Von Von Gerhard Bläske

Der Name Aventis stehe für "Dynamik, Innovation, Wissenschaft, Zukunft und Fortschritt", verkündeten der damalige Hoechst-Chef Jürgen Dormann und sein Kollege von Rhône-Poulenc, Jean-René Fourtou, Ende 1999, als sie in Straßburg die Fusion der beiden Unternehmen bekanntgaben. Von alldem war in den letzten fünf Jahren wenig zu spüren.

Der damals zweitgrößte Pharmakonzern der Welt rutschte vielmehr auf Platz sechs und wird nun wahrscheinlich von der Nummer 13 übernommen. Aventis dürfte nicht mehr lange leben.

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Vieles spricht dafür, dass das bisher feindliche Übernahmeangebot von Sanofi-Synthélabo Erfolg haben wird. Aventis hat die eingangs erwähnten Tugenden weitgehend vermissen und sich das Heft aus der Hand nehmen lassen.

Zwar sind die Unternehmensergebnisse ganz gut und die Verschuldung schrumpfte deutlich: Doch der Patentschutz mehrerer Hauptumsatzträger wie des Anti-Allergikums Allegra und des Anti-Thromobose-Mittels Lovenox läuft bald ab. Und für die nächsten Jahren hat Aventis offenbar kaum neue, marktreife Produkte.

Persönliche Motive

Das feindliche Übernahmeangebot von Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq ist sicher auch von persönlichen Motiven geleitet: Er tritt die Flucht nach vorn an, weil der Aktionärspakt seiner Hauptanteilseigner abläuft.

Das macht sein Unternehmen verletzlich. Dehecq nutzt die vielleicht nie wiederkehrende Gelegenheit, dass sein wesentlich kleineres Unternehmen derzeit an der Börse genau so viel wert ist wie die große Aventis.

Die Kosten für die Entwicklung neuer Medikamente sind enorm, Regierungen wollen die Gesundheitskosten senken, der Patentschutz einiger Produkte wird von Gerichten in Frage gestellt, außerdem ergänzen sich die Unternehmen gut - all das spricht für eine Fusion.

In kaum einer Branche ist die Neigung zu Zusammenschlüssen so groß wie im Pharmasektor. Aventis, das schon vorher mit Sanofi diskutiert haben soll, wehrt sich auch nicht grundsätzlich gegen einen Zusammenschluss.

Pariser Wohlwollen

Die französische Regierung interveniert zwar nicht, doch sie sieht mit Wohlwollen, dass es bald einen globalen Champion mit Sitz in Frankreich geben wird. Darauf arbeitet Paris schließlich in fast allen Branchen hin.

Bleibt ein Bedauern aus deutscher Sicht: Noch in den siebziger Jahren war mit Hoechst ein deutsches Unternehmen die Apotheke der Welt. Diese Position hat es, auch aufgrund von Managementfehlern, verspielt.

Für die ehemaligen Hoechst-Beschäftigten, die sich bereits bei Aventis an den Rand gedrängt fühlen, ist es kein gutes Zeichen, künftig vermutlich nur noch der kleinere Teil eines französischen Riesen-Konzern zu sein.

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(SZ vom 27.01.03)