Die Wirtschaft schrumpft zum ersten Mal seit vier Jahren. Besonders prekär: Gleichzeitig treiben die hohen Preise für Energie und Lebensmittel die Inflation auf ein Rekordhoch.

Die deutsche Wirtschaft ist zum ersten Mal seit knapp vier Jahren geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im zweiten Quartal um 0,5 Prozent unter dem Wert der ersten drei Monate, teilte das Statistische Bundesamt mit.

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Hafen in Hamburg: Erstmals seit vier Jahren sinkt die deutsche Wirtschaft wieder. (© Foto: AP)

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Erstes Minus seit 2004

Allerdings erklärt sich der Rückgang aus einer Gegenbewegung zum ersten Quartal. In den ersten drei Monaten des Jahres waren die Wirtschaftszahlen vor allem wegen des milden Winters und Steuereffekten überraschend gut ausgefallen. Rechnet man beide Zahlen zusammen, so ergibt sich im ersten Halbjahr ein deutlicher Zuwachs von 1,2 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Halbjahr. "Insgesamt sieht es gut aus für die deutsche Wirtschaft", sagte ein Statistiker. Die Finanzmarktkrise, der starke Euro und der hohe Ölpreis bremsen jedoch zunehmend das Wachstum.

Die letzten Minuszahlen verzeichneten die Statistiker in Wiesbaden im dritten Quartal 2004, damals war die deutsche Wirtschaft um 0,2 Prozent gesunken. Gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres lag das BIP allerdings um 3,1 Prozent höher.

Wachstum am Jahresbeginn war niedriger als gedacht

Gleichzeitig wurden die Zahlen für den Jahresbeginn 2008 nach unten korrigiert. Demnach betrug das Wachstum im ersten Quartal nur 1,3 Prozent statt der zunächst bekanntgegebenen 1,5 Prozent. Damit hat die Konjunktur deutlich an Schwung verloren.

Der Rückgang fiel insgesamt geringer aus, als Experten erwartet hatten. Daher halten die meisten Volkswirte an ihren Prognosen von rund zwei Prozent für das Gesamtjahr fest. Die Bundesregierung erwartet nach wie vor für 2008 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent nach 2,5 Prozent im Vorjahr. Das BIP ist die wichtigste Messlatte für die Leistung einer Volkswirtschaft und misst den Wert aller produzierten Güter und Dienstleistungen.

Für das Minus im zweiten Quartal waren nach Angaben der Statistiker schrumpfende Konsumausgaben der privaten Haushalte, die rückläufige Baukonjunktur sowie sinkende Investitionen der Firmen in Maschinen und Anlagen verantwortlich.

Inflation auf Rekordniveau

Positive Impulse seien dagegen vom Außenhandel gekommen, was aber vor allem auf einen signifikanten Rückgang der Importe zurückzuführen sei.

Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten in Deutschland im Juli um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Damit blieb die Inflationsrate auch im Juli auf dem höchsten Stand seit knapp 15 Jahren. Stärkster Preistreiber waren demnach erneut Energie und Nahrungsmittel, die mit einer Verteuerung um 15,1 und acht Prozent weit über dem Vorjahresmonat lagen und gut zwei Drittel der gesamten Preissteigerungsrate erklären.

Energie und Nahrungsmittel teurer

Bei der Energie legten vor allem die Preise für Mineralölprodukte zu (plus 24,0. Prozent) Auch Gas (plus 8,1 Prozent) und Strom (plus 6,8 Prozent) verteuerten sich deutlich. Bei den Nahrungsmitteln waren Milchprodukte und Eier erheblich teurer als noch im Vorjahresmonat (plus 18 Prozent). Auch Schokolade verbuchte einen deutlichen Preisaufschlag mit einem Plus von 14,6 Prozent.

In der Euro-Zone hat sich der Anstieg der Lebenshaltungskosten im Juli wieder auf Rekordniveau bewegt. Die Verbraucherpreise kletterten wie im Juni um 4,0 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Europäische Statistikamt (Eurostat) mitteilte. Eine frühere Schätzung von 4,1 Prozent wurde damit leicht revidiert. Damit verharrte die Inflationsrate deutlich über der Marke von knapp unter zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) mittelfristig Preisstabilität gewährleistet sieht.

Im Monatsvergleich sanken die Preise in den 15 Euro-Ländern um 0,2 Prozent. Für einen Preisschub sorgte erneut die Energie, die sich um gut 17 Prozent binnen Jahresfrist verteuerte. Ohne Energie wären die Verbraucherpreise nur um etwa 2,6 Prozent gestiegen, wie es hieß.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP/tob/jkr)