Von Von Gerhard Bläske

Der bisherige Airbus-Chef Noël Forgeard hat hoch gepokert und am Ende verloren. Der monatelange Machtkampf an der Spitze des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, dessen wichtigste Tochtergesellschaft der Flugzeugbauer Airbus ist, ist vorbei.

Klarer Sieger ist der deutsche Großaktionär DaimlerChrysler, der sich den Forderungen des von der französischen Regierung unterstützten Forgeard erfolgreich widersetzte.

Anzeige

Der brillante, aber vom Ehrgeiz zerfressene Airbus-Chef wird zwar künftig EADS-Boss. Doch die von ihm seit Jahren betriebene Abschaffung der deutsch-französischen Doppelspitze konnte er nicht durchsetzen. Er muss sich die Macht mit dem Deutschen Thomas Enders teilen.

Auch die von vielen Franzosen favorisierte Übernahme des Rüstungselektronik-Unternehmens Thales, durch die das fein austarierte Gleichgewicht bei der EADS in Richtung Frankreich gekippt wäre, scheiterte am Widerstand der Deutschen, die sich nicht provozieren ließen und entschlossen agierten.

Keine Aufteilung der Einflusszonen

Es wird auch keine Aufteilung der Einflusszonen in eine französisch kontrollierte Airbus-Sparte und ein deutsch dominiertes Rüstungsgeschäft geben, oder gar ein verkleinertes Führungsgremium.

Bleibt zu hoffen, dass Forgeard den Blick nach vorne richtet. Denn EADS und Airbus können es sich nicht leisten, wie bisher weiter zu machen. Zwar laufen die Geschäfte noch gut. Doch hat Boeing - zunächst fast unbemerkt - die geringere Aufmerksamkeit bei Airbus dazu genutzt, mit dem Langstreckenflugzeug 787 in die Offensive zu gehen.

Die Europäer haben ihr Konkurrenzprodukt, den A 350, zu spät auf den Weg gebracht. Zudem sind die Lieferverzögerungen beim Großraumflugzeug A 380 ärgerlich und zum Teil auf Fehler bei Airbus zurück zu führen.

Transatlantischer Streit

Noch größeres Ungemach droht jedoch im transatlantischen Streit mit Boeing um die Staatshilfen für die Branche. Der amerikanische Konkurrent hat es geschickt verstanden, die Diskussion um die Subventionen mit einem für Airbus enorm wichtigen und milliardenschweren Auftrag für Tankflugzeuge der US-Streitkräfte zu verknüpfen. Der Auftrag droht verloren zu gehen, wenn nicht bald eine Lösung gefunden wird.

Die Europäer sind bereit, auf die staatlichen Kredite etwa für das A-350-Programm zu verzichten, wenn die Amerikaner ihnen entgegen kommen. Nach dem Ende des Machtkampfes sollten sie sich dieser Frage nun mit voller Kraft widmen. Andernfalls droht das Ungemach diesmal nicht aus Paris, sondern vom Konkurrenten aus Seattle.

Leser empfehlen 

(SZ vom 27.06.05)