Von Von Karl-Heinz Büschemann

Die Post hat ihre ehrgeizigen Ziele in den USA verfehlt. Nun hat Uwe Dörken, bei der Post für das USA-Geschäft zuständig, offenbar die Rückendeckung in der Chefetage verloren und tritt ab. Sein Nachfolger hat nicht viel Zeit, die Verlustlöcher zu stopfen.

Spekulationen wurden immer wieder zurückgewiesen. Nein, Uwe Dörken sitze fest im Sattel. Der Posten des für die USA zuständigen Vorstandsmitglieds der Deutschen Post stehe nicht zur Debatte. Jetzt kam die Meldung, die Fachleute längst erwartet hatten: Dörken muss gehen.

Die Post hat ihre ehrgeizigen Ziele in den USA verfehlt. Jetzt muss der Amerika-Vorstand gehen. (© Foto: AP)

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Nachfolger des für die USA zuständigen Vorstandsmitglieds der Deutschen Post wird der Australier John Mullen, der bislang das Geschäft in der Boomregion Asien geleitet hat.

Dieser Rausschmiss ist keine normale Personalie, wie sie in großen Unternehmen vorkommt, wenn ein Top-Manager die Leistung nicht bringt, die von ihm erwartet wird. Die Trennung von Dörken hat eine besondere Bedeutung. Nicht nur ist der Manager ein alter Vertrauter des Konzernchefs Klaus Zumwinkel.

Beide waren mal beim Unternehmensberater McKinsey; und Dörken kam 1991 zur Post, nur ein Jahr nachdem Zumwinkel in dem Staatsunternehmen zum Vorstandsvorsitzenden ernannt worden war.

Dörken leitete das Geschäft in den USA, wo der Postchef besondere Ziele hat. Wenn er die verfehlt, liegt seine Strategie in Scherben. Für den Konzernchef wäre das eine schlimme Panne, für die Post aber käme das einem Desaster gleich.

Die Post sollte weltweit die Nummer eins werden

Im Jahr 2002 hat Zumwinkel die Mehrheit bei dem global agierenden Brief- und Paketzusteller DHL übernommen. Seitdem kannten seine Pläne kaum noch Grenzen.

Er wollte in der Welt die Nummer eins werden und eingeführte Riesen wie UPS oder Fedex, die diese internationale Branche prägen wie Mercedes und BMW die Autoindustrie, hinter sich lassen - bis 2005.

Zumwinkel hat sich verschätzt. In den USA, dem wichtigsten Markt dieser Branche, warfen die Konkurrenten dem Neuling aus Deutschland jede Menge Knüppel zwischen die Beine und behinderten ihn mit allen legalen und dubiosen Mitteln.

Auch entpuppte sich die Integration von DHL in den deutschen Konzern als schwierig. Zumwinkel hat die Komplexität dieser Übernahme offenbar unterschätzt. Am Ende stand ein dicker Amerika-Verlust in den Büchern.

In Zukunft weniger Gewinne aus dem Briefgeschäft

In diesem Jahr beträgt das Minus wahrscheinlich eine halbe Milliarde Euro. Zumwinkel, der 2005 in Amerika Gewinne sehen wollte, zog die Notbremse. Für die Post steht viel auf dem Spiel, und sie hat nicht viel Zeit.

2007 fällt das deutsche Briefmonopol. Das lukrative Kern-Geschäft des Staatskonzerns wird damit dem Wettbewerb ausgesetzt, und der solide Gewinn aus dem Brief-Geschäft wird schmelzen.

Wenn gleichzeitig im Ausland Verlustlöcher klaffen, kann die Post ins Wanken geraten - auf jeden Fall aber die Strategie der völligen Privatisierung des gelben Riesen.

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(SZ vom 8.11.2004)