkt auf Halde: Der Lageraufbau sei "deutlich" gestiegen.

Wie es weitergeht - darüber sind die Experten uneins. Angesichts der dramatisch geschrumpften Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2008 überwiegen die negativen Kommentare allerdings deutlich. Unterschiede gibt es allerdings bei der Schätzung, wie lange die Talfahrt anhalten wird.

Am unteren Ende der Skala bewegt sich Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts: "Die Leute, die da sagen, im Sommer geht es wieder aufwärts, das ist Blödsinn", sagte er bei einem Treffen mit Wirtschaftsjournalisten. Er rechnet mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit und erwartet eine weitere Verschärfung der Krise. "Wir werden in eineinhalb Jahren dort sein, wo die USA heute sind. (...) Die Krise kommt massiv."

Vergleichsweise optimistisch geben sich dagegen die Experten von Goldman Sachs und der Commerzbank: "Der einzige Hoffnungsschimmer ist, dass es bei den Stimmungsindikatoren zuletzt eine Stabilisierung gab", sagt Dirk Schumacher, Chefvolkswirt von Goldman Sachs. "Zwar muss man hier noch sehen, ob sich das auch in den harten Zahlen zeigt. Wir gehen aber davon aus, dass wir ab Mitte des Jahres eine Stabilisierung der Wirtschaft sehen könnten."

Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, rechnet mit einer Stabilisierung zur Jahresmitte. In einer Studie schreibt er: "Auch im ersten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt dramatisch schrumpfen, wenngleich die Unsicherheit zuletzt etwas abgenommen habe. Zur Jahresmitte dürfte die deutsche Wirtschaft zumindest aufhören zu schrumpfen."

Ähnlich äußert sich die WestLB. Die Exporte als Wachstumsmotor der vergangenen Jahre dürften vorerst nicht anspringen, heißt es in einer Studie vom Freitag. Der Schrumpfungsprozess dürfte aber um die Jahresmitte herum zum Stillstand kommen. Für die zweite Jahreshälfte sei mit einer zaghaften Erholung der Konjunktur zu rechnen.

Lagerbestände wachsen

Jürgen Michels, Chefvolkswirt der Citigroup, bewegt sich in der Mitte des Spektrums: "Grund für den Rückgang sind einerseits die Exporte, zudem ist damit zu rechnen, dass auch die inländischen Investitionen abgenommen haben. Das mag zum Teil überzeichnet sein durch die Steuerreform, die Investitionen ab Januar attraktiver macht. Allerdings wurden die Lagerbestände ausgeweitet, was nichts gutes verheißt. Im ersten und zweiten Quartal dürfte es noch einmal nach unten gehen."

Bereits im Frühjahr und Sommer 2008 war die Wirtschaftsleistung um jeweils 0,5 Prozent geschrumpft. Zu Jahresbeginn gab es dagegen ein kräftiges Plus von 1,5 Prozent.

Deshalb reichte es im Gesamtjahr 2008 noch zu einem Wachstum von 1,3 Prozent. Damit bestätigte das Amt eine erste Schätzung von Mitte Januar. Für dieses Jahr sagt die Bundesregierung die schwerste Rezession seit 1949 voraus.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach um 2,25 Prozent sinken. Einige Ökonomen halten sogar ein Minus von drei bis vier Prozent für möglich. Der Euro geriet nach Bekanntgabe der Daten unter Druck und fiel unter die Marke von 1,29 Dollar. Auch Frankreich hatte schlechte Konjunkturdaten gemeldet. Das Bruttoinlandsprodukt sank am Jahresende um 1,2 Prozent.

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(sueddeutsche.de/cmat/hgn/woja)