Von Marc Beise

Es soll Menschen geben, die "der Wirtschaft" vor allem Schlechtes zutrauen.

Die sich in Verschwörungstheorien ergehen und Führungskräften vor allem Böses zutrauen. Wirtschaft, denken diese Menschen, sei vor allem die Kunst, den Chefs und Eigentümern ein möglichst hohes Einkommen zu sichern, indem man das Unternehmen kaputtspart und notfalls zugrunde richtet.

Anzeige

Der erste Anschein gab diesen Kritikern bisher recht. Obwohl insbesondere die Konzerne seit zwei Jahren wieder richtig viel Geld verdienen, sahen die Mitarbeiter nur bescheidene Zuwächse - wenn ihre Jobs nicht sogar gestrichen wurden. Nun aber dreht sich das Bild.

Die gute Nachricht zu Frühlingsbeginn 2007 lautet: Den Rekordgewinnen folgt der Aufbau neuer Arbeitsplätze in vielen Bereichen. Den Wirtschaftskundigen kann das nicht überraschen.

Deutschland erlebt einen nachhaltigen Konjunkturaufschwung, der immer mehr Bereiche erfasst - und das nicht ohne Grund: Die Wirtschaft hat, bedingt durch eine schwache Weltkonjunktur und den stetig wachsenden internationalen Wettbewerb, einige schwere Jahre hinter sich. In dieser Zeit haben die Firmen - viel gescholten - richtig reagiert.

Sie haben überflüssige Strukturen abgebaut, sich saniert und neu ausgerichtet. Derart gestärkt kommen sie nun ins Geschäft zurück. Zurecht fordern Arbeitnehmer ihren Teil an diesem Erfolg. Kluge Arbeitgeber werden dies nicht verwehren, freilich möglichst so flexibel, dass für schlechtere Zeiten vorgesorgt ist.

Denn eines ist sicher: Nie war die Herausforderung durch die weltwirtschaftliche Konkurrenz so groß wie heute. Wer jetzt glaubt, auf Kosten keine Rücksicht mehr nehmen zu müssen, landet rasch in der nächsten Krise. Auch das gehört zum Bild der Wirtschaft.

Leser empfehlen 

(SZ vom 22.3.2007)