Konferenz zur Elektromobilität Merkels Geschenk für die Autoindustrie

Elektroautos sind Ladenhüter, aber die Kanzlerin will das ändern. Helfen sollen "Super-Credits", die der Autoindustrie den Bau von E-Fahrzeugen versüßen sollen. Umweltverbände halten das für einen schmutzigen Trick.

Wenn Angela Merkel etwas zugesagt hat, sich aber nicht mehr so sicher ist, dass es auch eintritt, klingt das so: "Das ist machbar, das ist aber auch sehr sensitiv bezüglich der verschiedenen Einflussfaktoren." Es geht um jene mythische Zahl von einer Million Elektroautos, die im Jahr 2020 auf deutschen Straßen fahren sollen. Die Kanzlerin hatte das wieder und wieder bekräftigt.

Aber auf der Internationalen Konferenz zur Elektromobilität, zu der die Bundesregierung unter anderem den EU-Verkehrskommissar Siim Kallas und Chinas Wissenschaftsminister Wan Gang nach Berlin eingeladen hat, klang nicht nur in Merkels Rede an, dass selbst die Beteiligten die vollmundige Vorgabe nicht mehr so klar öffentlich vertreten wollen.

Deutlich weniger wachsweich äußerte sich Merkel in ihrer Rede, als es um eine zentrale Forderung der Autoindustrie ging: Super-Credits. Sie forderte von der EU-Kommission, diese Boni für Autohersteller einzuführen. Sie funktionieren als indirekte Subvention: Die Unternehmen können sich umweltfreundliche Autos mehrfach auf ihre CO2-Bilanz anrechnen lassen - und so den Ausstoß ihrer schmutzigeren Autos ausgleichen. Merkel sagte: "Super-Credits haben eine Super-Bedeutung." Die Regierung werde der Industrie ein "verlässlicher Partner" bleiben, die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Industrie setzen werde.

Etwas zu verlässlich, wenn es nach den Umweltverbänden geht. Sie bemängeln, dass das System der Industrie ermögliche, weiter zu viele Spritschleudern zu produzieren. "Nicht hinnehmbar" nennen Organisationen wie WWF, Greenpeace und Bund Naturschutz diesen Anreiz in einem offenen Brief an die Kanzlerin: "Diese sogenannten Supe- Credits erzeugen lediglich auf dem Papier eine sauberere Flotte, real wird der CO2-Ausstoß jedoch nicht reduziert."

Der Batteriepreis entscheidet

Ferdinand Dudenhöffer, BWL-Professor mit Schwerpunkt Automobilindustrie, glaubt auch nicht mehr an das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020: "Nach meiner Einschätzung wird es nicht klappen, die Elektromobilität in den nächsten zehn Jahren in Deutschland zum Laufen zu bringen." Die Regierungsprogramme entfalteten daher keine Wirkung, weil sie viel zu kleinteilig seien, sagte der Forscher von der Universität Duisburg-Essen.

Henning Kagermann, der für die Kanzlerin die Nationale Plattform Elektromobilität leitet, hält dagegen am Eine-Million-Ziel fest. Im ZDF-Morgenmagazin schränkte aber auch er ein: Die wichtigsten Faktoren seien "der Ölpreis, der Strompreis, und wie billig die Batterien dann sein werden". Ein um 20 Prozent niedrigerer Preis für Batterien bis 2020 "würde 250.000 mehr Autos bedeuten".

Die Industrie kommt nur langsam voran mit der Umstellung auf die umweltfreundliche E-Technik. Bisher sind Elektroautos im Angebot der deutschen Autobauer Mangelware. Bis Ende 2014 aber sollen 16 neue Modelle auf den Markt kommen. Bei Volkswagen sollen die ersten rein elektrischen Modelle dieses Jahr in Serie gehen, zum Beispiel E-Versionen des Golfs und des Kleinwagens Up. Darüber hinaus entwickelt VW E-Fahrzeuge speziell für den wichtigen Markt China. BMW kommt voraussichtlich im Herbst mit seinem ersten Elektroauto i3. Auch Daimler, Porsche und Audi wollen neue Elektro- oder Hybrid-Modelle auf den Markt bringen.