Deutschland fehlen die Kinder. Mit den Kindern entscheidet sich das Schicksal des Landes, und es ist beklemmend zu sehen, wie wenig das bisher verstanden ist.
Deutschland hat viele Probleme, in diesen Tagen wird es wieder offensichtlich. Das größte Problem ist grundsätzlicher Natur: Den Deutschen fehlt weitgehend die Fähigkeit, verhängnisvolle Trends rechtzeitig wahrzunehmen und dann beherzt gegenzusteuern.
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Etwa in der Beschäftigungspolitik: Jahrelang sind die monatlichen Arbeitslosenzahlen aus Nürnberg von den nicht persönlich Betroffenen mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen und gewissermaßen geistig abgeheftet worden.
Steigendes Armutsrisiko
Heute ist der Schock über mehr als 5,2 Millionen offiziell ausgewiesene Arbeitslose so groß, dass er womöglich SPD-geführte Regierungen in Land und Bund aus dem Amt tragen wird.
Ein noch viel größeres Problem tut sich in der Familienpolitik auf. Deutschland fehlen die Kinder - und das hat Folgen, deren Tragweite noch kaum richtig erkannt sind. Mit den Kindern entscheidet sich das Schicksal des Landes, und es ist beklemmend zu sehen, wie wenig das bisher verstanden ist.
Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist in dieser Woche von der Öffentlichkeit eher beiläufig zur Kenntnis genommen worden. Die Zahl der Armen in Deutschland steigt, das Armutsrisiko wird größer: Kurze Betroffenheit, abhaken, vergessen? So einfach darf man sich das nicht machen.
Zwar sind die Zahlen insgesamt zu relativieren. Der Anteil der unter der Armutsgrenze lebenden Menschen (11 von 82,5 Millionen) ist seit Amtsantritt der rot-grünen Regierung 1998 bis Ende 2003 von 12,1 auf 13,5 Prozent gestiegen.
Gemessen wird dabei jedoch eine relative Armut; einbezogen ist, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung hat; bittere Not herrscht selten.
Wirklich ernst ist die Lage der Kinder. Das Armutsrisiko bei Familien liegt höher als der Durchschnitt, es ist von 12,6 auf 13,9 Prozent gestiegen. Erst recht trifft das die immer größere Gruppe der Alleinerziehenden.
Ihr Armutsrisiko ist mit 35,4 Prozent fast dreimal so groß wie beim Durchschnitt der Bevölkerung. Unter den Sozialhilfebeziehern des Jahres 2003 stellten Kinder unter 18 Jahren mit etwa 1,1 Millionen die größte Gruppe.
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak