Von Von Karl-Heinz Büschemann

Allein die unfähigen Manager für die Probleme von Unternehmen wie Opel verantwortlich zu machen, ist ebenso Unsinn, wie nur den hohen Arbeitskosten Deutschlands die Schuld zu geben. Managementkunst und Löhne müssen im richtigen Verhältnis zueinander stehen.

Bei Opel sollen 10.000 der 30.000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Das hat der amerikanische Konzern General Motors (GM) angekündigt und damit die Republik aufgerüttelt.

Dunkle Wolken über dem Verwaltungsbau von VW in Wolfsburg. (© Foto: AP)

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Die Kosten in Deutschland seien zu hoch, ist die Begründung. Man könne die hohen Verluste in Deutschland nicht mehr tragen. Die Belegschaft ist empört, aber was sich die Wolfsburger Kollegen ausgedacht haben, würde den Arbeitern in Rüsselsheim oder Bochum trotzdem nicht einfallen.

Warnstreiks angedroht

Die IG-Metall hat für die deutschen Werke des größten europäischen Autoherstellers jetzt mit Warnstreiks gedroht, weil die Konzernführung nicht über eine Lohnerhöhung mit sich reden lassen will.

"Wir werden VW vor uns hertreiben", sagte der niedersächsische IG Metallchef Hartmut Meine vor Beginn der Verhandlungen.

Liegen Wolfsburg und Rüsselsheim/Bochum auf verschiedenen Planeten? In Deutschland hält sich auf der Seite der von Arbeitnehmern und Gewerkschaften hartnäckig die Überzeugung, dass für die Schieflage der Unternehmen vor allem Management-Fehler verantwortlich sind.

"Im Prinzip kerngesund"

Hätte der VW-Konzern in den vergangenen Jahren eine glücklichere Hand bei der Modellpolitik gehabt, hätte es mehr Cabrios im Angebot gegeben und hätte das Management sich besser gegen den schwachen Dollar abgesichert, wären die Gewinne in den beiden vergangenen Jahren nicht eingebrochen. Das Unternehmen sei im Prinzip kerngesund.

Auch bei Opel kreisen solche Vorstellungen. Die Rüsselsheimer Traditionsmarke sei von einer Truppe unfähiger amerikanischer Manager in den Abgrund getrieben worden.

Hätte es in den neunziger Jahren am Konzernsitz in Detroit nicht die harte Entscheidung gegeben, brutal zu sparen und die Qualität der Fahrzeuge zu senken, wäre der Opel-Absatz nicht zurückgegangen. Das Rüsselsheimer Unternehmen hätte heute keine Probleme.

Realitätsfremd

Die Urteil hat wenig mit der Realität zu tun. Ähnlich falsch ist aber auch die stereotype Behauptung der Arbeitgeber, die hohen Arbeitskosten in Deutschland seien schuld daran, dass eine Autofertigung im größten und teuersten Markt der EU nicht mehr rentabel möglich sei.

Allein die Beispiele BMW, Mercedes oder Porsche belegen, dass mit hohen deutschen Löhnen Autos gebaut werden können.

Nur unfähige Manager für die Probleme eines Unternehmens verantwortlich zu machen, ist ebenso Unsinn, wie allein den hohen Arbeitskosten Deutschlands die Schuld zu geben.

Herstellkosten und Attraktivität

Wenn ein Unternehmen für seine Autos am Markt die Preise nicht erzielen kann, die es zum Gewinnmachen braucht, stimmt das Gleichgewicht nicht zwischen den Herstellkosten und der Attraktivität der Modelle. Managementkunst und Löhne müssen im richtigen Verhältnis zueinander stehen.

Besonders schwer ist es, dieses Gleichgewicht im Massenmarkt der Durchschnittslautos zu finden, der in der Welt für rund 90 Prozent Automarktes steht.

Ein Grund ist, dass die Autoindustrie wesentlich mehr Autos bauen als verkaufen kann. Die Branche leidet weltweit unter Überkapazitäten von rund 20 bis 30 Prozent.

Aggressive Rabattschlachten

Sie könnte leicht 10 Millionen Autos mehr bauen als die derzeitigen 50 Millionen Stück. Die Folge dieses Überschusses sind aggressive Rabattschlachten, die die Gewinne der Hersteller in den Vereinigten Staaten, in Europa - und verstärkt auch in China - unter Druck setzen.

Krisenberichte von Fiat, General Motors oder Mitsubishi Motors sind Ausdruck der katastrophalen Entwicklung.

Der Weltmarkt mit seinem Druck auf Löhne und Preise ist in Deutschland überall zu spüren. Deutsche Autobauer müssen heute so wettbewerbsfähig sein wie nie zuvor.

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